Archiv der Kategorie: Bärtschi Christian

Hiimatbrief 78 und ein Wunsch

Der neue ist da

September 2017, der Monat des neusten Hiimatbriefs, der pünktlich zum Adelboden Märit erschienen ist.

 

 

Was ist drin?

Im Editorial fasst Chritian Bärtschi zusammen, was im neuen Hiimatbruef drin ist:

„Die Inhalte des diesjährigen Hiimatbriefes bewegen sich im üblichen Rahmen. Manche Berichte aus dem letztjährigen Brief werden heuer fortgesetzt: Erinnerungen, Kindheitserinnerungen. Aber auch neue Themen werden aufgegriffen. Da sind z.B. Tagebuchnotizen von Alfred Bärtschi. Bärtschi war ein grosser Tagebuchschreiber, füllte er doch über 40 Bände mit nicht weniger als 14000 Tagebuchseiten — alle in gestochen klarer alter deutscher Kurrentschrift. Der Verfasser des Adelbodenbuchs war während Jahrzehnten Primarlehrer im Kaltacker bei Burgdorf. Er hatte neben dem Schulmeisterdasein manches Nebenamt zu übernehmen, u. a. war er Sektionschef der Gemeinde. Mich interessierte es nun, wie er die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs erlebte — immer aus der Perspektive einer Emmentaler Landgemeinde. Eine Zusammenstellung der betreffenden Tagebucheinträge ergibt ein lebendiges Bild von einer Zeit, die für die Schweiz schicksalsschwer war. — Dazu kommen Notizen zum Armenwesen am Ende des 19. Jahrhunderts in unserer Gemeinde, eine Studie zur «Abschieds- und Sterbekultur in Adelboden», ein Diskussionsbeitrag zur Erweiterung des Wanderwegnetzes zwischen Frutigen und Adelboden und der Bericht über eine «BeinaheKatastrophe» im Jahre 1963 wegen eines Felssturzes. Zudem zeichnet Toni Koller ein Bild von Gody Schranz, dem ehemaligen Chauffeur und unermüdlichen Sammler von Dokumenten zur 100-jährigen Geschichte der „Automobilverkehr Frutigen-Adelboden AG“. Auch der Beitrag von Pfarrerin Margrit Fankhauser fehlt nicht, sowie andere Berichte verschiedener Autorlnnen. Dann die wissenswerten «Rubriken»: Jahresbericht des Dorfarchivs, Jahresrechnung des Hiimatbriefs und die beliebte Jahreschronik (2016/2017).“

Das detaillierte Inhaltsverzeichnis des soeben erschienenen Hiimatbriefs findet sich –> hier im Verzeichnis aller Ausgaben seit 1947.

Und ein Wunsch

Dass ein Dorf sich mit diesen Heimatbriefen,  mit Adelbodenbüchern und sogar mit einem Dorfarchiv eine solche (Dokumentations)Kultur schafft, das ist aussergewöhnlich. Es ist das verdankenswerte Verdienst initiativer und geschichtsbewusster Personen!

In fast ununterbrochenem Rhythmus sind die Hiimatbriefe bisher erschienen und – wie im Editorial angesprochen –  in einer Tradition: „Die Inhalte des diesjährigen Hiimatbriefes bewegen sich im üblichen Rahmen.“

Und hier macht sich mein Wunsch fest: den „üblichen Rahmen“ etwas zu sprengen.

Viel ist von Vergangenem die Rede. Wo bleibt das Aktuelle und auf die Zukunft Gerichtete, das als Dokument später sicher mit ebensolchem Interesse gelesen wird?
Um den Hiimatbrief  etwas von seiner gegenwärtig eher rückwärtsgewandten Ausrichtung zu lösen, wären Themen und Personen in und für Adelboden sicher vorhanden. Nur schon ein Blick in die Chronik verweist auf eine jüngere in die Zukunft blickende Generation («Für Adelboden») , zeigt Projekte und Aktivitäten, deren  Darstellung aus verschiedenen Perspektiven auch im Hiimatbrief ihren Platz finden könnten (neue Bahnen, neues (Alpen)Bad, Chamber Music, Tourismuskooperation …). Und es gibt lokale Fragen (wie die Entwicklung der Landwirtschaft und des Wohnungsbaus) ebenso wie globale Fragen (wie die Klimaerwärmung), deren Auswirkungen auf das Lokale anzuschauen sind (was heisst die Erwärmung für Dorf, Berg und Tourismus?).
Eine solche Ausrichtung ist nicht nur Herausforderung, sondern bestimmt auch spannende Arbeit für eine Redaktion mit Zukunftsblick.

