Aus Ernsts Ferientagebuch (3), 14./16.7.1874: Schwefelbad Fuchsweidli


Aus: Adelbodmer Heimatbrief, Nummer 20, Februar 1964, Seite 12-13.

Dienstag, den 14. Juli 1874: Da heute kein einziges Wölklein hinter dem Tschänten aufging, beschlossen wir, auf den schönen Sehwandfeldspitz zu gehen. Um 3/4 7 Uhr lenkten wir unsere Schritte nach dem Tschäntenschnabel, wo wir dann von da aus über den Tschäntengrat auf die Tschäntenalp kamen. Der Weg war mühselig, zickzackig, steil, steinig. Bald musste man über Gatter steigen, bald durch Säuställe gehen, doch es war noch zum „Prästieren“. Bei nicht gar drückender Hitze kamen wir endlich auf der Alp an. Durch Sumpf und Morast kamen wir bei der ersten Sennhütte an, wo wir ein grosses Quantum Milch bestellten, um dann im Heimgehen dort zu trinken. – Um 4 Uhr sollte ein Kalb gemetzget werden, und wir sahen alle zu. Man gab ihm vier Streiche mit dem Beil, und nachher war es tot. Es war sehr interessant.

Donnerstag, den 16. Juli 1874: Als ich um 1/2 5 Uhr fertig war mit Ankleiden, fragte mich Herr Hari, ob ich mit ihm wolle Commissionen machen. Ich ging geschwind ins Zimmer, sagte es noch dem schläfrigen Walter, und dann gingen wir zwei morgens um 5 Uhr aus, und in einer Viertelstunde waren wir bei einer Oberländer Hütte, vor welcher nur ein kleines Hündchen war, das gewiss die Leute drin durch sein Gebell weckte. Eine unangekleidete, ungekämmte Frau kam heraus und führte uns in ein schmutziges, doch geordnetes Lädelchen. Als Herr Hari seine Sachen gekauft hatte, gingen wir den gleichen Weg wieder zurück. Nach dem Frühstück beschlossen wir, ins Fuchsweidli zu gehen. Mama, Walter v. Wattenwil und Jülie Losenegger kamen auch mit. Um 1/2 8 Uhr gingen wir durch Wiesen, bis wir in 3/4 Stunden beim Tschäntenbach waren. Es waren drei Baumstämme gelegt in der Höhe von 30-40 Fuss. Sie hatten keine Lehne, und die Stämme waren noch nass vom Tau geworden, und so war es gefährlich darüber zu gehen. Da machten wir den Umweg über den Waldbach und „kräpelten“ auf der andern Seite wieder hinauf. Nun gings noch eine Stunde, bis wir im Fuchsweidli ankamen. Das Fuchsweidli ist ein Schwefelbad. Nun beschlossen wir, dass die Knaben im Waldbach und die Mädchen in Badkästen baden können. Es war sehr lustig, und das Wasser war 90° (?) Reaumur. Als wir gebadet hatten, traten wir den Rückweg an. Kaum waren wir zu Hause, fing es an zu hageln. Nach dem Mittagessen machten wir eine Commission im Dorf. Da sahen wir, dass es die Brücke zwischen dem Dorf und dem Schlegeli weggerissen hatte.“

(Aus dem Tagebuch von Ernst Lauterburg)

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