Adelbodner Schulen 1799


Die Helvetische Republik und die Statistik

Die Helvetische Rpublik (12.4.1798 bis 10.3.1803) war als Ablöserin der alten Eidgenossenschaft zwar von kurzer Dauer, aber reich an Aktivitäten der Modernisierung.

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Statistiken waren eine zentrale Grundlage für die Politik:
„Die breit angelegten statist. Erhebungen, welche die Zentralbehörden in den verschiedensten Lebensbereichen durchführten, sollten die Grundlagen für eine rationale Gestaltung der Helvetische Rpublik liefern. Am 21.10.1798 leitete Innenminister Albrecht Rengger die erste gesamtschweiz. Volkszählung in die Wege. Bekannt sind auch die Pfarrer- und die Schulenqueten Philipp Albert Stapfers vom Febr. 1799.“  ……  „Auf keinem Gebiet unternahm die Helvetische Rpublik so grosse Anstrengungen wie auf demjenigen des Erziehungswesens. Für Philipp Albert Stapfer, den Minister der Künste und Wissenschaften, führten Bildung und Erziehung zur ethischen Vervollkommnung des Menschen. Stapfer wandelte die Schule von einer kirchl. in eine staatl. Einrichtung um. Gestützt auf einen Regierungsbeschluss vom 24.7.1798 übernahm in jedem Kanton ein achtköpfiger Erziehungsrat die Aufsicht über das Schulwesen. Der von einem umfassenden Erziehungsplan begleitete Gesetzesentwurf zur Umgestaltung der Volksschule wurde im Parlament schleppend behandelt und verwässert. Erst am 4.-6.12.1800 sollte die Exekutive die Einrichtung von Elementarschulen in den Gemeinden und die allgem. Schulpflicht in den Wintermonaten dekretieren. Von den Projekten für Lehrerseminare zur Verbesserung der Lehrerbildung waren die wenigsten von Erfolg gekrönt. Die polit. Volksaufklärung lag in den Händen des im Nov. 1798 geschaffenen Bureaus für National-Kultur, das Heinrich Zschokke leitete.“
Aus Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Helvetische Republik, http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D9797.php

Projekt Stapferenquete

Die Stapferenquete zu den Schulen ist in einem umfassenden Projekt erforscht und in einer auf modernsten Techniken basierenen Webseite präsentiert worden.

snip_Stapferenquete„Das Projekt (Laufzeit 2009-2015) diente der Edition und der Erforschung der sogenannten Stapfer-Enquête, einer Umfrage zur Schulsituaion in der Helvetischen Republik aus dem Jahr 1799. Diese Umfrage geht auf die Initiative des Erziehungsministers der Helvetischen Republik (1798-1803) Philipp Albert Stapfer (1766-1840) zurück, der die Schulpolitik der 1798 ausgerufenen Republik auf „hard facts“ bauen wollte und deswegen einen standardisierten Fragebogen mit rund 60 Fragen entwarf, die von den Lehrern (und wenigen Lehrerinnen) der damaligen Schweiz ausgefüllt wurde. … Die Erhebung besteht aus vier Teilen; gefragt wird nach den Lokalverhältnissen, dem Unterricht, den Personalverhältnissen und den ökonomischen Verhältnissen … . Von dieser Umfrage liegen über 2400 Antwortbögen und somit umfangreiche, ergiebige und spannende Quellen vor.“ (Der Fragebogen: http://www.stapferenquete.ch/db/browse/fragen).
Daniel Tröhler, Heinrich R. Schmidt, http://www.stapferenquete.ch/projekt

Die vier Schulen in Adelboden

Wie die Schulverhältnisse 1799 in Adelboden aussahen, das lässt sich spannend in der Datenbank des Projekts verfolgen.

Es gab 1799 in Adelboden vier Schulen: Boden, Hirzboden, Schwand, und Stigelschwand mit etwas mehr als 260 Schulkindern.

Der Schulweg

Erfragt wurde, wie viele der zum Schulbezirk gehörigen Häuser wie weit – in Vietelstunden gemessen – vom jeweiligen Schulhaus (welches der Lehrer selber zu stellen hatte) entfernt waren.
Am meisten Häuser  (119) und bis zu einer Entfernung von einer Stunde meldete der Schulbezirk Schwand. Die übrigen Bezirke hatten zwischen 26 und 28 oder mehr Häuser. Dabei ist nicht klar, ob in allen auch Schulkinder lebten. Bei allen aber wird darauf hingewiesen, dass „in rauhen Zeiten und vielen Schnees die Kinder noch einmal so lang zu gehen haben — oder gar nicht gehen mögen“. Denn meistens wurde die Schule vor allem im Winter gehalten, im Sommer wenig, weil „viele an den Bergen oder sonst weiter entfernt sind“.

Der Schulstoff

In allen Schulen ist der Schulstoff der gleiche: „Lesen, Singen, Schreiben … auch ausswendig den Catechismuss, die schönen Psalmen Davids, die Psalter, Historien Capitel aus dem neuen Testament“, und das je „nach deme ein Kind mit Viel oder wenig gaaben von Gott dem Allmächtigen beschenket ist“.

Das Lehrerprofil

Bestellt wurden die Schulmeister (es gab aauch Frauen, so z.B. n ) „nebst jeweiligem Pfarrer“ durch das „Ehemalige Gricht und Chorgricht, nach deme ein Examen mit solchen Vorgenomen worden ist“.

Boden

60 Schüler, 32 Knaben und 28 Mädchen.

  • Lehrer Stephan Hager, 33jährig, aus dem gleichen „Flecken des Schuls Bezirks“ stammend, kinderlos verheiratet.
  • 10 Jahre im Beruf, „nicht als Bauren beruff“, daneben „Bauren Verrichung weil er nicht zum faulenzen geneigt ist“.
Hirzboden

60 Kinder in der Schule, 38 Knaben, 22 Töchter, „im Sommer aber weniger weil Viel am berg und ab Örtern wohnen und also den Kleinen Zu weit ist“.

  • Lehrer Christen Josi, 49jährig, aus „dem borth als nebend fleck diss Schulbezirks“ stammend, verheiratet und 5 Kinder.
  • Seit drei Jahren im Beruf, selbst Bauer und noch daneben als Bauer tätig.
Schwand

Etwa 98 Kinder, 51 Knaben und 41 Mädchen, im Sommer weniger.

  • Lehrer Christian Ällig, 44jährig, „Vom Flecken Jnnerschwand“, verheiratet und zwei Kinder.
  • Seit drei Jahren Lehrer und „Vor etlich Jahren auch etlich Jahr“ , von Beruf „Bauren.., Corrichter, Sekeler, und Vor einer Zeit auch Schulmeister“. Daneben „Bauren Verrichtung und an der Municipalitet“.
Stigelschwand

50 Kinder, 27 Knaben, 23 Mädchen, im Sommer aber weniger.

  • Peter Pieren, 27jährig, „vom Hauptfleck steigelschwand“, kinderlos verheiratet.
  • Seit drei Jahren Lehrer, vormals „nichts als Beuren beruff“ und daneben „Bauren Verrichtung und an der Munizibalität“.

Noch viel mehr zu den einzelnen Schulbezirken in der Datenbank

Bode. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1380: Bode, [http://www.stapferenquete.ch/db/1380].

Hirzboden. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1384: Hirzboden, [http://www.stapferenquete.ch/db/1384].

Schwand. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1382: Schwand, [http://www.stapferenquete.ch/db/1382].

Stigelschwand. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1385: Stigelschwand, [http://www.stapferenquete.ch/db/1385].

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