Fremdsprache

Kaum zu glauben, aber wahr: Je weiter in die Täler hinein, umso schwieriger scheinen die Dialekte im Schweizer Mittelland verständlich zu sein.
Ein Beispiel? Die NZZ am Sonntag bringt eines in der Ausgabe vom 4.10.2020:

Jürg Grossen, Exot, wird seinerseits trotz einfacher Sprache gar nicht verstanden. Der Chef der Grünliberalen machte am Freitag zur Ankündigung seines «Arena»-Auftritts ein Kurzvideo. Darin sagte er in singendem Frutigländer Dialekt, der Rahmenvertrag sei der entscheidende «Buuschti» für die Europapolitik. «Arena»-Moderator Sandro Brotz aus little big Zurich verstand Grossen indes nicht richtig. Er machte aus dem soliden Berner Oberländer Baustein einen zürcherisch-hippen «Booster». Wir lernen: Zu einfach ist auch wieder schwierig.“

Dass dies keine Überraschung ist, kann im Beitrag von Franziska Zimmermann im soeben erschienenen neuen Heimatbrief Nr. 81 nachgelesen werden. Hier ein paar Auszüge aus dem Artikel für eine erste Erklärung:

“ «Un es verzennt mich hüt nuch z’gah, i ds Entschligtal embruehi.»
Dies sind die ersten zwei Zeilen aus dem «Lied aus Adelboden» von Jakob Aellig … .

Später habe ich zwei Strophen dieses Liedes im Rahmen eines Referats vorgetragen und dabei festgestellt, dass die zumeist Berndeutsch sprechenden Zuhörer den Adelbodner Dialekt nicht verstanden haben, obwohl er eine Variation des Berndeutschen ist. Welche Besonderheiten muss dieser Dialekt also aufweisen, dass er bereits im Berner Mittelland so schwer zu verstehen ist?  ….

Aber wo genau liegen jetzt die Besonderheiten des Adelbodner Dialekts? Im Adelbodner Dialekt weisen vor allem Aussprache, insbesondere die Aussprache der Vokale, sowie Wörter, Redensarten, Namen und Sprachmelodie einige Auffälligkeiten auf. …

Eine … Besonderheit des Adelbodnerischen ist die besonders melodiöse Sprechweise. Dieser Tonfall kommt unter anderem durch die einfache Aussprache der Doppelkonsonanten l, m und n zwischen den Vokalen zustande. Dazu folgendes Beispiel aus den «Oberländer Mundarten»: I ha wele warte, wil i gsinet ha, du cheemischt no. …

Es scheint … nicht nur die Aussprache zu sein, die den Adelbodner Dialekt schwer verständlich, aber auch einzigartig macht, sondern auch die Wörter. … “
Ein paar Beispiele liefert Franziska Zimmermann sogleich:
„Chällermoera (Ungeziefer, Kellerassel), Juzbächer (spasshaft für Nachttopf), Pätsch (grosse Menge), tschuble (an den Haaren ziehen), üwéeg (schlecht passierbar, unpraktisch, Gegenteil von lieb), Tuttel (gutmütiger Mensch), Weschi (ungezogener Junge), Tschabi (jemand, der zwei linke Hände hat).“

Das – in wenigen Ausschnitten des Artikels – eine kurze Übersicht zum Thema Adelbodetütsch als „Fremdsprache“.
Mehr erfährt man im Artikel oder in der Originalarbeit der Autorin, die im Dorfarchiv eingesehen werden könne.
Im Verzeichnis des Dorfarchivs (Stand 14.2.2018) findet sie sich noch nicht, aber eine direkte Anfrage dürfte Interessierte zum Ziel führen..

Ein klein wenig Fotogeschichte

Die neuste Nummer 01/20 der Berner Zeitschrift für Geschichte gibt nicht nur einen kulturhistorischen Überblick zum Schloss Jegenstorf.

Sie ruft mit einer Rezension auch ein –>hier bereits angezeigtes Fotobuch zu Adelboden in Erinnerung:

Hächler, Stefan, Rezension zu: Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in alten Ansichten. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 82,1 (2020), S. 67f.

