In der Stadt

„Chüngold in dr Stadt“, das zweite autobiografische Werk der Mundartdichterin Maria Lauber (19891-1973) ist im Juni 2021 in einer neu bearbeiteten Ausgabe erschienen.

Es ist der dritte Band der von der Kulturgutstiftung Frutigland betreuten und von Erich Blatter – dem Biografen von Maria Lauber – geleiteten Neuherausgabe der Werke von Maria Lauber.

Das Buch ist im –> Kiosk der Kulturgutstiftung Frutigland erhältlich. Es enthält neben dem Text von Maria Lauber mehrere erläuternde Beiträge.
Die Ankündigung auf der Webseite der Stiftung beschreibt das Buch ausführlich:

Das Buch

«Wen ig doch og esmal chönnti e Leäreri gä!»


 An einem Märzmorgen 1907 wird dieser verwegene Wunsch des Bergbauernmädchens von Prasten konkreter. Erwartungsvoll, ängstlich sitzt Chüngold im Zug nach Bern zur Aufnahmeprüfung ins Lehrerinnenseminar. Drei Jahre später fährt die nun 19-Jährige zurück ins Frutigland, um dort eine Gesamtschule mit knapp 40 Kindern zu übernehmen. «U jitz stiit ds Chüngi vur syr iigete Schuel.»

Zwischen diese beiden Ereignisse spannt Maria Lauber den Bogen ihrer stark autobiografisch geprägten Mundarterzählung. Sie beschreibt mit eindrücklicher Beobachtungsgabe Chüngolds Erlebnisse im Seminar, ihren Alltag in der unbekannten Stadt und ihre Gefühle von Einsamkeit, Selbstzweifel und Heimweh. Der Weg des Erwachsenwerdens der scheuen Frutigtalerin, die mit ihrem Anderssein durch Herkunft und fremdem Dialekt und mit finanziellen Sorgen fertig werden muss, ist schwierig: Das Mädchen vom Berg wird in der Stadt nie heimisch, saugt jedoch mit Fleiss und Begeisterung das Bildungsangebot des Seminars auf. Wie erholsame Inseln sind jeweils die Ferienaufenthalte daheim, in der Familie, in den vertrauten Bergen.

Einen bedeutenden Beitrag leistete Erich Blatter, der den Mundarttext in die – von ihm – überarbeitete Schreibweise übertragen hat, versehen mit ausführlichen Kommentaren und ergänzt mit der Entstehungsgeschichte von Maria Laubers Erzählung. In weiteren Beiträgen stellen Barbara Traber die wegweisenden Lehrkräfte vor, Rudolf Dellsperger den religiösen Konflikt und Lucien Criblez die Lehrerinnen Ausbildung der Seminaristin.“
Quelle: https://kulturgutstiftung.ch/aktuell/

U jitz stiit ds Chüngi vur syr iigete Schuel

Mit diesen Worten beginnt das Kapitel ‚Di jungi Leäreri‘ in Chüngold in dr Stadt. Es war der 11. April 1910, als die junge Maria Lauber in ihre neue Schulstube trat, und es war in Adelboden, genauer im Dorfteil Stigelschwand. Das dortige Schulhaus ist 2010 – 100 Jahre später – aufgehoben worden; es hat Maria Lauber nicht glücklich gemacht. Den Weg vom Dorf unter der Fluh durch ins Seitental beschreibt sie euphorisch, die Erfahrung mit den Schülern ist jedoch bis zum Schluss nicht glückhaft. Ein Jahr später wählt die Schulbehörde sie nicht auf diese Schule, ein Lehrer wird der Lehrerin vorgezogen. So verlässt sie im April 1911 das Dorf.

Nur kurz bleibt sie in ihrem Elternhaus in Prasten, bevor sie ihre nächste Schulstube im Emmental betreten wird.

Elternhaus von Maria Lauber in Prasten ob Frutigen und Erinnerungstafel

Die Mundartdichterin

Maria Lauber war zwar stark im Frutigland verwurzelt, ihre Bedeutung als Mundartdichterin geht aber weit über dieses Tal hinaus. Davon zeugen nicht zuletzt die Veranstaltungen, die anlässlich des neuen Buches stattfinden:

Die Anlässe zu Maria Lauber und «Chüngold in dr Stadt»

* Sonntag, 25. Juli 2021:
 Schloss Heidegg (AG), 14 Uhr  19. Schweizer Mundarttag – Barbara Traber stellt dort «Chüngold in dr Stadt» vor.
* Samstag, 23. Oktober 2021: Heimisbach, Chrummholzbad,  16 Uhr, Simon Gfeller Stiftung –  Lesung mit Andreas Wäfler und Moderation Urs Gilgien
* Samstag, 6. November 2021: Kirchgemeindehaus Frutigen, 16 Uhr, Kulturgutstiftung Frutigland – Silvia Zurbrügg liest Texte – Konzert mit Christoph Trummer und Nadja Stoller 
* Freitag, 19. November 2021: Bibliothek Spiez – «Chüngold in dr Stadt», Andreas Wäfler liest Texte, Barbara Traber beleuchtet wichtige Impulse der Deutschlehrerin, Emma Graf, auf Maria Lauber.

Mehr noch zu Maria Lauber …

  • In der Rubriken ‚Maria Lauber‘ und ‚Aktuell‘ finden sich auf der Webseite der –> Kulturgutstiftung Frutigland verschiedene vertiefende Informationen zu Leben und Werk von Maria Lauber.

Und dieser Blog ‚Adelboden – Geschichte und Geschichten‘ befasst sich seit 2008 in mehreren Beiträgen mit der Dichterin, z.B.:

… und zu Schulen in Adelboden

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Tristen revisited

Wieso faszinieren sie (nicht nur) mich immer wieder?

