Jakob Aellig – Adelbodetütsch und Hiimatbrief


Erinnerung an Dr. Jakob Aellig

„Äs grudlet* äs Gräbli in üüsem Hiimattal“


Dr. Jakob Aellig starb am 28. Dezember 2007. Mit ihm ging ein kritischer Geist, ein unermüdlicher Sammler und Forscher.  Erinnerungen aus Sicht eines Schülers und engen Freundes.
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Grosser Verlust
Nach Alfred Bärtschi (1890-1976) war Jakob Aellig (1922-2007) der Chronist unserer Gemeinde. Er war ein unermüdlicher Sammler und Forscher; seiner  Feder entstammen unzählige Aufsätze und Texte volkskundlichen Inhalts. Gab es überhaupt etwas, das er nicht sammelte – sofern  es mit Adelboden und seiner Geschichte zu tun hatte? Er war aber bei alledem auch ein kritischer Geist. Nicht jede  Entwicklung hiess er gut. Erwar nicht bereit, Eigenart und Eigenständigkeit einer Zukunft zu opfern, von der man nicht wusste, ob sie menschengemäss sein würde.
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Jahrzehntelang gab er als verantwortlicher Redaktor den <<Hiimatbrief>> heraus. Für zahllose Beiträge zeichnete er  verantwortlich. Dieser Brief, dessen 68. Nummer im 2007 erschien, trägt Kobis Handsehrift und enthält ein reiches Material  zur Heimat- und Volkskunde Adelbodens. Auch viele Gedichte entstammen seiner Feder, Gedichte in reinem Adelbodendeutsch, denen er auch z.T. eigene Melodien.unterlegte. Wer kennt nicht das Adelboden-Lied, das er schon in seinen Jugendjahren  schrieb:
Un äs verzennt mig hüt no z’ga,
i ds Entschligtal embruehi,
da gsescht du gwaltig Bärga stah
u räblischt uf si uehi…
Oder:
Äs grudlet as Gräbli
in üüsem Hiimattal…

Grosser Erfolg war auch seiner Sammlung <<Adelbodetütsch>> beschieden, die ich mit ihm herausgeben und zu der ich ein Vorwort  schreiben durfte. Das Buch basiert auf Kobis jahrzehntelanger Sammelarbeit. Er hat den Originalen und urchigen Adelbodmern und Adelbodmerinnen „auf’s Maul geschaut“. Er wollte unseren unvergleichlichen und von der Verflachung bedrohten Dialekt erhalten bzw.in die Zukunft hinüber retten. Diese Aufzählung seiner unermüdlichen Tätigkeit ist unvollständig und bruchstückhaft. Sie kann keine umfassende Würdigung  sein.
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Genussvolle „Hiimatbriefe“
Nach Seminaraustritt verloren wir uns für Jahrzehnte aus den Augen, jeder ging seiner Wege. Natürlich, in den  <<Hiimatbriefen>> begegnete ich ihm immer wieder und las mit Genuss und Gewinn seine Beiträge. Ein guter Zufall wollte es, dass wir uns in den späten 1990er Jahren an einem Herbsttag auf der Dorfstrasse begegneten. Wir setzten uns zusammen an einen Tisch und erzählten uns gegenseitig von unserer beruflichen und nebenberuflichen Arbeit. Er erzählte mir von seiner Sammlung alter Wörter aus Adelboden, und dass er dieses Werk unter dem Titel <<Adelbodetütsch>> herausgeben möchte. Und damals fragte er mich um Vorwort und Mithilfe. Später, als seine Kräfte zu schwinden begannen, betreute er mich mit der Fertigstelluhg des umfangreichen Manuskripts und dessen Drucklegung. Das Büchlein löste eine starke Resonanz aus; eine zweite und dritte Auflage kamen – jeweils erweitert – zustande.

Das Dorfarchiv
Ein weiteres Anliegen, das ihm am Herzen lag, war sein umfangreiches Archiv, bestehend aus Büchern, Dokumenten, Notizen,  Zeitungsausschnitten. Seine Sorge war die zweckmässige Aufbewahrung dieses wertvollen Materials, verfügte doch die Gemeinde damals noch nicht über ein Dorfarchiv. Nun, im Jahr 2007 stellten die Behörden von Adelboden zweckmässige Archivräume zur Verfügung und schliesslich konnte sogar die <<Stiftung Dorfarchiv>> gegründet werden, die sich um die verschiedenen persönlichen Archive und Nachlässe kümmern und sie der Allgemeinheit zugänglich machen wird. Dies alles geschah noch zu Kobis Lebzeiten; wir wissen allerdings nicht, wie bewusst er diese Erfüllung seines Anliegens mitbekommen hat.
Kobi hat mir, uns, der Gemeinde viel gegeben. Was bleibt,ist Dankbarkeit und das Versprechen, sein Erbe so gut als möglich  zu verwalten.

CHRISTIAN BÄRTSCHI
Geschrieben am 29. Dezember 2007, zwei Tage nach Jakob Aelligs Tod.

Gekürzt aus:  Frutigländer, 18.1.2009, p.4

* grudlet wohl von grudlen. Was dies genau heisst, verrät uns auch die dritte Auflage von Adelbodetütsch leider nicht, die vierte‘?

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