Archiv der Kategorie: Geschichte

Vergangenes Im Bild

Viel ist geschrieben worden über die im 2. Weltkrieg in Adelboden internierten Piloten. Weniger über die Kinder, die kurz nach Ende dieses Krieges zur Erholung nach Adelboden kamen. Ein kurzer Bericht der –> Schweizer Filmwochenschau vom Juni 1946 beleuchtet dies – ziemlich idyllisch.

Es ist eines von vielen Dokumenten, die auf der neu gestalteten
Plattform –> memobase.ch des Vereins zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz eingesehen werden können.
Darunter recherchierbar auch zahlreiche zu Adelboden, Berner Oberland und weiteren Stichwörtern.

Memobase ist das nationale Recherche- und Zugangsportal von Memoriav, der Kompetenzstelle für das audiovisuelle Kulturgut der Schweiz. Memoriav ist ein Netzwerk von Institutionen und Fachpersonen, die sich für die Erhaltung und Vermittlung des audiovisuellen Erbes nachhaltig engagieren – memoriav.ch. In Zusammenarbeit mit diesen Archiven, Bibliotheken und Museen aus allen Landes- und Sprachregionen der Schweiz ermöglicht das Onlineportal das Recherchieren von professionell archivierten Fotografien, Filmen, Ton- und Videodokumenten und schafft Zugang zu diesen Bild- und Tondokumenten für Bildung, Forschung und die interessierte Öffentlichkeit. “  (Quelle: memobase.ch)

Mehr dazu in der Medienmitteilung des Vereins memoriav:

DIE NEUE MEMOBASE HEBT AB! DAS PORTAL ZUM AUDIOVISUELLEN ERBE GEHT ONLINE
–> #MEDIENMITTEILUNG

18.05.2021

Ein Schneider in Adelboden

Ein Blick in die Geschichte zweier Generationen aus einem Bergdorf. Er zeigt uns, wie der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft persönliche Schicksale mitprägt.

Friedrich (1873-1951)

Am Beginn: Friedrich Lauber, Sohn des Landwirts und Schumachers Stephan Lauber. Vom Vater soll er das Schuhmachen gelernt haben, als Kind half er wohl mit beim Herstellen von Spanschachteln, die der Zündholzfabrik in Kandergrund als Verpackung dienten. Verbunden damit waren auch lange Wege auf der alten Adelbodenstrasse beim Abliefern in die Fabrik.

Friedrich kauft oder tauscht nach seinem Auszug aus dem Haus der Eltern ab 1898 in kurzen Abfolgen verschiedene Wohnstätten bis er dann ab 1901 im Adelbodner Ortsteil Boden (Thal) ein Haus mit etwas Weide, Wald und einer Heumatte erwirbt und etwas länger bewirtschaftet.

Walehälti / Im Tal

Beginn

Friedrich ist verheiratet mit einer Tochter des Lehrers Fritz Allenbach. Und hier dringt der auch in Adelboden Einzug nehmende Tourismus langsam in sein Leben ein, genauer des Hoteltourismus und noch genauer des Hotels Bellevue.

Die Webseite des heutigen Hotels Bellevue beschreibt diese Anfangsphase so:

„1901 | Lehrer Fritz Allenbach lässt das Hotel Bellevue als Holzbau mit Seitentürmen und -erkern bauen. In Adelboden entstehen 1901 etliche weitere Hotels. Den Hotelboom lösen Lehrer und Bauern aus, die sich – vergleichbar mit den nach Amerika ausgewanderten Goldgräbern – vom neuen Geschäft Reichtum oder zumindest eine sichere Existenz erhoffen. Ganze Familien helfen als Bürgen bei der Finanzierung der Bauten mit. Parallel dazu erfährt Adelboden eine Art «Kolonisierung» durch Hoteliers aus dem inneren Oberland, das von englischen Touristen schon fünfzig bis siebzig Jahre zuvor erobert worden ist. Doch da sich in diesen Gebieten schon um die Jahrhundertwende eine Sättigung an Hotelbetrieben abgezeichnet hat, expandieren sie in das noch unberührte Engstligental. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfährt die blühende Tourismusbranche einen ersten Rückschlag. Die Gäste bleiben aus, die Logiernächte sinken beträchtlich.“

Die Statistik zeigt diesen Einbruch der Gästezahlen und der Logiernächte und damit auch der Einnahmen mehr als deutlich:
(Grafiken können in der Regel mit Rechtsclick -> „Grafik anzeigen“ im Grossformat betrachtet werden)

Die Webseite des Hotels beschreibt die weitere Zukunft rosig:

„1919 | Nach Kriegsende übernimmt die Kantonalbank von Bern (heute Berner Kantonalbank) das Hotel Belleuve und baut es zu einem für damalige Begriffe modernen Hotel aus. Die Bäder, die in einem Teil der Zimmer eingebaut werden, entsprechen höchsten Komfortansprüchen. Das Bellevue wird als Kuranstalt mit Dr. G. Schaer als Arzt und A. Wenger als Hoteldirektor geführt und heisst fortan Parkhotel Bellevue.“

Exodus

Aber ganz so rosig ging es für Friedrich Lauber nicht weiter. Seine Frau, die Tochter des Lehrers Allenbach, ist 1908 gestorben. Er hat für seinen von der Krise gebeutelten Goldgräber-Schwiegervater gebürgt … und mit ihm Geld verloren. Im Februar 1915 muss er daher sein Haus im Thal verkaufen. Er verlässt 1917 das Dorf Richtung Unterlangenegg. Dank eines Erbes seiner zweiten Frau Bertha Dänzer kann er dort den Hof Schindler erwerben.

Der Hof im Umfang von 952 Aren liegt am Hang, umfasst Garten, Ackerland, Wiesen und eine „Rutschpartie“. Tatsächlich ereignet sich im Juni 1987 im Hirschigraben ein grosser Erdrutsch und staut die Zulg.

Wilhelm 1922-1999

Und hier beginnt die Geschichte von Wilhelm Lauber: Geboren 1922 im Schindler.
1939, der Vater Friedrich war alt geworden und wollte – vielleicht auch getrieben von Heimweh – zurück nach Adelboden. So verkauften sie den Hof und machten sich auf den Weg, allerdings mit einem einjährigem Zwischenhalt im Tregel, nur noch 4,5 km Luftlinie vom Elternhaus entfernt. Dieses konnte Friedrich dann 1940 von einem Neffen mieten und dort mit seiner Frau Bertha und umgeben von geliebten Ziegen sein Alter verbringen.

Friedrich und Bertha Lauber-Dänzer

Berufsanfang

Das (heute nicht mehr existierende) Elternhaus in der Sunnsite-Bodezälg, neben dem Bodenschulhaus gelegen, war einfach und sonnig.

Grundriss Elternhaus Sunnsite-Bodezälg (abgebrochen)

Nach der Schneiderlehre in Belp beginnt Wilhelm selbständig zu schneidern.
Die Stube im Elternhaus dient ihm anfänglich als Atelier.

Leben in der ökonomischen Nische

Und er wirtschaftet offenbar gut, so dass er sich 1948 ein eigenes Haus mit zwei Wohnungen bauen kann, gelegen am alten Wanderweg aufs Kuonisbergli.
Und so ist aus Wilhelm Lauber der Schneider im Boden geworden. Das Wirtschaftsmodell ist nachhaltig. Wieder spielt – neben dem Kleingewerbe – auch der Tourismus mit, diesmal die Parahotellerie: Zum einen bietet Wilhelm in der Boutique im Parterre lokalen Kunden Sonntagsgewänder, halbleinene Hosen und Mutzen für Gesangsvereine an, flickt Kleider.

Wilhelm Lauber und Schwester Berta Lauber

Zum andern sorgt seine Schwester Berta, die mit ihm – und bis 1963 auch mit der Mutter Bertha – im Haus lebt, für die Ferienwohnung, die gut besucht ist. Das Gästebuch zeugt davon, ab und zu poetisch. Und verrät dabei, dass Wilhelm auch als Fremdenführer wirkte.

Aus dem Gästebuch der Ferienwohnung

Etwas mehr als 50 Jahre bewährt sich dieses Lebensmodell der beiden Geschwister bestehend aus lokalem Handwerk, kontinuierlichem Ferienwohnungstourismus und Selbstversorgung aus dem Garten. Umgeben von Blumen und Katzen. Home office der anderen Art – oder doch nicht?

Wilhelm Lauber stirbt Ende 1999, kurz vor dem Lotharsturm; Berta mit 90 Jahren 2003 im Altersheim.

Aus Wilhelm Laubers Schneiderwerkzeugkiste

Zündend

Den vielen Kindern, Frauen und Männern, die in den Frutigtaler Zündholzfabriken (und in Heimarbeit) der Armut etwas entkommen konnten ist mit einem kleinen Museum ein Denkmal gesetzt.

Das Museum ist in der alten Zündhölzlifabrik in Kanderbrück (Zündhölzliweg) in 3714 Frutigen. Eröffnet wird es am 24. Juli 2021 verbunden mit einer Aktionswoche.
-> Mehr dazu auf der Webseite der Kulturgutstiftung Frutigland.