Ist es die ziemlich geniale und einfache Art, einen Nahrungsvorrat anzulegen? Ist es das alte Handwerk, welches dahintersteckt? Der Nutzen, den sie hungrigen Tieren im Winter spenden?

Wie auch immer, –> hier wieder mal ein (interaktiver) Blick auf diese selten gewordenen Landschaftsphänomene.

Und so geht es auch: den Link in der Bildlegende anclicken und mit scrollen beginnen!

Vergangenes Im Bild

Viel ist geschrieben worden über die im 2. Weltkrieg in Adelboden internierten Piloten. Weniger über die Kinder, die kurz nach Ende dieses Krieges zur Erholung nach Adelboden kamen. Ein kurzer Bericht der –> Schweizer Filmwochenschau vom Juni 1946 beleuchtet dies – ziemlich idyllisch.

Es ist eines von vielen Dokumenten, die auf der neu gestalteten
Plattform –> memobase.ch des Vereins zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz eingesehen werden können.
Darunter recherchierbar auch zahlreiche zu Adelboden, Berner Oberland und weiteren Stichwörtern.

Memobase ist das nationale Recherche- und Zugangsportal von Memoriav, der Kompetenzstelle für das audiovisuelle Kulturgut der Schweiz. Memoriav ist ein Netzwerk von Institutionen und Fachpersonen, die sich für die Erhaltung und Vermittlung des audiovisuellen Erbes nachhaltig engagieren – memoriav.ch. In Zusammenarbeit mit diesen Archiven, Bibliotheken und Museen aus allen Landes- und Sprachregionen der Schweiz ermöglicht das Onlineportal das Recherchieren von professionell archivierten Fotografien, Filmen, Ton- und Videodokumenten und schafft Zugang zu diesen Bild- und Tondokumenten für Bildung, Forschung und die interessierte Öffentlichkeit. “  (Quelle: memobase.ch)

Mehr dazu in der Medienmitteilung des Vereins memoriav:

DIE NEUE MEMOBASE HEBT AB! DAS PORTAL ZUM AUDIOVISUELLEN ERBE GEHT ONLINE
–> #MEDIENMITTEILUNG

18.05.2021

Meisterhafte Ansichtssachen

Dass in Adelboden die Photographie früh herausragende Vertreter besass, ist weitherum bekannt. Und immer wieder bringen die Archive überraschende Schönheiten hervor.

Wunderschöne Ski- und Winterbilder aus den Archiven von Emanuel Gyger (1886– 1951) und Arnold Klopfenstein (1896–1961) sind im Oktober 2020 in Berlin in einer speziellen Ausstellung mit eigener Website gewürdigt worden,

Gyger & Klopfenstein / Sammlung Daniel Müller-Jentsch

Und so die Einschätzung der Austellungsmacher:

"Sie [Gyger und Klopfenstein] interließen über 10.000 Landschaftsfotografien mit einem Schwerpunkt auf alpinen Schnee- und Winterwelten. Auf ihren Expeditionen durchs Hochgebirge entstanden dabei auch etwa 250 Skifotografien, die zu ihren Lebzeiten ein Nebenwerk darstellten, aber rückblickend als ihr künstlerisches Hauptwerk zu betrachten sind. In den 1920er und 1930er Jahren perfektionierten Gyger und Klopfenstein mit der Skifotografie ein damals noch junges Genre."

Zeitgleich mit der Ausstellung ist 2020 auch ein Buch von Daniel Müller-Jentsch erschienen


Daniel Müller-Jentsch (Hrsg.), Emanuel Gyger und Arnold Klopfenstein – Pioniere der Skifotografie. Regenbrecht Verlag, Berlin.
ISBN 978-3-948741-04-4

Ausstellung und Buch haben einige Wellen geworfen.
Arte hat in seinem TV-Kanal einen eigenen kurzen Film publziert, der noch bis zum 13.10.2021 verfügbar ist.
– In der –>NZZ, bei >swissinfo …. finden sich mehr von diesen erstaunlichen Bildern.

Gyger & Klopfenstein / Sammlung Daniel Müller-Jentsch

Und mehr noch

Nicht nur technische und ästhetische Raffinesse zeichnen Klopfenstein/Gyger aus. Ihre Archive bieten auch historisch Interessantes.

Ein weiteres Beispiel dazu ist das 2018 erschienene –> Buch „Adelboden in alten Ansichten“:

Adelboden in alten Ansichten Autoren: Peter Klopfenstein, Toni Koller, Christian Bärtschi 228 Seiten, 29,8 . 21,1 cm, gebunden, Hardcover Mit 212 Abbildungen ISBN 978-3-03818-185-9

Eine ausführliche –> Rezension dazu und auch etwas zur Fotogeschichte in Adelboden ist in der Berner Zeitschrift für Geschichte 2020 erschienen.

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Von Kunst allein …

Aber letzlich ist die Fotografie auch ein Geschäft, das die professionell Fotografierenden ernähren soll.
Faszinierende Bider auf Postkarten sind dabei ein wichtiges und breite Aufmerksamkeit bringendes Standbein. Sie finden sich heute noch in den Auslagen der lokalen Geschäfte und sind telweise – wie bei –> Photo Klopfenstein – auch online erhältlich; dies in verschiedenen Formen und für unterschiedliche Orte auch ausserhalb Adelbodens.

Schon Jahrzente zuvor war einiges an Marketingphantasie nötig, um das Faszinosum Bild und Erinnerung unter die Leute zu bringen.