Hier ist die Buchbesprechung:

„Rund 80 Jahre Dorfleben und Dorfentwicklung von Adelboden werden im vorliegenden Fotoband anhand von über 210 Schwarz-Weiss-Aufnahmen dokumentiert: Alltagsszenen, Dorffeste, Handwerk und Gewerbe, Dorfansichten, Landschaftsaufnahmen, Winteridyllen, Hotels, Ski- und andere Wintersportarten (Curling, Schlitteln, Bobsleigh, Skijöring, Schlittschuhlaufen, Eishockey), Sommertourismus (Wandern, Bergsteigen, Klettern), Infrastruktur (Strassen- und Brückenbau, öffentlicher Verkehr, Seilbahnen, Skilifte, Gruebi-Bad, Tennisplätze, Eisfelder, Telefon), Militär (v. a. im Zweiten Weltkrieg) und am Schluss eine Reihe von Porträts von (meist nicht identifizierten) Dorfbewohnern. Die datierten Aufnahmen umfassen den Zeitraum von 1884 bis 1964. Nur am Rande sei bemerkt, dass sich unter den Bildern nur sechs Panoramen befinden, für die Klopfenstein schon früh bekannt war.
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war in Adelboden ein Fotogeschäft ansässig. Dessen Inhaber Arnold Stähli verkaufte es 1909 an Emanuel Gyger, einen in Spiez ausgebildeten einheimischen Fotografen. 1914 begann hier Arnold Klopfenstein seine Fotografenlehre, die er in München zum Abschluss brachte. Darauf eröffnete er in Adelboden sein eigenes Fotogeschäft. 1930 konnte er Teilhaber an Gygers Betrieb werden und gab seine eigene Firma auf. «Photo Gyger & Klopfenstein» existierte bis 1959, danach gingen die beiden Fotografendynastien eigene Wege. Die Familie Klopfenstein firmiert seither als «Photo Klopfenstein AG», der Betrieb der Familie Gyger heisst heute «Photoverlag Gyger». Beide sind immer noch in Adelboden ansässig. Die 1959 getroffene Vereinbarung über die Verlagsgebiete (Gyger: Berner Oberland, Klopfenstein: Adelboden und Wallis) gilt bis heute. Auch das gemeinsame Archiv wurde entsprechend aufgeteilt. Soviel kann man dem knappen Anhang von Peter Klopfenstein, Mitinhaber der «Photo Klopfenstein AG» in Adelboden, über die Geschichte und das Fotoarchiv seiner Firma entnehmen. Gegenwärtig umfasst Letzteres gut 300 000 Fotos. Rund 10 000 davon mit Sujets aus Adelboden. Etwa ein Drittel des Archivbestands ist (2018) digitalisiert. Die im zu besprechenden Werk gezeigten Aufnahmen gewähren also nur einen sehr kleinen Einblick in diesen Bestand.


«In erster Linie ist dies ein Bilderbuch», heisst es in der Einleitung. Diesem Anspruch wird das Buch vollkommen gerecht. Zwar sind alle Fotos mit einer kurzen träfen Legende versehen, aber hin und wieder wünscht sich der ortsunkundige und mit der Dorfgeschichte und -entwicklung nicht vertraute Betrachter ein paar erläuternde Hinweise, um die mitunter sehr gelungenen, spannenden Aufnahmen noch mehr als historische Dokumente würdigen zu können. Die Autoren verweisen zu diesem Zweck in der Einleitung auf das Adelbodenbuch (Band 2). Schade, die gedruckte Dorfgeschichte von Adelboden hat der Rezensent nicht zur Verfügung. Deshalb hätte er sich zumindest für einige Bildthemen (Tourismus, Gewerbe, Landwirtschaft, Alltag, Wintersport, Kriegs- und Krisenzeiten) kurze Übersichtstexte gewünscht. Vielleicht hätte auch eine einsichtigere Ordnung der Fotos geholfen, den Gesamtzusammenhang einer illustrierten Dorfgeschichte zu erschliessen. Die lediglich lockere chronologische Bildabfolge hilft da nicht viel weiter, zumal sie nicht konsequent eingehalten wird. So müssen interessierende Aspekte wie die Entwicklung des Skitourismus mühsam erblättert werden, um einen einigermassen kohärenten Eindruck davon zu gewinnen.
Die Informationen in den Legenden mussten, wie im Vorwort erläutert, teilweise aus der Literatur rekonstruiert oder bei «lokalhistorisch bewanderten Einheimischen» eingeholt werden. Leider sind weder die konsultierten Druckwerke noch die einheimischen Informanten (mit einer Ausnahme) aufgeführt. Schade auch, dass die (gemäss Vorwort) wenigen Fotos aus dem Dorfarchiv nicht als solche gekennzeichnet sind. Aber abgesehen davon ist der vorliegende Fotoband tatsächlich ein schönes «Bilderbuch», das den Wert und die Ästhetik dokumentierender Fotografie bestens illustriert.
Stefan Hächler, Bern

Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in
alten Ansichten.
Thun/Gwatt.• Werd & Weber 2018. 227 S. ISBN 978-3-03818-185-9.

Anders als sonst

Die Skiregion Adelboden-Lenk hat es – im Unterschied etwa zu Graubünden und Wallis – versäumt, die expliziten Anordnungen in Sachen Coronavirus zeitgerecht umzusetzen, einen Tag verspätet aber dann doch noch zugunsten der Vorsicht reagiert.

Alternativen

Seit Sonntag 15. März 2020 nun sind die Bahnen, Restaurants und Skipisten leer. Und umso schneller sind alternative Aktivitäten auf den Pisten aufgetaucht. In den meisten Fällen mit Fellen unter den Skis ausgerüstete Leute , in verschiedenen Ausprägungen.

Zu dritt
Am Steilhang beobachtet von Schneekanonen.
Und inklusive persönlichem Skilift

Aufräumen

Früher als sonst geht es auch aufs Aufräumen. Arbeit gibt es in allen Lagen..

Sesselbahn einmal anders
Skiregion Adelboden-Lenk nach dem vorzeitigen Saisonabbruch. Alternative Sportaktivitäten und frühes Aufräumen.
Warten auf den Hangar

Nummer 80!

Soeben zugestellt: Die Nummer 80 des Adelbodmer Hiimatbriefs. Was drin steht, listet das Editorial auf, das deshalb anstelle des Inhaltsverzeichnises hier zu lesen ist.

Und auf eine Trouvaille in dieser 80. Ausgabe sei im Anschluss verwiesen.

Editorial

Die Medienwelt wandelt sich — der Adelbodmer Hiimatbrief hat Bestand. Nicht zuletzt dank Ihrer Unterstützung, liebe Leserinnen und Leser! Es freut uns, Ihnen die Ausgabe Nr. 80 vorzulegen. 
Seit den Anfängen dieser Publikation ist nicht nur das digitale Informationsangebot explodiert: Im gedruckten Bereich gibt es für unser Tal seit 13 Jahren den «Frutigländer». Er schreibt mitunter zu Themen, die ebensogut im Hiimatbrief hätten erscheinen können — manchmal gilt auch das Umgekehrte. Da unser Heft nun aber bloss einmal jährlich erscheint, sind wir gut beraten, uns auf unsere Stärken zu konzentrieren: auf ausführlichere Artikel ortshistorischer, heimat- und volkskundlicher Art, die in der aktuellen Zeitung kaum Platz fänden. Beispiele dafür in dieser Nummer sind Christine Amslers Arbeit zu den Namen der hiesigen Berge oder der Text von Martin Hari, der einem Notar des 18. Jahrhunderts über die Schulter schaut. Dass im Hiimatbrief auch die Gegenwart auflebt, dafür sorgen Rubriken wie die jährliche Standortbestimmung des Tourismusdirektors oder die bewährte Adelbodner Jahreschronik. 

Wichtig ist dem Hiimatbrief zudem — im Unterschied zur Zeitung — die Pflege der Mundart. Dafür sorgen eine weitere Episode von Käthi Zahler-Haris Erinnerungen und ein Kurzgedicht von Jakob Aellig; vor allem aber nimmt Christian Bärtschis mundartliche Rückschau auf seine Zeit in Argentinien (selbst wenn der Inhalt wenig mit Adelboden zu tun hat) auch in dieser Ausgabe einen prominenten Platz ein. Der Doyen der Adelbodner Mundartliteratur, soeben 80-jährig geworden, hat sich nach vielen Jahren als Redaktor des Hiimatbriefs nun von dieser Aufgabe zurückgezogen und sie dem Schreibenden übertragen. Für sein grosses Engagement gebührt Christian Bärtschi unser herzlicher Dank! Als neuer Hiimatbrief-Redaktor bin ich froh, auch weiterhin auf Christians guten Rat (und auf Artikel aus seiner Feder) zählen zu können. Dass in seinem grafischen Gedicht «Mein ABC» der Buchstabe A wie Adelboden dominiert, ist vielleicht kein Zufall . 

