Als 30’000 Kubikmeter zu Tale stürzten


30 000 Kubikmeter Fels stürzten bei der Engstligenalp in die Tiefe

ADELBODEN lEin mächtiger Felssturz hat sich am Dienstag (18.7.2000) am Bündihorn ereignet: 30 000 Kubikmeter Gestein donnerten 500 Meter in die Tiefe, füllten die Schlucht des Artelenbachs und hüllten die Talstation der Luftseilbahn Engstligenalp in eine Staubwolke.

Lb. Der Felssturz hatte sich bereits am Dienstag in der Früh angekündigt: Um 6 Uhr morgens lösten sich rund 100 Meter unter dem Gipfel des Bündihoms, das den Talkessel von Adelboden zur Alp Hinterengsüigen abschliesst, die ersten Felsbrocken und donnerten zu Tai. Vier Stunden spater folgte dann die grosse Gesteinsmasse: Rund 30000 Kubikmeter Fels brachen auf einer Höhe zwischen 1800 und 1900 Meter über Meer ab und stürzten ins Tobel des Ärtelenbachs, wo sie auf 1400 Metern über Meer einen mächtigen Schuttkegel bildeten. Eine braune Staubwolke nebelte den ganzen Talkessel Unter Birg ein, wo sich die Talstation der Luftseilbahn Engstligenalp befindet.
«Schwarze Nacht»
«Einen Moment lang glaubte ich, jetzt sei es fertig», sagte Walter Brügger, der als Kabinenführer der Luftseilbahn eben zwischen Berg- und Talstation unterwegs war. Unmittelbar vor ihm schien die Felswand mit ungeheuerlichem Getöse ins Tal zu kippen.
«Es wurde einen Moment lang schwarze Nacht», erzählte er. Im Weiterfahren sei die Kabine der Staubwolke zunächst entkommen, dann habe aber die braune Staubwand auch die Talstation erreicht. Die Autos auf dem Parkplatz der Bahn sowie die Gebäude wurden mit einer zentimeterdicken Staubschicht überdeckt.
Keine Menschen betroffen
Unmittelbar nach dem Felssturz rückte der Obmann der SAC-Rettungsstation Adelboden, Kantonspohzist und Bergführer Bernhard Bühler, zusammen mit einem zweiten Bergführer aus, um Nachschau zu halten, ob Personen betroffen seien. Es zeigte sich, dass Wanderer, die auf dem Weg via Wasserfall zur Engstligenalp aufstiegen, nicht in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Die Wanderwege nach Engstligenalp und Hinterengstligen, die vorsichtshalber sofort gesperrt worden waren, konnten bereits am Dienstag wieder freigegeben werden, da sie nicht im direkten Gefahrenbereich liegen. Nur der Weg zum Brätliplatz Unter Birg bleibe vorerst weiterhin gesperrt, sagte gestern Bernhard Bühler. Beschädigt wurde die Wasserversorgung für die beiden Restaurants bei der Talstation der Luftseilbahn.
Der Führungsstab der Gemeinde Adelboden werde nun zusammen mit dem kantonalen Amt für Naturgefahren die Abbruchstelle beurteilen, sagte gestern Gemeindeschreiber Alfred Inniger. Dabei werde sich zeigen, ob Massnahmen nötig würden. Ein besonderes Augenmerk müsse dem Abfluss des Ärtelenbachs gelten, damit bei schweren Gewittern nicht eine Schuttlawine in Bewegung komme. Inniger sieht als unmittelbaren Auslöser des Felssturzes die schweren Niederschläge der letzten Woche, verbunden mit einem Temperatursturz. Da sei Wasser in den Felsspalten gefroren, «das hat Sprengwirkung».
Nicht zum ersten Mal hat sich in Adelboden ein Felssturz ereignet: 1990 lösten sich am Nünihorn, 1994 am Mittaghorn ähnlich grosse Felsmassen und donnerten zu Tal, ohne jedoch Opfer zu fordern.

aus: Der Bund, 20.Juli 2000, p. 23

An diesem Morgen arbeitete ich im Garten, in der Nähe des Wendeplatzes. Nicht der Staub des Felssturzes, sondern das Geräusch liess mich aufhorchen. Aber an Ausserordentliches dachte ich nicht, tönte es doch zuerst ziemlich „normal“, nämlich wie einer der üblich Überflüge eines Militärjets. Das Signalhorn der Ambulanz und der aufsteigende Staub unter dem Birg belehrte mich dann eines besseren. (AG)

Foto AG, 5.4.2011

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