So zum Beispiel Gyger/Klopfensteins kleinformatige Bildersammlungen in Sichtumschlägen, die leicht transportierbar und ebenso leicht als Geschenk verschickbar waren, Preis in den 1960er Jahren 1.60 CHF für ein 10er Set, zu heutigen Preisen (–> Teuerungsrechner BFS) ca. 5.30 CHF (Dank an Dominique Frei, Genf, der sich an diese Erinnerungen erinnerte!) .

Zukunft?

Ob solche Artikel allerdings den digitalen, in Echtzeit verschickbaren Smartphone-Eigenkreationen standhalten können? Man kann gespannt sein, welche Geschäftsmodelle sich mit hochwertigen Aufnahmen und Archiven noch entwickeln werden. Es muss nicht immer gedruckt und physisch vorhanden sein – digitale Originale mit NFT (–> non fungible tokens) sind bereits verbreitet.

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Kuonisbergli Einst und jetzt

Es ist vorbei. Es war ruhig, ohne grossen Rummel in Festzelten und auf der Bühne, würdig und wie immer spannend: Die Skirennen am Kuonisberg vom 8. bis 10. Januar 2021 – ganz im Zeichen der Coronapandemie.

2021

Die Piste war perfekt, das Wetter strahlend,

Die Piste eine Woche vor den Rennen

Piste bereit 6.1.2021

Die Schwierigkeiten am Zielhang bilden wieder für alle Fahrer eine Herausforderung, aber ohne die anfeuernde Zuschauertribüne :

1960er Jahre

Die Skirennen am Kuonisbergli haben eine lange Tradition. 1956 zum ersten Mal als Internationaler Adelbodner Skitag durchgeführt und ab 1967 FIS Weltcup Slaloms sind sie heute bekannt als grosse Skifeste mit Zehhntausenden Besuchern. ( -> Wikipedia und ->weltcup-adelboden.ch)

2021 aber finden – unfreiwillig und virengeschuldet – wieder ganz intime, besucherarme Rennen statt.
Intim – auf eine andere Art – waren sie schon früher, und auch ohne den unfallträchtigen Zielhang. Das zeigen Bilder vom 5. Januar 1969, als die beiden Franzosen Augert (Cousins notabene) die Plätze 1 und 2 eroberten.

Zurück in die Geschichte der Rennen: 1903!

Die Slaloms am Chuenis sind allerdings bei weitem nicht der Beginn der Skirennen in Adelboden. Diese beginnen – so recht organisiert – 1903 noch einmal mehr als 50 Jahre früher, Und sie sind damals viel breiter angelegt, als eigentliche Skifeste mit vielen verschiedenen Disziplinen.

Jakob Aellig hat die Geschichte der Adelbodner Rennen und des -> Skiklubs im (nur diesem einen Beitrag gewidmeten) Hiimatrief von 1978 eindrücklich nachgezeichnet:

…. seit der Skiklub Bern 1903 und 1904 bei uns seine ersten beiden Alpinen Rennen erfolgreich durchführte, zeichnete sich die Vielfalt ab: In verschiedenen Kategorien massen sich Senioren und Junioren, Damen und Herren, Aelpler, Führer, Klubmitglieder, Einheimische, Gäste, Knaben, Mädchen, usw. Ein Organisationskomitee, das sich in viele Subgruppen gliederte, sorgte für eine möglichst einwandfreie Durchführung. Allerdings hielten Föhn, Schneemangel oder Regeneinbruch die Veranstalter immer bis zuletzt in Atem.“ (Aellig, p.2)

Die Zeitung Der Bund ruft anfangs Februar 1903 Besucherinnen und Besucher eindrücklich zum Besuch dieses Skirennens auf. Es soll schon damals ein Fest werden:

Was zu diesen Disziplinen gehörte, kann dann in der NZZ vom 15. Februar 1903 nachgelesen werden; unter anderem zählte dazu ein alpiner Dauerlauf über 20 km über den Hahnenmoospass von Adelboden in die Lenk und zurück.

Nach dem ersten Weltkrieg: Die Alpinen Skirennen

Nach dem [ersten Welt-]Krieg erinnerte man sich kaum mehr an die ersten alpinen Skirennen, die mit ihren siebenhundert-Meter-Steigungen ungeheure physische Anforderungen gestellt hatten. Kürzere, flachere Laufstrecken wurden Mode, wie sie im Norden üblich waren. “ (Aellig, p.6)

Doch dabei blieb es nicht, die Erinnerung an frühere Formen kam zurück:

Am 19. Oktober 1925 beschloss die Generalversammlung [des Adelbodner Skiklubs], am 23. Januar [1926] einen … Lauf und am 24. eine Sprungkonkurrenz durchzuführen. Das war die Geburtsstunde des Alpinen Skirennens der Nachkriegszeit.
Die Läufer starteten auf dem Hahnenmoos, wohin sie vormittags vom Dorf aus gewandert waren. In leichter Abfahrt erreichten sie Geils, zogen den Siten entlang über Winterröschten ins Bütschi, strebten der Wallislegi zu und von dort wieder zur Passhöhe beim Hahnenmoos. Darauf ging es scharf hinan zum Lavey und dann über Hintersillern — Stiegelschwand hinunter zum Ziel auf dem Stiimattli im Innerschwand. Dieser in der Schweiz einzigartige Lauf war über 18 km lang, mutete den Läufern mehr als 600 Meter Steigung und weit über 1000 Meter Höhendifferenz im Abfahren zu.“
(Aellig, p.6)

Aber offenbar war es den Besucherinnen und Besuchern doch etwas zu anstrengend, den Parcours zu besuchen. Die Teilnehmerzahl nahm über die Jahre ab, und auch die internationale Anerkennung von Abfahrt und Slalom durch die FIS Ende der zwanziger Jahre führte zum langsame Ende des anstrengenden Dauerlaufs.