„Die Kulturgutstiftung [Frutigland] hat in Archiven und Bibliotheken umfassend recherchiert, Zeitzeugen befragt und Gegenstände gesammelt. Daraus ist eine Museum und eine Broschüre entstanden. Zu erfahren ist darin, wie sich die Herstellung der Hölzchen verändert hat, wie die Kinderarbeit und gesundheitliche Probleme lange Zeit an der Tagesordnung waren, einzelne Familien die Zündholzindustrie prägten, ein Schwedentrust die meisten Betriebe übernahm und nach und nach schloss. Heute werden noch in der Firma Pyro-Willen Spezialitäten produziert und Handel mit Feuerwerk betrieben.“ Quelle: Kulturstiftung Frutigland

Entstanden ist die Broschüre +Die Zündholzindustrie im Frutigland von Hans Egli und Ruedi Egli..

Radio SRF hat u.a. darauf basierend unter dem Titel „Wie Streichholzfabriken Kinder vergifteten“ am 27.12.2020 eine umfassende Reportage publiziert:

Altes neu erfinden

Seit 1783 steht unterhalb der Dorfstrasse das von Notar Christian Bircher erbaute sogenannte Bircherhaus. Heute im Besitz der Gemeinde und vermietet.

Ins Zentrum von Diskussionen geraten ist es nicht zuletzt wegen der wiederentdeckten geschliffenen Glasscheiben. Diese stammen ebenfalls aus dem Baujahr und sind Geschenke von Freunden an den Bauherrn; deshalb enthalten sie auch die Wappen der Schenkenden.

Schon 2018 haben sie Aufmerksamkeit erregt, als sie – soeben wiederrentdeckt – dem Dorfarchiv an dessen Jubiläumanlasss überreicht wurden. –> EIN JUBILÄUM: 10 JAHRE DORFARCHIV ADELBODEN

Dem Haus hat Jakob Pieren im Heimatbrief 2020 einen umfangreichen Artikel gewidmet. Er beschreibt das Gebäude, dessen Entstehung und eben die Geschichte der teilweise wieder gefundenen Schliffscheiben.

Und Jakob Pieren engagiert sich nicht nur mit einem Artikel, sondern auch mit Vorschlägen und Lobbying für den Erhalt und eine neue Zukunft des Hauses. Seine Vision: „Begegnungszentrum Bircherhaus“:

Die Vision: Begegnungszentrum Bircherhaus

Man könnte das Haus, wenn das bestehende Mietverhältnis einmal endet, (ev. zusammen mit der Scheune) zu einem kleinen, aber schmucken Begegnungszentrum der Gemeinde Adelboden umgestalten.

Hier ein Vorschlag für ein denkbares Raumkonzept (inkl. Lift und durchgehender Rollstuhlgängigkeit):

  • Einbau eines Versammlungsraumes im Dachgeschoss für kleinere Konzerte, Lesungen usw.
  • Lokalitäten für das Dorfarchiv, Umzug oder Erweiterung des Heimatmuseums
  • Raum für kleinere feierliche Anlässe der Gemeinde («Notar Stoller-Stube» mit den in einem Fenster konzentriert eingebauten Schliffscheiben)
  • Kleine Küche für Apéros usw.
  • Haus und Scheune liessen sich unterirdisch untereinander und mit dem Gemeindehaus verbinden. So könnten einerseits Reserveraum für die Gemeindeverwaltung und andererseits wohl auch Synergien für Haustechnik und Unterhalt geschaffen werden.“
    (Heimatbrief Nr. 81, p.38)

Eine rosa Zukunft für das Bircherhaus?

 Ein paar Fragen an Jakob Pieren (JP), Autor des Artikels im Heimatbrief, insbesondere zur Zukunft des Hauses:

13 im Jahr 1783 von Freunden des Bauherrn Bircher gespendete Glasscheiben mit Geschlechterwappen. Lässt sich daraus etwas zur Sozialstruktur Adelbodens in dieser Zeit herausfinden?

JP: Durchaus, schon die reine relativ grosse Anzahl gestifteter Scheiben ist ein Hinweis auf den überdurchschnittlichen Status des Bauherrn Notar Bircher. Aber auch die Scheibenstifter, welche sich doch recht prominent als Gönner auf den Scheiben verewigt haben, zeigten damit auch ihren Wohlstand und Stellung in der Gesellschaft. Weiter geben die Herkunftsorte der Scheiben Hinweise auf das Beziehungsnetz von Bircher. Interessant ist zum Beispiel auch die Tatsache, dass der Dragonerhauptmann und Scheibenstifter Matti aus dem Saanenland eine Schwester des Notars geheiratet hat. Ein weiterer Beweis, dass die Welt auch damals nicht vor dem Dorfeingang aufgehört hat.