Ausserdem lesen Sie hier eine weitere Folge von Alfred Bärtschis Tagebuchnotizen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Auch sie haben keinen direkten Bezug zu Adelboden (Bärtschi verbrachte einen Grossteil seines Lebens im Unterland). Wir publizieren seine Aufzeichnungen einerseits als Hommage an den verdienstvollen  Verfasser des ersten „Adelbodenbuchs“ – in erster Linie aber sind Alfred Bärtschis präzise (und oftmals scharfzüngige) Beobachtungen aus der doppelten Perspektive des Lehrers und des Sektionschefs ein sehr lesenswertes geschichtliches Dokument aus dramatischer Zeit. 
Passend zum kürzlichen 500. Jahrestag der Reformation in der Schweiz beantwortet dieser Hiimatbrief schliesslich eine naheliegende Frage: Wie hat sich diese epochale religiöse Umwälzung eigentlich in unserem Tal abgespielt? Aus anderer Warte liegt zum Thema des Glaubens wiederum ein anregender Text von Margrit Fankhauser bereit. 
Abgerundet wird der Hiimatbrief wie immer durch den Rechenschaftsbericht des Dorfarchiv-Präsidenten Jakob Pieren und die Hiimatbrief Jahresrechnung. 
Ein grosser Dank geht an all jene, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu diesem Heft beigetragen haben! 

Zum Schluss der Hinweis auf eine kommende Buchpublikation:  Christian Bärtschi und der Schreibende haben Jakob Aelligs längst vergriffenes Wörterbuch «Adelbodetütsch» überarbeitet und erneuert; es wird als «Adelbodmer Wörterbuch» im Herbst 2019 erscheinen (Herausgeber und Bezugsquelle: Peter Klopfenstein, Photo Klopfenstein AG Adelboden). 

Bern, im Sommer 2019 Toni Koller „

Raginbold – der kühne (Wetter)Berater

Ein interessantes Fundstück in der Nummer 80 handelt von Namen. Es stammt von Christine Amsler, die sich in einer Arbeit mit der Herkunft der Adelbodner Bergnamen befasst hat.

Ein Beispiel dazu:

„Rägeboldshore — 2193 m 

Das Rägeboldshore wird von den Einheimischen Rägepöli genannt. Pöli bedeutet «kleine Erhebung», Synonym für Chnübi. Weil das schlechte Wetter meistens aus Südwesten kommt und das Rägeboldshore die erste grössere Erhebung ist, regnet es dort oft zuerst.  Der Name Rägeboldshore, auch Rägemboldshore, könnte auch von einem einstigen Ansiedler Namens Raginbold («der kühne Berater») stammen (Manuskript von Alfred Bärtschi im Dorfarchiv Adelboden, Schachtel 4/14).

Gerettet in eine neue Ära

Eislaufen und Schwimmen – zwei Aktivitäten, die einfach und meist auch unter freiem Himmel zugänglich sind.

In Adelboden galt dies lange Zeit für das Eislaufen, wo ein Gleiten hin Richtung Lohner ein Genuss war – bis das Eis in die Halle verlegt wurde und nur noch das Restaurant zum Lohner hin blickt.

Für das Schwimmen bleibt das Erlebnis, fast wie hin zum Wildstrubel zu schwimmen. Möglich macht dies das rundum erneuerte Gruebibad, das gleichzeitig eine architektonische Perle ist.

Nach 88 Jahren beginnt am 22. Juni 2019 die neue Ära . Die ganze Geschichte der Gründung und Rettung des Bades beschreiben die Website adelboden.ch sowie eine kurze Broschüre im Detail:

Download der Broschüre unter: diesem Link

Adelboden – bücher – premiere

Bibliotheken

sind Wissensspeicher, mit vornehmlich physischen Datenträgern, ziemlich dezentral gelegen, aber nicht von überall und jederzeit erreichbar und mit einem upload-Filter (europaweit im März 2019 wegen des neuen Urheberrechts heftig diskutiert).