Die Konzession an neuere Entwicklungen wurde … im Winter 1933 bestätigt. An der Halte im Boden steckte der Mürrener Kurdirektor G. Michel im Rahmen eines Alpinen einen — hier erstmals elektrisch gemessenen — Slalom aus. ….Von Anfang an verbunden mit dem Alpinen Rennen war ein Sprunglauf, dessen Resultate zur Ermittlung eines Kombinationssiegers verhalfen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man das Alpine Rennen mit seiner Sprungkonkurrenz als den jeweiligen Höhepunkt der Rennanlässe einer Wintersaison bezeichnet. Es ist auch der originellste Beitrag gewesen, den der Skiklub Adelboden der schweizerischen Rennenentwicklung geliefert hat.“ (Aellig, p.8/9)

Schon 1903 gehörten Skisprünge mit zum Programm, erst recht nach dem Bau der Lohnerschanze im Eselmoos 1919. Aber das Skispringen in Adelboden überlebte nicht, immer grössere und teurere Schanzen verlangte das Publikum … Kandersteg übernimmt.

Slalomzeit ab den 1950er Jahren

Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport und der Wahl zum Kurdirektor von Adelboden ergriff Dr. Fred Rubi die Initiative, in seinem neuen Wirkungskreis eine internationale Skiveranstaltung aufzuziehen. Von 1955 bis 1957 wurde ein Spezialslalom ausgetragen, und von 1958 bis 1961 umfasste der Adelbodner Skitag einen Slalom und einen Riesenslalom. Seit 1963 setzt sich das Programm aus zwei Riesenslaloms zusammen, wobei das Klassement durch Addition der Zeiten beider Läufe ermittelt wird. Als 1967 der erste FIS-WELTCUP ausgeschrieben wurde, war Adelboden mit dabei …….“ (Aellig, p.9) ….
… und ist es heute noch. Nächstes Rennen – wie intim auch immer – am 8. Januar 2022 Riesenslalom und 9. Januar 2022 Slalom.

1977 mit dem Zielraum wie 2021

Ein Schneider in Adelboden

Ein Blick in die Geschichte zweier Generationen aus einem Bergdorf. Er zeigt uns, wie der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft persönliche Schicksale mitprägt.

Friedrich (1873-1951)

Am Beginn: Friedrich Lauber, Sohn des Landwirts und Schumachers Stephan Lauber. Vom Vater soll er das Schuhmachen gelernt haben, als Kind half er wohl mit beim Herstellen von Spanschachteln, die der Zündholzfabrik in Kandergrund als Verpackung dienten. Verbunden damit waren auch lange Wege auf der alten Adelbodenstrasse beim Abliefern in die Fabrik.

Friedrich kauft oder tauscht nach seinem Auszug aus dem Haus der Eltern ab 1898 in kurzen Abfolgen verschiedene Wohnstätten bis er dann ab 1901 im Adelbodner Ortsteil Boden (Thal) ein Haus mit etwas Weide, Wald und einer Heumatte erwirbt und etwas länger bewirtschaftet.

Walehälti / Im Tal

Beginn

Friedrich ist verheiratet mit einer Tochter des Lehrers Fritz Allenbach. Und hier dringt der auch in Adelboden Einzug nehmende Tourismus langsam in sein Leben ein, genauer des Hoteltourismus und noch genauer des Hotels Bellevue.

Die Webseite des heutigen Hotels Bellevue beschreibt diese Anfangsphase so:

„1901 | Lehrer Fritz Allenbach lässt das Hotel Bellevue als Holzbau mit Seitentürmen und -erkern bauen. In Adelboden entstehen 1901 etliche weitere Hotels. Den Hotelboom lösen Lehrer und Bauern aus, die sich – vergleichbar mit den nach Amerika ausgewanderten Goldgräbern – vom neuen Geschäft Reichtum oder zumindest eine sichere Existenz erhoffen. Ganze Familien helfen als Bürgen bei der Finanzierung der Bauten mit. Parallel dazu erfährt Adelboden eine Art «Kolonisierung» durch Hoteliers aus dem inneren Oberland, das von englischen Touristen schon fünfzig bis siebzig Jahre zuvor erobert worden ist. Doch da sich in diesen Gebieten schon um die Jahrhundertwende eine Sättigung an Hotelbetrieben abgezeichnet hat, expandieren sie in das noch unberührte Engstligental. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfährt die blühende Tourismusbranche einen ersten Rückschlag. Die Gäste bleiben aus, die Logiernächte sinken beträchtlich.“

Die Statistik zeigt diesen Einbruch der Gästezahlen und der Logiernächte und damit auch der Einnahmen mehr als deutlich:
(Grafiken können in der Regel mit Rechtsclick -> „Grafik anzeigen“ im Grossformat betrachtet werden)

Die Webseite des Hotels beschreibt die weitere Zukunft rosig:

„1919 | Nach Kriegsende übernimmt die Kantonalbank von Bern (heute Berner Kantonalbank) das Hotel Belleuve und baut es zu einem für damalige Begriffe modernen Hotel aus. Die Bäder, die in einem Teil der Zimmer eingebaut werden, entsprechen höchsten Komfortansprüchen. Das Bellevue wird als Kuranstalt mit Dr. G. Schaer als Arzt und A. Wenger als Hoteldirektor geführt und heisst fortan Parkhotel Bellevue.“

Exodus

Aber ganz so rosig ging es für Friedrich Lauber nicht weiter. Seine Frau, die Tochter des Lehrers Allenbach, ist 1908 gestorben. Er hat für seinen von der Krise gebeutelten Goldgräber-Schwiegervater gebürgt … und mit ihm Geld verloren. Im Februar 1915 muss er daher sein Haus im Thal verkaufen. Er verlässt 1917 das Dorf Richtung Unterlangenegg. Dank eines Erbes seiner zweiten Frau Bertha Dänzer kann er dort den Hof Schindler erwerben.