Die im Artikel genannte Vision eines Begegnungszentrums ist recht traditionell und umfasst eigentlich nur ein Raumkonzept. Was könnte mit diesen Räumen angestellt, welche Ziele damit verbunden werden? Gibt es dazu Konkreteres?

JP: Wir, das heisst eine kleinere Gruppe von interessierten Leuten mit Bezug zu Adelboden, stehen erst am Anfang dieses Projektes. Im Moment gehen wir davon aus, dass das Haus eine kleine Wohnung mit einem Atelier aufweisen sollte, welche jeweils einem "artist in residence" für einige Wochen/Monate gratis zur Verfügung gestellt werden könnte. Im Obergeschoss sehen wir einen grösseren Raum, der für kleinere Anlässe und Ausstellungen mit einigen Dutzend Sitzplätzen konzipiert werden soll. Dieser Raum könnte auch von Privaten oder Vereinen für Familienfeiern und andere Anlässe gemietet werden. Im Erdgeschoss soll eine Stube als Repräsentationsraum (eventuell mit den wieder eingebauten Schliffscheiben usw) für offizielle Empfänge der Gemeinde usw vorgesehen werden. Im Weiteren sollen Mehrzweckräume oder Werkstätten inkl EDV Erschliessung eine breite Pallette von Anwendungen ermöglichen. Eine kleine Küche, sowie Garderoben und WC Anlagen sowie ein Lift runden das rollstuhlgängige Haus ab.
Neben dem Künstler, der temporär einen kleinen Teil des Hauses bewohnt und am Schluss seines Aufenthalts auch sein Werk präsentiert, sehen wir einheimische und auswärtige Kursanbietende als mögliche Interessenten, die die Mehrzweckräume als Arbeitsräume nutzen könnten und für Unterkunft und Verpflegung der Kursteilnehmenden auf der Infrastruktur des Dorfes basieren.
Grundsätzlich könnte man relativ einfach das Raumvolumen deutlich vergrössern, wenn man a) tiefer in den Untergrund geht und b) die Scheune auch noch einbezieht. Auch eine bauliche Verbindung mit dem unmittelbar daneben stehenden Gemeindehaus wäre denkbar. Im Moment verfolgen wir in unsern Überlegungen diese Möglichkeiten aber noch nicht weiter. Es ist vorgesehen, wenn die Planungen etwas weiter fortgeschritten sind, an die Öffentlichkeit zu gehen und in einem Workshop möglichst auch input aus der breiteren Bevölkerung zu erhalten.

Um Ziele zu verwirklichen, Leben in das Haus zu bringen, braucht es materiell oder ideell beitragende Partnerinnen und Partner. Was müsste für Jung und Alt an attraktiven Angeboten zu Unterhaltung, Lernen, Entwickeln … vorhanden sein? Wer könnte hier gewonnen werden, um dem alten Haus Neues einzuhauchen?

JP: Zum Teil finden sich Antworten dazu schon bei der vorherigen Frage. Wir sehen aber auch die Notwendigkeit eine Organisation zu bilden, die quasi das Haus betreibt, das heisst einerseits für den Unterhalt schaut und besorgt ist, dass die Räume genutzt werden und wenn möglich kein zu grosses Defizit entsteht. Welche Leute wollen sich hier engagieren? Wir wissen es noch nicht und auch nicht wieweit die Gemeindebürger allenfalls dann bereit sein werden an einen Umbau und für den Betrieb zu zahlen.
Es könnte eventuell durchaus sinnvoll sein, das ganze Projekt "etwas höher, vielleicht sogar überregional" aufzuhängen und es als Teil des grösseren Kulturraumes "Berner Oberland" oder zumindest "Frutigland" zu sehen. Das würde dann wahrscheinlich bedeuten, dass man zum Beispiel mit der schon bestehenden Kulturgutstiftung Frutigland zusammengehen sollte und damit den vom swiss chamber music festival und der Organisation TALK kürzlich neu eingeschlagene Weg auch anpeilen sollte. Vielleicht wäre es so einfacher, dann auch Unterstützung vom Kanton und vom Bund für dieses Projekt zu erhalten.
Sehr vieles ist also noch offen und ungewiss. Auch zeitlich gibt es keine Prognosen. Sicher ist nur, dass die Gemeinde Adelboden mit dem Bircherhaus ein kleines Juwel, mitten im Dorf, in einer ausgeschiedenen Zone für öffentliche Nutzung besitzt und daraus, wenn die Zeit da ist, auch etwas Schlaues für die Öffentlichkeit machen sollte.

