Aus Ernsts Ferientagebuch (5), 26.9.1876: Zum Pochtenkessel


Aus: Adelbodmer Heimatbrief, Nummer 20, Februar 1964, Seite 14.

Dienstag, den 26. September 1876: Wir beschlossen, ins Cholerenloch und zum Pochtenkessel zu gehen. Herr Hari begleitete uns noch bis zur Methodistenkapelle. Dort schwenkten wir rechts ab und gelangten nach langem Laufen zum verhängnisvollen Steg, welcher zur Freude mehrerer anwesenden Damen und Jungfrauen und Fräuleins jetzt mit Lehnen versehen war. Diesen gefährlichen Pass glücklich überschritten, stiessen wir auf neue Schwierigkeiten, nämlich der bekannten Halde beim Cholerenloch. Es ist dies eine Matte unten an der Tropfstein-Felswand, welche jetzt ganz hinuntergerutscht ist und nur noch ein flüssiger Kot zurückbleibt. Uber diesen mussten wir gehen, um in das Loch hinabsteigen zu können. Am Ende der Halde waren Bäume, an denen man sich nur im Falle der Not halten konnte, da sie auch ganz unterfressen sind. Nach langer Mühe mit den Fräuleins mit ihren 117 Röcken und „Gloschli“, kamen wir in die Schlucht. Diesmal konnten wir ziemlich weit in die Schlucht vordringen, da wenig Wasser war. Wir warfen Steine hinein, dass es donnerte, und schrien hinein, was ein prächtiges Echo zur Folge hatte.

Nachher steuerten wir dem Pochtenkessel zu, einem oder dem interessantesten Naturwunder in der Gegend. Es bildet sich hier nämlich ein Wasserfall, der sich durch zwei Felsschluchten hinunterpresst. Um diesen Fall eigentlich gut betrachten zu können, muss man auf den Bauch liegen, und jemand hielt einen bei den Füssen, damit man nicht das Gleichgewicht verliert. Wir schritten nun über die Brücke aus Tannen, um den Fall besser betrachten zu können. Herr Rohr verglich dieses Naturwunder mit der Viamala. Auch bemerkte Herr Haarbeck, wenn dieses z. B. in Grindelwald oder Wengen oder sonst an einem kultivierten Ort wäre, so stünde schon ein Hotel dabei, und der Eintritt müsste bezahlt werden.“

(Aus dem Tagebuch von Ernst Lauterburg)

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