Der Hof im Umfang von 952 Aren liegt am Hang, umfasst Garten, Ackerland, Wiesen und eine „Rutschpartie“. Tatsächlich ereignet sich im Juni 1987 im Hirschigraben ein grosser Erdrutsch und staut die Zulg.

Wilhelm 1922-1999

Und hier beginnt die Geschichte von Wilhelm Lauber: Geboren 1922 im Schindler.
1939, der Vater Friedrich war alt geworden und wollte – vielleicht auch getrieben von Heimweh – zurück nach Adelboden. So verkauften sie den Hof und machten sich auf den Weg, allerdings mit einem einjährigem Zwischenhalt im Tregel, nur noch 4,5 km Luftlinie vom Elternhaus entfernt. Dieses konnte Friedrich dann 1940 von einem Neffen mieten und dort mit seiner Frau Bertha und umgeben von geliebten Ziegen sein Alter verbringen.

Friedrich und Bertha Lauber-Dänzer

Berufsanfang

Das (heute nicht mehr existierende) Elternhaus in der Sunnsite-Bodezälg, neben dem Bodenschulhaus gelegen, war einfach und sonnig.

Grundriss Elternhaus Sunnsite-Bodezälg (abgebrochen)

Nach der Schneiderlehre in Belp beginnt Wilhelm selbständig zu schneidern.
Die Stube im Elternhaus dient ihm anfänglich als Atelier.

Leben in der ökonomischen Nische

Und er wirtschaftet offenbar gut, so dass er sich 1948 ein eigenes Haus mit zwei Wohnungen bauen kann, gelegen am alten Wanderweg aufs Kuonisbergli.
Und so ist aus Wilhelm Lauber der Schneider im Boden geworden. Das Wirtschaftsmodell ist nachhaltig. Wieder spielt – neben dem Kleingewerbe – auch der Tourismus mit, diesmal die Parahotellerie: Zum einen bietet Wilhelm in der Boutique im Parterre lokalen Kunden Sonntagsgewänder, halbleinene Hosen und Mutzen für Gesangsvereine an, flickt Kleider.

Wilhelm Lauber und Schwester Berta Lauber

Zum andern sorgt seine Schwester Berta, die mit ihm – und bis 1963 auch mit der Mutter Bertha – im Haus lebt, für die Ferienwohnung, die gut besucht ist. Das Gästebuch zeugt davon, ab und zu poetisch. Und verrät dabei, dass Wilhelm auch als Fremdenführer wirkte.

Aus dem Gästebuch der Ferienwohnung

Etwas mehr als 50 Jahre bewährt sich dieses Lebensmodell der beiden Geschwister bestehend aus lokalem Handwerk, kontinuierlichem Ferienwohnungstourismus und Selbstversorgung aus dem Garten. Umgeben von Blumen und Katzen. Home office der anderen Art – oder doch nicht?

Wilhelm Lauber stirbt Ende 1999, kurz vor dem Lotharsturm; Berta mit 90 Jahren 2003 im Altersheim.

Aus Wilhelm Laubers Schneiderwerkzeugkiste

Zündend

Den vielen Kindern, Frauen und Männern, die in den Frutigtaler Zündholzfabriken (und in Heimarbeit) der Armut etwas entkommen konnten ist mit einem kleinen Museum ein Denkmal gesetzt.

Das Museum ist in der alten Zündhölzlifabrik in Kanderbrück (Zündhölzliweg) in 3714 Frutigen. Eröffnet wird es am 24. Juli 2021 verbunden mit einer Aktionswoche.
-> Mehr dazu auf der Webseite der Kulturgutstiftung Frutigland.

„Die Kulturgutstiftung [Frutigland] hat in Archiven und Bibliotheken umfassend recherchiert, Zeitzeugen befragt und Gegenstände gesammelt. Daraus ist eine Museum und eine Broschüre entstanden. Zu erfahren ist darin, wie sich die Herstellung der Hölzchen verändert hat, wie die Kinderarbeit und gesundheitliche Probleme lange Zeit an der Tagesordnung waren, einzelne Familien die Zündholzindustrie prägten, ein Schwedentrust die meisten Betriebe übernahm und nach und nach schloss. Heute werden noch in der Firma Pyro-Willen Spezialitäten produziert und Handel mit Feuerwerk betrieben.“ Quelle: Kulturstiftung Frutigland

Entstanden ist die Broschüre +Die Zündholzindustrie im Frutigland von Hans Egli und Ruedi Egli..

Radio SRF hat u.a. darauf basierend unter dem Titel „Wie Streichholzfabriken Kinder vergifteten“ am 27.12.2020 eine umfassende Reportage publiziert:

Altes neu erfinden

Seit 1783 steht unterhalb der Dorfstrasse das von Notar Christian Bircher erbaute sogenannte Bircherhaus. Heute im Besitz der Gemeinde und vermietet.

Ins Zentrum von Diskussionen geraten ist es nicht zuletzt wegen der wiederentdeckten geschliffenen Glasscheiben. Diese stammen ebenfalls aus dem Baujahr und sind Geschenke von Freunden an den Bauherrn; deshalb enthalten sie auch die Wappen der Schenkenden.