Soviel zu den Visionen, zu einer noch offenen Zukunft. Und wenn diese Zukunft auch noch so lokal Eingegrenztes betrifft, gilt, was ein amerikanischer Politiker einmal sagte: “ The future is important because that’s where we’re all going“.

Ein klein wenig Fotogeschichte

Die neuste Nummer 01/20 der Berner Zeitschrift für Geschichte gibt nicht nur einen kulturhistorischen Überblick zum Schloss Jegenstorf.

Sie ruft mit einer Rezension auch ein –>hier bereits angezeigtes Fotobuch zu Adelboden in Erinnerung:

Hächler, Stefan, Rezension zu: Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in alten Ansichten. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 82,1 (2020), S. 67f.

Hier ist die Buchbesprechung:

„Rund 80 Jahre Dorfleben und Dorfentwicklung von Adelboden werden im vorliegenden Fotoband anhand von über 210 Schwarz-Weiss-Aufnahmen dokumentiert: Alltagsszenen, Dorffeste, Handwerk und Gewerbe, Dorfansichten, Landschaftsaufnahmen, Winteridyllen, Hotels, Ski- und andere Wintersportarten (Curling, Schlitteln, Bobsleigh, Skijöring, Schlittschuhlaufen, Eishockey), Sommertourismus (Wandern, Bergsteigen, Klettern), Infrastruktur (Strassen- und Brückenbau, öffentlicher Verkehr, Seilbahnen, Skilifte, Gruebi-Bad, Tennisplätze, Eisfelder, Telefon), Militär (v. a. im Zweiten Weltkrieg) und am Schluss eine Reihe von Porträts von (meist nicht identifizierten) Dorfbewohnern. Die datierten Aufnahmen umfassen den Zeitraum von 1884 bis 1964. Nur am Rande sei bemerkt, dass sich unter den Bildern nur sechs Panoramen befinden, für die Klopfenstein schon früh bekannt war.
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war in Adelboden ein Fotogeschäft ansässig. Dessen Inhaber Arnold Stähli verkaufte es 1909 an Emanuel Gyger, einen in Spiez ausgebildeten einheimischen Fotografen. 1914 begann hier Arnold Klopfenstein seine Fotografenlehre, die er in München zum Abschluss brachte. Darauf eröffnete er in Adelboden sein eigenes Fotogeschäft. 1930 konnte er Teilhaber an Gygers Betrieb werden und gab seine eigene Firma auf. «Photo Gyger & Klopfenstein» existierte bis 1959, danach gingen die beiden Fotografendynastien eigene Wege. Die Familie Klopfenstein firmiert seither als «Photo Klopfenstein AG», der Betrieb der Familie Gyger heisst heute «Photoverlag Gyger». Beide sind immer noch in Adelboden ansässig. Die 1959 getroffene Vereinbarung über die Verlagsgebiete (Gyger: Berner Oberland, Klopfenstein: Adelboden und Wallis) gilt bis heute. Auch das gemeinsame Archiv wurde entsprechend aufgeteilt. Soviel kann man dem knappen Anhang von Peter Klopfenstein, Mitinhaber der «Photo Klopfenstein AG» in Adelboden, über die Geschichte und das Fotoarchiv seiner Firma entnehmen. Gegenwärtig umfasst Letzteres gut 300 000 Fotos. Rund 10 000 davon mit Sujets aus Adelboden. Etwa ein Drittel des Archivbestands ist (2018) digitalisiert. Die im zu besprechenden Werk gezeigten Aufnahmen gewähren also nur einen sehr kleinen Einblick in diesen Bestand.


