Auswanderung. New Bern


Zur Auswanderung nach Amerika und zur Städtegründung läuft im Historischen Museum Bern vom 4. Dezember 2009 bis zum 16. Mai 2010 die Ausstellung „Bern New Bern„. Sie schildert die Geschichte des Christoph von Graffenried, der 1710 New Bern gegründet hat, wo 2010 ausgedehnte Jubiläumsfeiern stattfinden. Mehr auf der Website Bern New Bern und http://www.newbern300.com/.

Die Ausstellung gibt auch einen kleinen Einblick in die Armutsverhältnisse zu dieser Zeit, und dies am Beispiel eines Adelbodner Haushalts.

Die Ausstellung ist in 11 Szenen gegliedert. Der Begleitprospekt beschreibt diese chronologisch geordneten Szenen wie folgt (Fotos zur Ausstellung auf http://www.newbern.ch/deutsch/ausstellung/fotos/):

“ Gastausstellung <<New Bern, North Carolina – 300 Jahre Tochterstadt in Amerika>>

1. a) Wirtschaftliche Situation um die Jahrhundertwende 17./18.Jh. im Bernbiet
Um 1700 war die Armut insbesondere im Oberland und Emmental weit verbreitet. Die Auswanderung wurde als die anständige Alternatlve zum Betteln und Stehlen betrachtet. Der Staat versuchte mit Beschäftigungsmassnahmen wie öffentliche Bauten, aber auch mit repressiven Mitteln wie Arbeitserziehung (Schallenhaus), der Verarmung entgegenzuwirken. Der Dienst in fremden Heeren bot eine einigermassen sichere Versorgung mit einer gewissen Chance auf Aufstieg und Ansehen.
1.b) Die Ursprünge von Christoph von Graffenried (1661-1743)
Als Angehörigen einer angesehenen Patriziatsfamilie standen Christoph grundsätzlich alle Türen für eine steile politische Karriere offen. Eine standesgemässe Heirat mit Regina Tscharner und der Einstieg in die Laufbahn als Grossrat und Landvogt von Yverdon erfolgten nach dem erwarteten Muster. Das stete Zerwürfnis mit seinem Vater, der ihn der Liederlichkeit bezichtigte, sowie sein Traum nach fernen Welten, führten indes zu elner anderen Entwicklung.
2. Familiensituation auf Schloss Worb (1708)
Christoph von Graffenried mit seiner Frau Regina, geb. Tscharner, auf Schloss Worb. Rückwand mit Zeichnung des Dorfs und des Schlosses Worb von Albrecht Kauw, 1669 (Historisches Museum Bern, Inv. 26091). Im Vordergrund Nachblldung des Himmelsglobus von Jodocus Hondius.
Die Kopie des Globus wurde von Wemer Merkli, Muri bei Bem, erstellt. c. Bild Albrecht Kauw Historiisches Museum Bem
3.a) Situation der Wiedertäufer um 1700
Um 1700 ist im Kanton Bern die Glaubensgemeinschaft der Wiedertäufer vor allem im Oberland und im Emmental weit verbreitet. Der Staatskirche sind die ,,Freidenker“ aber ein Dorn im Auge, entziehen sie sich doch der staatlichen Kontrolle, indem sie sich von ihren Laienpredigern statt den ordentlichen Pfarrherren im Glauben instruieren lassen. Daneben verweigern sie sich aus Gewissensgründen dem Kriegsdienst.
3.b) Der Staat will eine Einheitsreligion – Exponenten für und gegen die Wiedertäufer
Innerhalb von Stadt und Republik Bern war man sich keineswegs immer einig bezüglich der Verfolgung von Wiedertäufern. Wahrend der nachmalige Schultheiss Johann Friedrich Willading eine harte Haltung vertrat und die Pfarrer (Beispiel Münster in Bern) verpflichtete, die Wiedertäufer den Behörden zu meiden, setzten sich sogenannt pietistisch gesinnte Theologen insbesondere auf dem Lande (Beispiel Kirche und Kanzel Würzbrunnen im Emmental) für Toieranz gegenüber den Andersgläubigen ein
4. Ernennung van C. von Graffenried als Landgraf von Carolina (1709)