Schon 2018 haben sie Aufmerksamkeit erregt, als sie – soeben wiederrentdeckt – dem Dorfarchiv an dessen Jubiläumanlasss überreicht wurden. –> EIN JUBILÄUM: 10 JAHRE DORFARCHIV ADELBODEN

Dem Haus hat Jakob Pieren im Heimatbrief 2020 einen umfangreichen Artikel gewidmet. Er beschreibt das Gebäude, dessen Entstehung und eben die Geschichte der teilweise wieder gefundenen Schliffscheiben.

Und Jakob Pieren engagiert sich nicht nur mit einem Artikel, sondern auch mit Vorschlägen und Lobbying für den Erhalt und eine neue Zukunft des Hauses. Seine Vision: „Begegnungszentrum Bircherhaus“:

Die Vision: Begegnungszentrum Bircherhaus

Man könnte das Haus, wenn das bestehende Mietverhältnis einmal endet, (ev. zusammen mit der Scheune) zu einem kleinen, aber schmucken Begegnungszentrum der Gemeinde Adelboden umgestalten.

Hier ein Vorschlag für ein denkbares Raumkonzept (inkl. Lift und durchgehender Rollstuhlgängigkeit):

  • Einbau eines Versammlungsraumes im Dachgeschoss für kleinere Konzerte, Lesungen usw.
  • Lokalitäten für das Dorfarchiv, Umzug oder Erweiterung des Heimatmuseums
  • Raum für kleinere feierliche Anlässe der Gemeinde («Notar Stoller-Stube» mit den in einem Fenster konzentriert eingebauten Schliffscheiben)
  • Kleine Küche für Apéros usw.
  • Haus und Scheune liessen sich unterirdisch untereinander und mit dem Gemeindehaus verbinden. So könnten einerseits Reserveraum für die Gemeindeverwaltung und andererseits wohl auch Synergien für Haustechnik und Unterhalt geschaffen werden.“
    (Heimatbrief Nr. 81, p.38)

Eine rosa Zukunft für das Bircherhaus?

 Ein paar Fragen an Jakob Pieren (JP), Autor des Artikels im Heimatbrief, insbesondere zur Zukunft des Hauses:

13 im Jahr 1783 von Freunden des Bauherrn Bircher gespendete Glasscheiben mit Geschlechterwappen. Lässt sich daraus etwas zur Sozialstruktur Adelbodens in dieser Zeit herausfinden?

JP: Durchaus, schon die reine relativ grosse Anzahl gestifteter Scheiben ist ein Hinweis auf den überdurchschnittlichen Status des Bauherrn Notar Bircher. Aber auch die Scheibenstifter, welche sich doch recht prominent als Gönner auf den Scheiben verewigt haben, zeigten damit auch ihren Wohlstand und Stellung in der Gesellschaft. Weiter geben die Herkunftsorte der Scheiben Hinweise auf das Beziehungsnetz von Bircher. Interessant ist zum Beispiel auch die Tatsache, dass der Dragonerhauptmann und Scheibenstifter Matti aus dem Saanenland eine Schwester des Notars geheiratet hat. Ein weiterer Beweis, dass die Welt auch damals nicht vor dem Dorfeingang aufgehört hat.

Die im Artikel genannte Vision eines Begegnungszentrums ist recht traditionell und umfasst eigentlich nur ein Raumkonzept. Was könnte mit diesen Räumen angestellt, welche Ziele damit verbunden werden? Gibt es dazu Konkreteres?

JP: Wir, das heisst eine kleinere Gruppe von interessierten Leuten mit Bezug zu Adelboden, stehen erst am Anfang dieses Projektes. Im Moment gehen wir davon aus, dass das Haus eine kleine Wohnung mit einem Atelier aufweisen sollte, welche jeweils einem "artist in residence" für einige Wochen/Monate gratis zur Verfügung gestellt werden könnte. Im Obergeschoss sehen wir einen grösseren Raum, der für kleinere Anlässe und Ausstellungen mit einigen Dutzend Sitzplätzen konzipiert werden soll. Dieser Raum könnte auch von Privaten oder Vereinen für Familienfeiern und andere Anlässe gemietet werden. Im Erdgeschoss soll eine Stube als Repräsentationsraum (eventuell mit den wieder eingebauten Schliffscheiben usw) für offizielle Empfänge der Gemeinde usw vorgesehen werden. Im Weiteren sollen Mehrzweckräume oder Werkstätten inkl EDV Erschliessung eine breite Pallette von Anwendungen ermöglichen. Eine kleine Küche, sowie Garderoben und WC Anlagen sowie ein Lift runden das rollstuhlgängige Haus ab.
Neben dem Künstler, der temporär einen kleinen Teil des Hauses bewohnt und am Schluss seines Aufenthalts auch sein Werk präsentiert, sehen wir einheimische und auswärtige Kursanbietende als mögliche Interessenten, die die Mehrzweckräume als Arbeitsräume nutzen könnten und für Unterkunft und Verpflegung der Kursteilnehmenden auf der Infrastruktur des Dorfes basieren.
Grundsätzlich könnte man relativ einfach das Raumvolumen deutlich vergrössern, wenn man a) tiefer in den Untergrund geht und b) die Scheune auch noch einbezieht. Auch eine bauliche Verbindung mit dem unmittelbar daneben stehenden Gemeindehaus wäre denkbar. Im Moment verfolgen wir in unsern Überlegungen diese Möglichkeiten aber noch nicht weiter. Es ist vorgesehen, wenn die Planungen etwas weiter fortgeschritten sind, an die Öffentlichkeit zu gehen und in einem Workshop möglichst auch input aus der breiteren Bevölkerung zu erhalten.