Das Internet

ist auch ein Wissensspeicher, digital aufgestellt, dezentral und von überall und jedererzeit erreichbar, (noch) ohne upload-Filter.

Und öffentliche Bücherschränke?

Diese sind ebenfalls Wissenspeicher, mit physischen Datenträgern, dezentral gelegen, nicht von überall aber jederzeit erreichbar und ohne (?) upload-Filter.

Damit sind sie fast ein „physisches Internet“ und immer für Überraschungen gut.

Primeur in der Telefonzelle

Und diese Überraschung kommt nun auch nach Adelboden. Am Wendeplatz im Ortsteil Boden entsteht Ende April 2019 der erste lokale, öffentlich zugängliche Bücherschrank. Die ausrangierte Swisscom-Telefonzelle ist der ideale Ort für Witterungsschutz und Aufbewahrung.

Gut geschützt und diverse Infrastruktur in der nächsten Umgebung

Die Bedienungsanleitung ist denkbar einfach: 3 Wörter „Riiche und Bringä“.


Aber damit nicht genug

Es gibt in diesem Dorf auch den öffentliche Sesselbaum … da, wo alle sich einen Stuhl zum Ausruhen und Geniessen der Aussicht behändigen können.

Die Orte

Schnee?

Wie lange noch?

Die Diskussionen rund um den Klimawandel drehen sich in den Skigebieten nicht zuletzt um diese Fragen: Welche Destination, welche Sesselbahn wird im Winter noch genügend Schnee aufweisen, mit oder ohne Beschneiung? Wann werden die Kosten zu gross, um Anlagen (selbst mit Subventionen) noch rentabel betreiben zu können?

Eine aktuelle Studie

In ihrer Ausgabe vom 6. Februar 2019 hat die REPUBLIK sich dieser Frage angenommen.


Von Andreas Moor und Simon Schmid, 06.02.2019

Sie stützt sich sich dabei auf eine Studie von Autoren des WSL und der EPFL aus dem Jahr 2017.

https://www.the-cryosphere.net/11/517/2017/tc-11-517-2017.pdf

Marty, C., Schlögl, S., Bavay, M., and Lehning, M.: How much can we save? Impact of different emission scenarios on future snow cover in the Alps, The Cryosphere, 11, 517-529, https://doi.org/10.5194/tc-11-517-2017

Ampelsystem für Lifte

„Insgesamt 1204 Anlagen in 151 Skigebieten wurden nach dem … Weiss-Gelb-Rot-Schema klassifiziert. Dieses berücksichtigt einerseits die Höhenlage und andererseits die Exposition (Nord oder Süd) eines Lifts. „

  • „Weiss bedeutet: Hier ist es schneesicher – an dieser Stelle liegt während mindestens 100 Tagen pro Jahr über 30 cm Naturschnee.
  • Gelb bedeutet: Hier ist ein rentabler Skibetrieb nur schwierig möglich – es braucht viel Kunstschnee.
  • Und Rot heisst: Hier ist die natürliche Schneedecke während weniger als 40 Tagen über 30 cm dick – der Skibetrieb lohnt sich an dieser Stelle nicht mehr, die Kunstschnee­produktion ist stark eingeschränkt.“

„Als Referenzjahre bei den Berechnungen dienen die Jahre 2035, 2060 und 2085. Dabei handelt es sich um Mittelpunkte innerhalb einer dreissigjährigen Periode. Das Szenario im Jahr 2060 bezieht sich also auf einen durchschnittlichen Winter innerhalb der Jahresperiode von 2045 bis 2074.“

Adelbodner Szenarien 2035 bis 2085

Gemäss den Szenarien der Autoren hat die Republik auch für Adelboden-Lenk die einzelnen Anlagen mit dem
beschriebenen Ampelsystem aufgeführt. Errötend.

Und schweizweit?