Christoph von Graffenried wird von Königin Anne am 22. August 1709 im Beisein eines Hofbeamten zum Landgraf von Carolina ernannt. Er erhält die Urkunde ,,to all and singular“ mit der Ermächtlgung zur Gründung einer Kolonie im Namen der englischen Krone. Rückwand mit Gemälde von W.J. Bennett der St. George’s Hall auf Schloss Windsor.
c. Getty Images, The Bridgeman Art Library
5.a) Ueberfahrt England-Amerika
Inspiriert durch die Lektüre verschiedener Bücher über Carolina und Virginia und ermuntert durch die Berner Promotoren Michel, Ritter und Ochs will Christoph von Graffenried sein Glück in Nordamerika zu suchen. Er schliesst sich im Frühjahr 1710 in London einer Gruppe mit Michel und Auswanderern aus der Pfalz an und erhält von Queen Anne den Auftrag zur Gründung einer Kolonie. Bei dieser Gelegenheit wird er mit einer Urkunde zum Titel eines Landgrafen von Carolina ernannt.
5.b) Ankunft und Gründung
John Lawson hat mit den ,,Pfälzern“ bereits einige Wochen Quartier bezogen, als Christoph von Graffenried im September 1710 mit den direkt aus Bern Ausgewanderten eintrifft. Der Kontakt zu den Indianern verläuft in einer friedlichen Atmosphäre. Um diesen Zustand zu erhalten und um Vertrauen zu wecken, kauft ihnen von Graffenried das ihm von der Krone zugewiesene Land ab.
6. Gefangenschaft von C. von Graffenried bei den Indianern (1711)
Auf der Suche nach Bodenschätzen im Westen der Siedlung New Bern, wurde Christoph von Graffenried von lndianem gefangengenommen. Diese befanden sich im Krieg mit den Engländern. Während sein englischer Begieiter John Lawson getötet wurde, durfte von Graffenried nach mehrwöchiger Gefangenschaft wieder heimkehren. Nach seiner Rückkehr musste er feststellen, dass New Bern von Indianern weitgehend zerstört worden war und die meisten Bewohner geflüchtet waren.
Originalwaffen aus dem Besitz des Historischen Museums Bem
7.a) Die Ureinwohner von North Carollna
Bereits im ausgehenden 16. Jahrhundert hatte der englische Zeichner und Landvermesser John White anlässlich mehrerer Expeditionen unter Sir Walter Ra!eigh die Tuscarora-lndianer besucht und einen engen Kontakt hergestelit. Die von ihm angefertigten Zeichnungen der Ureinwohner Carolinas bestechen noch heute durch ihre Präzision und Lebensnähe. Sie widerlegen auch die Klischeevorstellung des in Trivialliteratur und Westernfiimen verbreiteten Indianerbilds.
7.b) Die Schaffung einer neuen Nation
Nach der Zerstörung durch den Krieg zwischen den Tuscarora-lndianern und den Engländern (1711-1714) waren viele der ursprünglichen Siedler getötet oder vertrieben worden. Es finden sich auch nur noch wenige Spuren bernischer Auswanderer. Dennoch erholte sich die Stadt erstaunlich gut und wurde nach neuen Plänen wieder aufgebaut. Der englische Gouverneur William Tryon (1729-1788) !iess seinen Hauptsitz als prächtigen Palast mit grossem Garten errichten und ernannte New Bern vorübergehend zur Hauptstadt der neuen Kolonie North Carolina (1767-1794). Das gesellschaftliche Leben im Tryon Palace unterschied sich in keiner Weise von jenem im Alten Europa.
8. New Bern im Bürgerkrieg (1861-1865)
Am 20. Mai 1861 trennte sich North Carolina von den Vereinigten Staaten und trat den Konföderierten Staaten bei. Ein knappes Jahr später eroberten die Unionstruppen mit Unterstützung einer grossen Flotte New Bern. Je ein Soldat der südlichen Konföderierten Armee und der nordlichen Unionstruppen symbolisieren die Schlacht von New Bern am 14. März 1862. im Vordergrund Farbdruck aus einer Zeitung oder einem Buch mit elner Abbildung des Gefechts.