Um Ziele zu verwirklichen, Leben in das Haus zu bringen, braucht es materiell oder ideell beitragende Partnerinnen und Partner. Was müsste für Jung und Alt an attraktiven Angeboten zu Unterhaltung, Lernen, Entwickeln … vorhanden sein? Wer könnte hier gewonnen werden, um dem alten Haus Neues einzuhauchen?

JP: Zum Teil finden sich Antworten dazu schon bei der vorherigen Frage. Wir sehen aber auch die Notwendigkeit eine Organisation zu bilden, die quasi das Haus betreibt, das heisst einerseits für den Unterhalt schaut und besorgt ist, dass die Räume genutzt werden und wenn möglich kein zu grosses Defizit entsteht. Welche Leute wollen sich hier engagieren? Wir wissen es noch nicht und auch nicht wieweit die Gemeindebürger allenfalls dann bereit sein werden an einen Umbau und für den Betrieb zu zahlen.
Es könnte eventuell durchaus sinnvoll sein, das ganze Projekt "etwas höher, vielleicht sogar überregional" aufzuhängen und es als Teil des grösseren Kulturraumes "Berner Oberland" oder zumindest "Frutigland" zu sehen. Das würde dann wahrscheinlich bedeuten, dass man zum Beispiel mit der schon bestehenden Kulturgutstiftung Frutigland zusammengehen sollte und damit den vom swiss chamber music festival und der Organisation TALK kürzlich neu eingeschlagene Weg auch anpeilen sollte. Vielleicht wäre es so einfacher, dann auch Unterstützung vom Kanton und vom Bund für dieses Projekt zu erhalten.
Sehr vieles ist also noch offen und ungewiss. Auch zeitlich gibt es keine Prognosen. Sicher ist nur, dass die Gemeinde Adelboden mit dem Bircherhaus ein kleines Juwel, mitten im Dorf, in einer ausgeschiedenen Zone für öffentliche Nutzung besitzt und daraus, wenn die Zeit da ist, auch etwas Schlaues für die Öffentlichkeit machen sollte.

Soviel zu den Visionen, zu einer noch offenen Zukunft. Und wenn diese Zukunft auch noch so lokal Eingegrenztes betrifft, gilt, was ein amerikanischer Politiker einmal sagte: “ The future is important because that’s where we’re all going“.

Fremdsprache

Kaum zu glauben, aber wahr: Je weiter in die Täler hinein, umso schwieriger scheinen die Dialekte im Schweizer Mittelland verständlich zu sein.
Ein Beispiel? Die NZZ am Sonntag bringt eines in der Ausgabe vom 4.10.2020:

Jürg Grossen, Exot, wird seinerseits trotz einfacher Sprache gar nicht verstanden. Der Chef der Grünliberalen machte am Freitag zur Ankündigung seines «Arena»-Auftritts ein Kurzvideo. Darin sagte er in singendem Frutigländer Dialekt, der Rahmenvertrag sei der entscheidende «Buuschti» für die Europapolitik. «Arena»-Moderator Sandro Brotz aus little big Zurich verstand Grossen indes nicht richtig. Er machte aus dem soliden Berner Oberländer Baustein einen zürcherisch-hippen «Booster». Wir lernen: Zu einfach ist auch wieder schwierig.“

Dass dies keine Überraschung ist, kann im Beitrag von Franziska Zimmermann im soeben erschienenen neuen Heimatbrief Nr. 81 nachgelesen werden. Hier ein paar Auszüge aus dem Artikel für eine erste Erklärung:

“ «Un es verzennt mich hüt nuch z’gah, i ds Entschligtal embruehi.»
Dies sind die ersten zwei Zeilen aus dem «Lied aus Adelboden» von Jakob Aellig … .

Später habe ich zwei Strophen dieses Liedes im Rahmen eines Referats vorgetragen und dabei festgestellt, dass die zumeist Berndeutsch sprechenden Zuhörer den Adelbodner Dialekt nicht verstanden haben, obwohl er eine Variation des Berndeutschen ist. Welche Besonderheiten muss dieser Dialekt also aufweisen, dass er bereits im Berner Mittelland so schwer zu verstehen ist?  ….

Aber wo genau liegen jetzt die Besonderheiten des Adelbodner Dialekts? Im Adelbodner Dialekt weisen vor allem Aussprache, insbesondere die Aussprache der Vokale, sowie Wörter, Redensarten, Namen und Sprachmelodie einige Auffälligkeiten auf. …

Eine … Besonderheit des Adelbodnerischen ist die besonders melodiöse Sprechweise. Dieser Tonfall kommt unter anderem durch die einfache Aussprache der Doppelkonsonanten l, m und n zwischen den Vokalen zustande. Dazu folgendes Beispiel aus den «Oberländer Mundarten»: I ha wele warte, wil i gsinet ha, du cheemischt no. …

Es scheint … nicht nur die Aussprache zu sein, die den Adelbodner Dialekt schwer verständlich, aber auch einzigartig macht, sondern auch die Wörter. … “
Ein paar Beispiele liefert Franziska Zimmermann sogleich:
„Chällermoera (Ungeziefer, Kellerassel), Juzbächer (spasshaft für Nachttopf), Pätsch (grosse Menge), tschuble (an den Haaren ziehen), üwéeg (schlecht passierbar, unpraktisch, Gegenteil von lieb), Tuttel (gutmütiger Mensch), Weschi (ungezogener Junge), Tschabi (jemand, der zwei linke Hände hat).“

Das – in wenigen Ausschnitten des Artikels – eine kurze Übersicht zum Thema Adelbodetütsch als „Fremdsprache“.
Mehr erfährt man im Artikel oder in der Originalarbeit der Autorin, die im Dorfarchiv eingesehen werden könne.
Im Verzeichnis des Dorfarchivs (Stand 14.2.2018) findet sie sich noch nicht, aber eine direkte Anfrage dürfte Interessierte zum Ziel führen..