 

Adelboden 1950

Lesung mit Christian Bärtschi: 5. Februar 2015

Mit seinem neuen Buch «Nieseliecht» lässt der gebürtige Adelbodner und Chronist Christian Bärtschi das Adelboden der 1950er-Jahre aufleben – wie man es heute kaum mehr kennt. Die Lesung, die in Mundart abgehalten wird, ist öffentlich und findet

am 5.2. um 21.15 Uhr

in der Halle des Parkhotels Bellevue in Adelboden statt.

Zum erwähnten Buch:

Christian Bärtschi: Ds Nieseliecht. Erläbts un Ersinets us em Frutigtal, Frutigen (Egger) 2014, 108 Seiten, 19.50 Franken, ISBN-Nr. 978-3-9520760-8-8

Hier ist immer. Geschichten aus dem Berner Oberland

Geschichten aus dem Frutig- und dem Saanenland aus der Feder der beiden Zeitungskolumnisten Sigi Amstutz (Anzeiger vom Saanenland) und Christian Bärtschi (Frutigländer) sind aufgenommen im neuen Buch mit dem Titel
„Hier ist immer“. Das Buch enthält zudem Illustrationen des Kunstmalers Angelo Molinari (1914 – 1966), .

Bild: Frutigländer, 2.11.2012

Bezug: Verlags Service Imfeld, Preis: 38.00CHF incl. MwSt

 

Adelbodmer Heimatbrief: Die Nummer 73 ist da. September 2012

Editorial

Ein Doktorand der Geschichte der Universität Luzern arbeitet an einer Dissertation über Natur- und Umweltschutz. In seinen Untersuchungen, die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts betreffend, stiess er u.a. auf den Namen von Dr. Jakob Aellig. Nicht zu Unrecht gilt er als ein Pionier des Heimatschutzes. Der Doktorand wollte nun wissen, ob irgendwo entsprechende Unterlagen archiviert seien. Natürlich konnten wir ihn auf das Dorfarchiv Adelboden verweisen, das ja einen grossen Teil des Nachlasses von Jakob Aellig betreut. Und so kam es, dass der junge Forscher einen Tag lang im Dorfarchiv verbrachte – und fündig wurde. Es freut uns natürlich, wenn von unserem Archiv eine gewisse Ausstrahlung ausgeht!

Der diesjährige Hiimatbrief (Nr. 73) enthält wiederum verschiedensie Beiträge zur Geschichte und Gegenwart Adelbodens: Beobachtungen und Brauchtum rund um den Jahreslauf; Vorstellung eines der ältesten Dokumente der Gemeinde (Glübdbrief von 1433); die Mutmassungen um einen alten Treichelriemen und die Geschichte des Stafels im Heimatmuseum.

– Weitere Themen sind: Der Fläcklilift und was aus ihm wurde; die Bärgrächnig und deren Bedeutung für die Bergbauern. Dann erzählt eine nach Frankreich ausgewanderte Adelbodmerin über ihre Erlebnisse.
– Auch diesmal wird eine Adelbodmer-Künstlerin vorgestellt. Ein Vortrag über Orts- und Flurnamen aus unserem Tal wird referiert, und schliesslich geht Adelboden-Tourismus der Frage nach: Was tut sich in Adelboden? Nicht vorenthalten möchten wir unserer Leserschaft die Gedanken eines alten Adelbodmers. Eine persönliche Erinnerung an «Ruedi», einen Freund aus meiner Schulzeit, der in Kinderjahren unerwartet sterben musste, rundet diesen Teil ab.
– Die «Rubriken» enthalten den Jahresbericht der Stiftung Dorfarchiv, die beliebte Jahreschronik und die Jahresrechnung 2011. Mit ein paar «neuen» alten Wörtern und Redewendungen schliessen wir den diesjährigen Hiimatbrief.

Reaktionen, auch kritische, nehmen wir gerne entgegen. Wir freuen uns auch über neue Beiträge, die wir, sofern sie sich eignen, gerne veröffentlichen. Sehr froh sind wir auch, wenn Sie uns altfällige Adressänderungen bekannt geben. Auch neue Interessentinnen und Interessenten für unsere Publikation sind willkommen.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank aussprechen: den Kolleginnen und Kollegen von der Redaktion und Administration, der Druckerei, aber auch allen Autorinnen und Autoren, die unseren Brief mit ihren Texten bereichert haben.

Bern, im Sommer 2012

Christian Bärtschi

Jakob Aellig – Adelbodetütsch und Hiimatbrief

Erinnerung an Dr. Jakob Aellig

„Äs grudlet* äs Gräbli in üüsem Hiimattal“


Dr. Jakob Aellig starb am 28. Dezember 2007. Mit ihm ging ein kritischer Geist, ein unermüdlicher Sammler und Forscher.  Erinnerungen aus Sicht eines Schülers und engen Freundes.
….