«In erster Linie ist dies ein Bilderbuch», heisst es in der Einleitung. Diesem Anspruch wird das Buch vollkommen gerecht. Zwar sind alle Fotos mit einer kurzen träfen Legende versehen, aber hin und wieder wünscht sich der ortsunkundige und mit der Dorfgeschichte und -entwicklung nicht vertraute Betrachter ein paar erläuternde Hinweise, um die mitunter sehr gelungenen, spannenden Aufnahmen noch mehr als historische Dokumente würdigen zu können. Die Autoren verweisen zu diesem Zweck in der Einleitung auf das Adelbodenbuch (Band 2). Schade, die gedruckte Dorfgeschichte von Adelboden hat der Rezensent nicht zur Verfügung. Deshalb hätte er sich zumindest für einige Bildthemen (Tourismus, Gewerbe, Landwirtschaft, Alltag, Wintersport, Kriegs- und Krisenzeiten) kurze Übersichtstexte gewünscht. Vielleicht hätte auch eine einsichtigere Ordnung der Fotos geholfen, den Gesamtzusammenhang einer illustrierten Dorfgeschichte zu erschliessen. Die lediglich lockere chronologische Bildabfolge hilft da nicht viel weiter, zumal sie nicht konsequent eingehalten wird. So müssen interessierende Aspekte wie die Entwicklung des Skitourismus mühsam erblättert werden, um einen einigermassen kohärenten Eindruck davon zu gewinnen.
Die Informationen in den Legenden mussten, wie im Vorwort erläutert, teilweise aus der Literatur rekonstruiert oder bei «lokalhistorisch bewanderten Einheimischen» eingeholt werden. Leider sind weder die konsultierten Druckwerke noch die einheimischen Informanten (mit einer Ausnahme) aufgeführt. Schade auch, dass die (gemäss Vorwort) wenigen Fotos aus dem Dorfarchiv nicht als solche gekennzeichnet sind. Aber abgesehen davon ist der vorliegende Fotoband tatsächlich ein schönes «Bilderbuch», das den Wert und die Ästhetik dokumentierender Fotografie bestens illustriert.
Stefan Hächler, Bern

Klopfenstein, Peter; Koller, Toni; Bärtschi, Christian: Adelboden in
alten Ansichten.
Thun/Gwatt.• Werd & Weber 2018. 227 S. ISBN 978-3-03818-185-9.

Gerettet in eine neue Ära

Eislaufen und Schwimmen – zwei Aktivitäten, die einfach und meist auch unter freiem Himmel zugänglich sind.

In Adelboden galt dies lange Zeit für das Eislaufen, wo ein Gleiten hin Richtung Lohner ein Genuss war – bis das Eis in die Halle verlegt wurde und nur noch das Restaurant zum Lohner hin blickt.

Für das Schwimmen bleibt das Erlebnis, fast wie hin zum Wildstrubel zu schwimmen. Möglich macht dies das rundum erneuerte Gruebibad, das gleichzeitig eine architektonische Perle ist.

Nach 88 Jahren beginnt am 22. Juni 2019 die neue Ära . Die ganze Geschichte der Gründung und Rettung des Bades beschreiben die Website adelboden.ch sowie eine kurze Broschüre im Detail:

Download der Broschüre unter: diesem Link

Schwarz auf weiss

Die Geschichte Adelbodens – oder wenigstens eines Teils davon – in Bildern erzählt der im Oktober 2018 erschienene Bildband „Adelboden in alten Ansichten“. Und das in 212 ausgesuchten schwarz-weiss Fotos aus der Zeit zwischen 1890 und 1970.

Das Buch ist in und nach der Vernissage in der Alten Taverne Adelboden ausgiebig präsentiert worden.

So ist zu erfahren, dass die 212 Fotos aus dem Archiv der Firma Klopfenstein AG stammen, welches – so der Fotograf Peter Klopfenstein –  heute rund 300’000 Negative, Dias, Rollfilme und auch Skischulaufnahmen umfasst ( Berner Oberländer/Thuner Tagblatt Dienstag, 23.Oktober2018).

“ … Peter Klopfenstein war für die Auswahl verantwortlich, der Journalist Toni Koller und der Lokalchronist Christian Bärtschi ersannen die passenden Bildlegenden. “ Und Adelbodens Gemeindepräsident Daniel von Allmen wusste auch die Antwort, wieso so ein Buch heute Sinn macht:

«Genau das braucht es in der Zeit der Handys und der Selfie-Sticks. Wir Älteren erkennen das eine oder andere aus eigener Erfahrung wieder. Die jüngere Generation erlebt Seite um Seite den Ort und seine Entwicklung. Schön, wenn der Grossvater mit seinem Enkel das Adelboden des vorigen Jahrhunderts durchstreifen kann.» (Frutigländer 23.10.2018)

Wie das Buch entstand und was darin zu sehen ist

Zwei Videos aus der Jungfrauzeitung vom 27. Oktober 2018 illustrieren mit den Autoren Christian Bärtschi und Toni Koller den Entstehungsprozess …

… und geben ein paar kommentierte Beispiele einzelner Bilder

(Die Videos werden direkt von webtv Jungfrauzeitung abgespielt)

Bezugsquelle des Buches:

Adelboden in alten Ansichten Autoren: Peter Klopfenstein, Toni Koller, Christian Bärtschi 228 Seiten, 29,8 . 21,1 cm, gebunden, Hardcover Mit 212 Abbildungen ISBN 978-3-03818-185-9, Fr. 39.– / EUR 30.– erschienen im Werd & Weber Verlag

Klappentext: Adelboden ist ein Dorf der Fotografen: Eine ganze Reihe namhafter Kamerakünstler hat der Ort in den letzten hundert Jahren hervorgebracht. Im Adelbodner Dorfarchiv, vor allem aber im Archiv der Photo Klopfenstein AG, lagert denn auch ein überaus reicher Fundus an Aufnahmen, welche die Geschichte des Kurorts dokumentieren. Eine Auswahl der besten zeigt dieses Buch: Mit Fokus auf der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lässt es Szenen aus Tourismus, Sport, Handwerk und Landwirtschaft wieder aufleben. Der Adelbodner Alltag aus verflossenen Zeiten scheint auf, man staunt über längst verschwundene Hotelpaläste und wird gewahr, welch enorme Entwicklung sich seither zuhinterst im Engstligental zugetragen hat.

Ein Jubiläum: 10 Jahre Dorfarchiv Adelboden

10 Jahre Dorfarchiv Adelboden

Nach zehn Jahren unermüdlichen Engagements darf gefeiert werden. Das Programm für den Jubiläumsanlass ist vielfältig und wird beachtet:

Ab 10 Uhr ermöglichen kleine Workshops einen Einblick in das, was es im Archiv zu tun und zu sehen gibt.
Und dann um 14 Uhr ist es soweit: Liebe Gäste, seid begrüsst.Jakob Pieren macht als Präsident der Stiftung Dorfarchiv die Begrüssung der Gäste im Kirchgemeindehaus Adelboden.

Auch die  Politik ist mit dem Obmann der Gemeinde dabei:

Markus Gempeler überbringt dem Dorfarchiv mit den lange gesuchten, der Gemeinde kürzlich vermachten alten Glasscheiben (Schliffscheiben)  aus dem Bircherhaus ein wertvolles Gut zur Bewahrung.

 

Dann geht es zur (Archiv)Sache. Thomas Schmid vom Burgerarchiv Bern erläutert, was Archive wertvoll macht und welche es landauf landab gibt. Dabei gilt das Adelbodner Dorfarchiv als ganz besonders reichhaltig und sorgfältig geführt.

 

Es bleibt nicht bei Worten. Für musikalische Einlagen sorgt Regula Gerber in drei Einlagen mit je anderen Instrumenten.

Teil 2: Vernissage des Sagenbuchs

Das Jubiläum des Dorfarchivs wird ergänzt durch die Vorstellung des gerade erscheinenden neuen Buches zur Adelbodner Sagenwelt: Sagenhaftes aus Adelboden (erhältlich im Adelbodner Buchhandel).

Christian Bärtschi stellt das Buch vor, mit Beispielen. Das Werk lebt nicht nur von Adelbodner Sagen, sondern auch von Illustrationen des Adelbodner Künsters Björn Zryd.

Björn Zryd mit Toni Koller vor den Illustrationen im Sagenbuch.

 

Adelboden Statistik #2: Stimmbeteiligung

Land vs. Agglos?

Dass die Stimmbeteiligung auf dem Lande stets höher sei als in den Städten und Agglomerationen, ist wohl eher eine Legende.
Ein Blick auf die Stimmbeteiligung bei Volksabstimmungen zwischen 1981 und 2015 zeigt für Adelboden nämlich folgendes Bild: Bei den 291 Abstimmungen dieses Zeitraums beteiligten sich die Adelbodnerinnen und Adelbodner in 46% der Fälle weniger und in 54% der Fälle stärker als der gesamtschweizerische Durchschnitt –  kein eindeutiger Trend in eine Richtung!

snip_Stimmbeteiligung-1981-2015Die Abweichungen bei der Stimmbeteiligung für Adelboden gegenüber dem gesamtschweizerischen Durchschnitt (Volksabstimmungen 1981 bis 2015): 
- In rot nach unten: geringere Beteiligung
- In rot-orange nach oben: höhere Beteiligung
- Blau: Stimmbeteiligung Adelboden
- Gelb: Stimmbeteiligung Gesamtschweiz

 

Wo sind die deutlichsten Abweichungen?