Ein klein wenig Fotogeschichte

Die neuste Nummer 01/20 der Berner Zeitschrift für Geschichte gibt nicht nur einen kulturhistorischen Überblick zum Schloss Jegenstorf.

Sie ruft mit einer Rezension auch ein –>hier bereits angezeigtes Fotobuch zu Adelboden in Erinnerung:

Hächler, Stefan, Rezension zu: Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in alten Ansichten. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 82,1 (2020), S. 67f.

Hier ist die Buchbesprechung:

„Rund 80 Jahre Dorfleben und Dorfentwicklung von Adelboden werden im vorliegenden Fotoband anhand von über 210 Schwarz-Weiss-Aufnahmen dokumentiert: Alltagsszenen, Dorffeste, Handwerk und Gewerbe, Dorfansichten, Landschaftsaufnahmen, Winteridyllen, Hotels, Ski- und andere Wintersportarten (Curling, Schlitteln, Bobsleigh, Skijöring, Schlittschuhlaufen, Eishockey), Sommertourismus (Wandern, Bergsteigen, Klettern), Infrastruktur (Strassen- und Brückenbau, öffentlicher Verkehr, Seilbahnen, Skilifte, Gruebi-Bad, Tennisplätze, Eisfelder, Telefon), Militär (v. a. im Zweiten Weltkrieg) und am Schluss eine Reihe von Porträts von (meist nicht identifizierten) Dorfbewohnern. Die datierten Aufnahmen umfassen den Zeitraum von 1884 bis 1964. Nur am Rande sei bemerkt, dass sich unter den Bildern nur sechs Panoramen befinden, für die Klopfenstein schon früh bekannt war.
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war in Adelboden ein Fotogeschäft ansässig. Dessen Inhaber Arnold Stähli verkaufte es 1909 an Emanuel Gyger, einen in Spiez ausgebildeten einheimischen Fotografen. 1914 begann hier Arnold Klopfenstein seine Fotografenlehre, die er in München zum Abschluss brachte. Darauf eröffnete er in Adelboden sein eigenes Fotogeschäft. 1930 konnte er Teilhaber an Gygers Betrieb werden und gab seine eigene Firma auf. «Photo Gyger & Klopfenstein» existierte bis 1959, danach gingen die beiden Fotografendynastien eigene Wege. Die Familie Klopfenstein firmiert seither als «Photo Klopfenstein AG», der Betrieb der Familie Gyger heisst heute «Photoverlag Gyger». Beide sind immer noch in Adelboden ansässig. Die 1959 getroffene Vereinbarung über die Verlagsgebiete (Gyger: Berner Oberland, Klopfenstein: Adelboden und Wallis) gilt bis heute. Auch das gemeinsame Archiv wurde entsprechend aufgeteilt. Soviel kann man dem knappen Anhang von Peter Klopfenstein, Mitinhaber der «Photo Klopfenstein AG» in Adelboden, über die Geschichte und das Fotoarchiv seiner Firma entnehmen. Gegenwärtig umfasst Letzteres gut 300 000 Fotos. Rund 10 000 davon mit Sujets aus Adelboden. Etwa ein Drittel des Archivbestands ist (2018) digitalisiert. Die im zu besprechenden Werk gezeigten Aufnahmen gewähren also nur einen sehr kleinen Einblick in diesen Bestand.


«In erster Linie ist dies ein Bilderbuch», heisst es in der Einleitung. Diesem Anspruch wird das Buch vollkommen gerecht. Zwar sind alle Fotos mit einer kurzen träfen Legende versehen, aber hin und wieder wünscht sich der ortsunkundige und mit der Dorfgeschichte und -entwicklung nicht vertraute Betrachter ein paar erläuternde Hinweise, um die mitunter sehr gelungenen, spannenden Aufnahmen noch mehr als historische Dokumente würdigen zu können. Die Autoren verweisen zu diesem Zweck in der Einleitung auf das Adelbodenbuch (Band 2). Schade, die gedruckte Dorfgeschichte von Adelboden hat der Rezensent nicht zur Verfügung. Deshalb hätte er sich zumindest für einige Bildthemen (Tourismus, Gewerbe, Landwirtschaft, Alltag, Wintersport, Kriegs- und Krisenzeiten) kurze Übersichtstexte gewünscht. Vielleicht hätte auch eine einsichtigere Ordnung der Fotos geholfen, den Gesamtzusammenhang einer illustrierten Dorfgeschichte zu erschliessen. Die lediglich lockere chronologische Bildabfolge hilft da nicht viel weiter, zumal sie nicht konsequent eingehalten wird. So müssen interessierende Aspekte wie die Entwicklung des Skitourismus mühsam erblättert werden, um einen einigermassen kohärenten Eindruck davon zu gewinnen.
Die Informationen in den Legenden mussten, wie im Vorwort erläutert, teilweise aus der Literatur rekonstruiert oder bei «lokalhistorisch bewanderten Einheimischen» eingeholt werden. Leider sind weder die konsultierten Druckwerke noch die einheimischen Informanten (mit einer Ausnahme) aufgeführt. Schade auch, dass die (gemäss Vorwort) wenigen Fotos aus dem Dorfarchiv nicht als solche gekennzeichnet sind. Aber abgesehen davon ist der vorliegende Fotoband tatsächlich ein schönes «Bilderbuch», das den Wert und die Ästhetik dokumentierender Fotografie bestens illustriert.
Stefan Hächler, Bern

Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in
alten Ansichten.
Thun/Gwatt.• Werd & Weber 2018. 227 S. ISBN 978-3-03818-185-9.