Dialekt-Bibliothek


Ein für Dialektinteressierte höchst spannendes Archiv ist das Phonogrammarchiv der Universität Zürich. Seine „Aufgaben umfassen das Sammeln, Dokumentieren, Auswerten und Publizieren von Tonaufnahmen in allen Schweizer Dialekten in den vier Landessprachen. Dazu gehören neben den Deutschschweizer Dialekten die französischen Patois, die lombardischen Dialekte des Tessins und der Bündner Südtäler sowie die rätoromanischen Dialekte Graubündens.“

Der Link zum -> Phonogrammarchiv . Dieses besitzt auch einen Webshop, in welchem Dialekt-CDs erworben werden können. Auf der CD „Der sprechenden Atlas“ findet sich auch eine kurze Dialektkostprobe von Maria Lauber.

In der Neue Zürcher Zeitung vom 6. Januar 2010 stellt Gina Bucher das Archiv, das 2009 sein 100jähriges Jubilum feierte, vor.

Hier ein kleiner Auszug aus diesem Artikel.

„Urchiger Sprachschatz
Im Phonogramm-Archiv der Universität Zürich lagern hundertjährige Tonaufnahmen von Mundarten aller vier Landessprachen. Die Sammlung dient nicht nostalgischen Zwecken, sondern zur wissenschaftlichen Erforschung der Sprache.
Angefangen hatte alles mit einem grossen, schwarz lackierten Trichter auf einem schlichten Holzkästchen mit Kurbel: Der Phonograph, den sich ein Zürcher Germanistikprofessor 1909 aus Wien geliehen hatte, ist der Grundstein des Zürcher Phonogramm-Archivs.
…..
Mit der Digitalisierung und den einfacheren Aufnahmemöglichkeiten konzentrierte sich das Archiv auf die Aufarbeitung der wertvollen historischen Aufnahmen, wie Dieter Studer und Michael Schwarzenbach erklären. Tief im Keller der Universität Zürich zeigen die beiden Assistenten des Phonogramm-Archivs Beispiele der frühen Wiener und Berliner Aufnahmen. Erstere sind heute die ältesten Tonaufnahmen schweizerischer Mundarten aller vier Landessprachen und waren die Resultate jenes ersten Phonographen, dessen Aufnahmen das Archiv bis 1923 zur Erstellung von Archivkopien regelmässig nach Wien schickte. Später arbeitete das Archiv mit der Preussischen Staatsbibliothek in Berlin zusammen. So entstanden Phonogramme von Walser Dialekten aus dem Alpenraum in Oberitalien und Graubünden.
….
Besonders wertvoll sind Tondokumente sogenannter Mundart-Inseln wie jene des Walserdialekts von Bosco/Gurin oder solche von ausgestorbenen Dialekten wie des Samnauner Romanischen, des Genfer Patois oder des Surbtaler Jiddisch.
Als Soziolekte werden Sprachmuster bestimmter gesellschaftlicher Gruppen bezeichnet. Im Phonogramm-Archiv sind solche der Stadt Bern dokumentiert, sie illustrieren die soziale Dimension der dialektalen Vielfalt. Historische Aufnahmen wie die «Stimmen der Heimat» erinnern an die geistige Landesverteidigung.
Die Dialekt-Sprechplatten mit 38 jeweils dreiminütigen Aufnahmen verschiedener Mundarten wurden für die Landi 1939 realisiert und waren den Auslandschweizern gewidmet.
…..
Auch die Schweizerische Nationalphonothek in Lugano sammelt Tondokumente über die Schweizer Kultur, doch das Zürcher Archiv konzentriert sich auf Aufnahmen von Schweizer Mundarten. Das Schweizerdeutsch stehe für dialektale Vielfalt und sei deshalb für die phonetische Erforschung sehr interessant, erklärt Stephan Schmid, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Phonetischen Laboratoriums der Universität Zürich.
…… “
Den vollständigen Artikel finden Sie auf NZZGlobal unter: http://www.nzz.ch/global
Copyright (c) Neue Zürcher Zeitung AG

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