Grosser Verlust
Nach Alfred Bärtschi (1890-1976) war Jakob Aellig (1922-2007) der Chronist unserer Gemeinde. Er war ein unermüdlicher Sammler und Forscher; seiner  Feder entstammen unzählige Aufsätze und Texte volkskundlichen Inhalts. Gab es überhaupt etwas, das er nicht sammelte – sofern  es mit Adelboden und seiner Geschichte zu tun hatte? Er war aber bei alledem auch ein kritischer Geist. Nicht jede  Entwicklung hiess er gut. Erwar nicht bereit, Eigenart und Eigenständigkeit einer Zukunft zu opfern, von der man nicht wusste, ob sie menschengemäss sein würde.
……..
Jahrzehntelang gab er als verantwortlicher Redaktor den <<Hiimatbrief>> heraus. Für zahllose Beiträge zeichnete er  verantwortlich. Dieser Brief, dessen 68. Nummer im 2007 erschien, trägt Kobis Handsehrift und enthält ein reiches Material  zur Heimat- und Volkskunde Adelbodens. Auch viele Gedichte entstammen seiner Feder, Gedichte in reinem Adelbodendeutsch, denen er auch z.T. eigene Melodien.unterlegte. Wer kennt nicht das Adelboden-Lied, das er schon in seinen Jugendjahren  schrieb:
Un äs verzennt mig hüt no z’ga,
i ds Entschligtal embruehi,
da gsescht du gwaltig Bärga stah
u räblischt uf si uehi…
Oder:
Äs grudlet as Gräbli
in üüsem Hiimattal…

Grosser Erfolg war auch seiner Sammlung <<Adelbodetütsch>> beschieden, die ich mit ihm herausgeben und zu der ich ein Vorwort  schreiben durfte. Das Buch basiert auf Kobis jahrzehntelanger Sammelarbeit. Er hat den Originalen und urchigen Adelbodmern und Adelbodmerinnen „auf’s Maul geschaut“. Er wollte unseren unvergleichlichen und von der Verflachung bedrohten Dialekt erhalten bzw.in die Zukunft hinüber retten. Diese Aufzählung seiner unermüdlichen Tätigkeit ist unvollständig und bruchstückhaft. Sie kann keine umfassende Würdigung  sein.
…….

Genussvolle „Hiimatbriefe“
Nach Seminaraustritt verloren wir uns für Jahrzehnte aus den Augen, jeder ging seiner Wege. Natürlich, in den  <<Hiimatbriefen>> begegnete ich ihm immer wieder und las mit Genuss und Gewinn seine Beiträge. Ein guter Zufall wollte es, dass wir uns in den späten 1990er Jahren an einem Herbsttag auf der Dorfstrasse begegneten. Wir setzten uns zusammen an einen Tisch und erzählten uns gegenseitig von unserer beruflichen und nebenberuflichen Arbeit. Er erzählte mir von seiner Sammlung alter Wörter aus Adelboden, und dass er dieses Werk unter dem Titel <<Adelbodetütsch>> herausgeben möchte. Und damals fragte er mich um Vorwort und Mithilfe. Später, als seine Kräfte zu schwinden begannen, betreute er mich mit der Fertigstelluhg des umfangreichen Manuskripts und dessen Drucklegung. Das Büchlein löste eine starke Resonanz aus; eine zweite und dritte Auflage kamen – jeweils erweitert – zustande.

Das Dorfarchiv
Ein weiteres Anliegen, das ihm am Herzen lag, war sein umfangreiches Archiv, bestehend aus Büchern, Dokumenten, Notizen,  Zeitungsausschnitten. Seine Sorge war die zweckmässige Aufbewahrung dieses wertvollen Materials, verfügte doch die Gemeinde damals noch nicht über ein Dorfarchiv. Nun, im Jahr 2007 stellten die Behörden von Adelboden zweckmässige Archivräume zur Verfügung und schliesslich konnte sogar die <<Stiftung Dorfarchiv>> gegründet werden, die sich um die verschiedenen persönlichen Archive und Nachlässe kümmern und sie der Allgemeinheit zugänglich machen wird. Dies alles geschah noch zu Kobis Lebzeiten; wir wissen allerdings nicht, wie bewusst er diese Erfüllung seines Anliegens mitbekommen hat.
Kobi hat mir, uns, der Gemeinde viel gegeben. Was bleibt,ist Dankbarkeit und das Versprechen, sein Erbe so gut als möglich  zu verwalten.

CHRISTIAN BÄRTSCHI
Geschrieben am 29. Dezember 2007, zwei Tage nach Jakob Aelligs Tod.

Gekürzt aus:  Frutigländer, 18.1.2009, p.4

* grudlet wohl von grudlen. Was dies genau heisst, verrät uns auch die dritte Auflage von Adelbodetütsch leider nicht, die vierte‘?