Braucht Adelboden ein Kino ?

Aus: Adelbodmer Heimatbriefe, Nummer 12,  1959, Seiten 8-9.

„Braucht Adelboden ein Kino ?

Ja, tönt es aus Kreisen des Gastgewerbes. Wir müssen unsern Gästen etwas bieten, wenn unfreundliches Wetter ihre Stimmung trübt oder die schon bestehenden Vergnügungsstätten ihnen zu wenig Abwechslung bieten. Nein, rufen die Gegner. Ein gewöhnliches Kino wird, – ob freiwillig oder unfreiwillig, – trotz Filmzensur unter anderem auch minderwertige, wenn nicht gar anstößige Filme zeigen, die den Charakter vor allem der Jugendlichen schlecht beeinflussen, ja verderben können.

Im vergangenen Jahre (1958)wurde dem Gemeinderat ein Baubewilligungsgesuch Eur ein Gebäude mit Lichtspielsaal eingereicht. Dreihundert Stimmberechtigte aus allen Schichten der Bevölkerung ersuchten den Gemeinderat um eine ablehnende Stellungnahme. Die Behörde fand aber keinen gesetzlichen Grund, die Baubewilligung zu verweigern, der Regierungsstatthalter auch nicht, wobei eine allfällige Konzessionserteilung ausschliesslich von den Oberbehörden entschieden wurde.

Mehrheitlich sind die Adelbodmer der Ansicht, die Filmvorführungen, wie sie ab und zu im „Kreuz“ geboten werden, dürften vollauf genügen. Sollte es aber dank der in dieser Hinsicht ungenügend eingeschränkten Gewerbefreiheit doch zur Errichtung eines Lichtspielhauses kommen, würden wahrscheinlich die ungenügenden Einnahmen während der Zwischensaison einen regelmäßigen Betrieb nur in der Sommer- und Wintersaison ermoglichen. Es ist nämlich kaum dcnkbar, daß sich in unsern Bergbauern- und Arbeiterfamilien viele Leute fänden, denen man mit einer neuen Vergnügungsstätte das Geld aus der Tasche locken könnte. Hat doch ein halbes Jahrhundert Fremdenverkehr trotz vereinzelter unguter Einflüße viel weniger sittlichen Zerfall gebracht, als seinerzeit befürchtet werden mußte. Wie das zu erklären ist? Ein Hauptgrund ist wohl dieser: Hier lebt seit Jahrzehnten eine ansehnliche Schar gläubiger Christen. Verantwortungsbewußt lehnen diese nach wie vor die Errichtung neuer Vergnügungslokale ab und bekämpfen Leichtsinn und Genußsucht, eingedenk der Bitte: Führe uns nicht in Versuchung!“