Höhere und tiefere Stimmbeteiligungen

In 12 Abstimmungen (immer zwischen 1981 und 2015) waren die Adelbodner/innen an der Urne stärker vertreten (und zwar 20 bis 28 Prozentpunkte stärker) als der Schweizer Durchschnitt:snip_Stimmbeteiligung Adelboden 1981-2015 höher als Durchschnitt Schweiz

In ebenfalls 12 Abstimmungen (immer zwischen 1981 und 2015) war es aber gerade andersherum: Die Adelbodner/innen waren hier an der Urne schwächer vertreten (und zwar 10  bis 13 Prozentpunkte schwächer) als der Schweizer Durchschnitt. snip_Stimmbeteiligung Adelboden 1981-2015 tiefer als Durchschnitt Schweiz

Dabei fällt auf, dass ihr Fernbleiben weniger stark ausfällt als ihre höhere Teilnahme. Die grösste Differenz in Prozentpunkten ist beim Fernbleiben knapp 13, bei der höheren Teilnahme immerhin fast 28.

Abstimmungsresultate

Neben der Beteiligung interessiert auch, bei welchen Themen und wie stark sich die Adelbodner/innen von der Gesamtschweiz unterscheiden.

Eine klare Feststellung: Sie sind bei Abstimmungen weit häufiger deutlich (das heisst mit mehr als 20 Prozentpunkten) ablehnend (70 Abstimmungen) als zustimmend (14 Abstimmungen).

Adelboden zustimmender als der Schweizer Durchschnitt:

snip_Abstimmungsresultate Adelboden 1981-2015 zustimmender als Durchschnitt Schweiz

 

Adelboden ablehnender als der Schweizer Durchschnitt:

snip_Abstimmungsresultate Adelboden 1981-2015 ablehnender als Durchschnitt Schweiz-1

snip_Abstimmungsresultate Adelboden 1981-2015 ablehnender als Durchschnitt Schweiz-2

snip_Abstimmungsresultate Adelboden 1981-2015 ablehnender als Durchschnitt Schweiz-3

Eine detaillierte Analyse nach Themen ist hier der nächste noch zu leistende Schritt.

Quelle der Abstimmungsdaten:
Bundesamt für Statistik (BFS) – STAT-TAB https://www.pxweb.bfs.admin.ch

Adelboden Statistik #1: Nationalratswahlen

Welche Parteien haben welche Stärke in Adelboden?

Die Resultate der alle 4 Jahre stattfindenden Wahlen zum Nationalrat geben darauf eine Antwort. Wie die folgende Übersicht zeigt, haben sich seit 1975  einige Veränderungen ergeben:

NR-Wahlen-Adelboden-1975-2015

Aufgeführt sind alle Parteien, die zwischen 1975 und 2015 mindestens einmal mehr als zwei Prozent der Stimmen erhielten; dies sind (in der Reihenfolge der Parteistärke 2015):
SVP Schweizerische Volkspartei, bis 1971: Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB).
EDU Eidgenössisch-Demokratische Union
EVP Evangelische Volkspartei der Schweiz
BDP Bürgerlich-Demokratische Partei (2008 von der SVP abgespalten)
FDP Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz. 2009: Fusion von FDP und LPS auf nationaler Ebene unter der Bezeichnung „FDP.Die Liberalen“
SP Sozialdemokratische Partei der Schweiz
GLP Grünliberale Partei (2004 von der GP Zürich abgespalten und 2007 als nationale Partei gegründet)
GPS Grüne Partei der Schweiz
SD Schweizer Demokraten (1961–1990: Nationale Aktion)
FPS Freiheits-Partei der Schweiz (1985–1994: Schweizer Auto-Partei, AP)

Eine der markanten Veränderungen ist der starke Rückgang der SP. Dies hat wohl – wie so oft – ihren Grund in der prägenden Präsenz von einzelnen Persönlichkeiten. Hier des ehemaligen Kurdirektors Fred Rubi, welcher der SP angehörte. Er war von 1966 bis 1973 Gemeinderat in Adelboden, von 1974 bis 1981 Gemeindepräsident und von 1967 bis 1987 Nationalrat. Und gerade 1987 bricht die Parteistärke der SP ein.

Die Daten

NR-Wahlen-Adelboden-1975-2015-Daten

Die Quellen

Die Wahldaten stammen von 1975 bis 2011 aus der interaktiven Applikation STAT-TAB des Bundesamts für Statistik BFS.
https://www.pxweb.bfs.admin.ch/
Cube Nationalratswahlen (Fiktive Wählende und Parteistärke seit 1975)

Die Daten 2015 sind der Website des Kantons Bern entnommen, wobei die zugehörigen Listen der Mutterpartei hinzugerechnet sind.
http://www.sta.be.ch/sta/de/index/wahlen-abstimmungen/wahlen-abstimmungen/wahlen/wahlen_2015.html