Uniforms and equipment loan from Tryon Palace Historic Sites & Gardens c. Newspaper or book Tryon Palace Historic Sites & Gardens
9.a) Die Wirtschaffliche Entwicklung von New Bern – The ,,Tar Heel State“
Die Bewohner North Carolinas tragen den Spitznamen ,,Tar-Heels“ (Teer-Fersen). Dafür gibt es zwel mögliche Erklärungen: Die eine weist darauf hin, dass hier über 150 Jahre mit grossem Erfolg Terpentin, Teer und Pech gewonnen und exportiert wurde. Diese Materialien wurden weltweit fur den Bau und Unterhalt der Schiffe gebraucht. Eine andere Quelle besagt, dass während dem Bürgerkrieg (1861-1865) die einheimischen Soldaten durch ihre Standfestigkeit und Entschlossenheit auffielen, ,,als wären sie mit ihren Absätzen im Teer festgeklebt“. Die Gewinnung von Terpentin, Teer und Pech war vor und nach Abschaffung der Sklaverei die Haupttätigkeit der schwarzen Arbeiter.
9.b.) Die Wirtschaftliche Entwicklung von New Bern – Beginn der Industrialisierung
Der Niedergang der Terpentinindustrie anfangs des 19. Jh. führte zum wirtschaf’tlichen Abstieg von New Bern. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, wurde das Transportangebot auf Schienen, Flüssen und auf dem Meer gefördert. Um die Mitte der 1850er Jahre entstanden in North Carolina Eisenbahnlinien, die den Absatz von Fisch, später von Tabak, Bauholz und Maschinen aus New Bern erleichterten. New Bern hatte die erste Druckmaschine im Staat North Carolina. Hier wurden die ersten Banknoten, das erste Buch und die erste Zeitung dieses Staates gedruckt.
10. Erfindung von „,~Brad’s Drink“, dem späteren Pepsi Cola (1893)
Um 1893 erfand der Apotheker Caleb Davis Bradham von New Bern ein alkoholfreies Getränk, das er anfänglich ,,Brad’s Drink“ nannte. 1898 änderte er den Namen in ,,Pepsi Cola“. Der Hauptsitz von Pepsi-Cola befindet sich heute in Purchase im Staat New York. In New Bern erinnert eine Nachbildung der ehemaligen Drogerie an den Erfinder des weltweit bekannten Getränks.
Leihgaben Rathaus-Apotheke Bem und Chramerhaus Sumiswald/Loan from Pepsi Store, New Bern
11.a) Nachkommen bernischer Auswanderer in North Carolina
Auch wenn sich nach der Zerstörung der Stadt in den Jahren 1711 -1714 die Spuren der ursprünglichen Siedler verlieren, erinnern noch immer die Namen von Strassen, Parks und Institutionen an die Gründerväter. Insbesondere das Andenken an Christoph von Graffenried wird in New Bern hochgehalten.
11.b) Das weitere Schicksal des Stadtgründers und seiner Nachfahren in Amerika
Die Rückkehr Christoph von Graffenrieds bedeutete nicht das Ende der Familie in Amerika. Der gleichnamige Sohn (1691-1742) blieb vorerst in Carolina und liess sich später in Williamsburg (Virginia) nieder. Dessen Sohn, Enkel des Gründers von New Bern, wurde zum Begründer der heute vielköpfigen Nachkommenschaft in den USA.
Zum Andenken an die 700-Jahr-Feier der Stadt Bern im Jahr 1891, zu welcher erstmalig ein Bürgermeister von New Bern nach Bern kam, äusserte die Stadtbehörde von New Bern den Wunsch, das Wappen und die Farben von Bern ebenfalls zu führen. Dem Wunsch wurde entsprochen und 1896 erfolgte die feierliche Uebergabe einer Fahne mit dem Berner Wappen an New Bern. Seither sind regelmässige und gegenseitige Besuche zwischen Mutter- und Tochterstadt zur Tradition geworden.“

Die SAHS Swiss American Historical Society pflegt die Geschichte der Auswanderung: http://www.swissamericanhistory.org/forum/portal.php

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