Wie es für die Lifte in der Schweiz generell aussieht:

  • „Bei einem fortschreitenden Klimawandel sind 2060 nur noch 29 Prozent der Lifte (gemessen am Lift­mittelpunkt) im weissen Bereich. Aktuell sind es 74 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der Lifte im gelben Bereich von 24 auf 51 Prozent und der Anteil von jenen im roten Bereich von 2 auf 20 Prozent.
  • Jedes fünfte Gebiet ist bei fortschreitendem Klimawandel im Jahr 2060 vollständig im roten Bereich. Winter, in denen genug Schnee liegt, werden ab Mitte des Jahrhunderts in diesen Gebieten die Ausnahme – für den regelmässigen Betrieb reicht die Schneemenge jedenfalls nicht mehr. Darüber hinaus verfügt über die Hälfte der Gebiete höchstens noch über gelbe, aber nicht mehr über weisse Anlagen. Damit verschlechtern sich die meteorologischen und wirtschaftlichen Perspektiven in diesen Gebieten.“

Über die Klimamodelle und die Folgen lässt sich immer diskutieren, hinzuhören ist auf jeden Fall klüger als wegzuschauen. Und auch einzelne, den Szenarien widersprechende Ereignisse spenden nicht unbedingt Trost, so meinen die Republik-Autoren:

„Plötzliche Wintereinbrüche und intensive Schneefälle, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben, wird es also auch in Zukunft geben. Doch im Durchschnitt nehmen die Schneemengen ab. Und für sämtliche Prognosen gilt: Das Risiko, dass der Klimawandel heftiger ausfällt als von Modellen vorhergesagt, ist grösser als das Risiko, dass der Klimawandel weniger heftig ausfällt. „

Hier gibts mehr

Ausführlich nachzulesen ist all dies – und dass auch etwas unternommen werden kann (z.B. in Laax) – im vollständigen Artikel in der Republik (als aktive(r) Verlegerin).

Abstimmungsrezept

Die Resultate einer Abstimmung sollen für jede Gemeinde schön individuell und versehen mit Worten präsentiert werden?
Eine mehr als zweitausendfache Aufgabe, die Tage dauert. Es sei denn man rufe einen Textroboter zu Hilfe.

Und das geht dann so:

Man nehme eine Tabelle, etwa die zur Selbstbestimmungsinitiative,

aber im Format csv:
Adelboden;2’668;1’507;56.5;22;0;1’485;865;620;58.2

Dann bereite man für verschiedene, aber wohldefinierte  Fälle Textschnippsel vor.

Und das alles schütte man in ein Computerprogramm, das zudem noch ein paar Wahlmöglichkeiten offeriert, wie Name der Gemeinde oder eigene Abstimmungspräferenzen.

Und fertig ist das Werk, 2222-fach und quasi augenblicklich.

So geschehen bei der Volksabstimmung vom 25.11.2018 durch den Textroboter der Tamedia mit dem niedlichen (verniedlichenden) Namen Tobi.

Und das sagt er zu den Resultaten Adelbodens:

Wenn ich angebe, gleicher Meinung wie die Adelbodner Mehrheit zu sein, beginnt er etwas anders:

Und wenn ich ganz anderer Meinung zu sein anngebe, tröstet er mich (sprachlich nicht ganz korrekt) mit diesem Anfang und fährt dann weiter wie zuvor:

Tamedias Tobi

Publiziert haben der Tagesanzeiger und weitere aus der Tamediagruppe diese Texte noch am Abstimmungssonntag:

Und dort ist auch ganz kurz die Arbeitsweise von Tobi beschrieben.

Tobi or not Tobi …

Die Konsequenzen, welche  diese – nicht erstmals angewandte – Automatisierung im Journalismus haben wird, dürften nicht ganz harmlos sein. Mehr Zeit für vertieften Journalismus oder weniger Journalistinnen und Journalisten?

Mehr dazu auch hier und hier.

Wörter – mehr als Wörter

Sprache, meine eigene Sprache ist mehr als ein blosses Verständigungsmittel. In der Sprache fühlt man sich zuhause und verbunden mit anderen derselben Sprache. Sprache schafft Identität.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Wörterbücher eine Sprache dokumentieren. 

Ein Klassiker unter den Wörterbüchern aus dem Bernbiet ist das „Berndeutsche Wörterbuch“. Otto von Greyerz hat den Grundstein gelegt und Ruth Bietenhard hat darauf weitergearbeitet und es 1976 in erster Auflage publiziert (von Greyerz, Otto / Bietenhard, Ruth: Berndeutsches Wörterbuch. Bern 1976. 10. Aufl. ebd. 2017).
Das Vorwort zur ersten Auflage illustriert die Geschichte des Werkes:
„Bereits 1904 veröffentlichte Otto von Greyerz ein kleines berndeutsches Wörterbuch als erweiterten Sonderdruck der Wörtersammlung in seiner Deutschen Sprachschule für Berner (1900). In seinen letzten Lebensjahren ordnete er dann sein gesamtes, seit Jahrzehnten gesammeltes berndeutsches Wortmaterial zu einem umfangreicheren Wörterbuch. In einem Brief an Simon Gfeller vom 17. September 1937 schrieb er: «Mein Wörterbuch soll natürlich bei weitem kein allumfassendes Verzeichnis aller bernischen Tier- und Pflanzennamen enthalten, sondern nur, wie es der Untertitel angibt: Wörterbuch der heutigen Mundart der Stadt Bern und ihrer weiteren Umgebung [sein), womit ich das Türchen öffne, um Wörter aufzunehmen, die zwar auf dem Lande bodenständig sind, aber doch auch in der Stadt verstanden und gebraucht werden. Ein Wörterbuch ist niemals vollständig, man mag sich umtun, wie man will» (Briefwechsel, Francke Verlag, Bern 1957, s. 271).

Eine Besonderheit findet sich im Anhang. Dort wird umgekehrt vorgegangen: Ein schriftdeutsches Wörterverzeichnis hilft beim Übersetzen von z.B. Eimer zu Chübel oder Heuschrecke zu Heugümper. 


Ein interessantes Beispiel, dessen Entstehung mitverfolgt werden kann, ist das „Wörterbuch zu den Werken Maria Laubers“ erarbeitet und zusammengestellt von Erich Blatter. Es wird parallel zur ebenfalls von Erich Blatter bearbeiteten Neuauflage von Werken Maria Laubers aufdatiert und online zur Verfügung gestellt, jeweils in der aktuellsten Version. Sein Anspruch ist ein wissenschaftlicher und entsprechend detailliert sind die einleitenden Erläuterungen und die jeweiligen Angaben zu einem Wort – einschliesslich von Satzbeispielen aus Werken von Maria Lauber.
Zusätzlich ist vom selben Autor – ebenfalls online verfügbar – ein ausführlicher Text  verfasst worden „Zur Schreibweise des Frutigdeutschen im Werk Maria Laubers samt einigen Bemerkungen zur Aussprache“. 


Schon etwas älter ist das „Adelbodetütsch“ von Jakob Aellig/Christian Bärtschi, in erster Auflage 2002 erschienen. Das Vorwort von C. Bärtschi zeigt den Stellenwert einer solchen  Sammlung und die Notwendigkeit einer ständigen Aktualisierung:
„Wir leben in einer Zeit kultureller Einebnung. Unter dem Stichwort der Globalisierung verschwinden Unterschiede, und sprachliche Ausdrucksweisen gleichen sich an. Auch die Adelbodner-Mundart ist davon bedroht; viele früher gebrauchte Wörter und Begriffe geraten in Vergessenheit. Jakob Aelligs reichhaltige Sammlung adelbodendeutscher Ausdrücke ist in diesem Sinne von unschätzbarem Wert. Ihre Veröffentlichung ist eine kulturelle Tat, ein Meilenstein in der volkskundlichen Forschung unseres Tales. Natürlich kann eine solche Zusammenstellung niemals vollständig sein. Vorliegendes Büchlein möchte vielmehr anregen, weitere Perlen mundartlichen Ausdrucks zu sammeln und das bereits vorliegende Material zu ergänzen. „

Die erwähnten Ergänzungen sind in den folgenden zwei weiteren Auflagen denn auch erfolgt und von einer weiteren Ausgabe wird aktuell gesprochen.

 


Ueche, obsi oder embruuf – mit Mundart geht es aufwärts

Diese drei Wörterbücher sind nur ein Tropfen auf dem Wortgestein, wie es das Schweizerische Idiotikon , das Schweizerdeutsche Wörterbuch, dokumentiert .