Archiv der Kategorie: Modernisierung

Zündend

Den vielen Kindern, Frauen und Männern, die in den Frutigtaler Zündholzfabriken (und in Heimarbeit) der Armut etwas entkommen konnten ist mit einem kleinen Museum ein Denkmal gesetzt.

Das Museum ist in der alten Zündhölzlifabrik in Kanderbrück (Zündhölzliweg) in 3714 Frutigen. Eröffnet wird es am 24. Juli 2021 verbunden mit einer Aktionswoche.
-> Mehr dazu auf der Webseite der Kulturgutstiftung Frutigland.

„Die Kulturgutstiftung [Frutigland] hat in Archiven und Bibliotheken umfassend recherchiert, Zeitzeugen befragt und Gegenstände gesammelt. Daraus ist eine Museum und eine Broschüre entstanden. Zu erfahren ist darin, wie sich die Herstellung der Hölzchen verändert hat, wie die Kinderarbeit und gesundheitliche Probleme lange Zeit an der Tagesordnung waren, einzelne Familien die Zündholzindustrie prägten, ein Schwedentrust die meisten Betriebe übernahm und nach und nach schloss. Heute werden noch in der Firma Pyro-Willen Spezialitäten produziert und Handel mit Feuerwerk betrieben.“ Quelle: Kulturstiftung Frutigland

Entstanden ist die Broschüre +Die Zündholzindustrie im Frutigland von Hans Egli und Ruedi Egli..

Radio SRF hat u.a. darauf basierend unter dem Titel „Wie Streichholzfabriken Kinder vergifteten“ am 27.12.2020 eine umfassende Reportage publiziert:

Gerettet in eine neue Ära

Eislaufen und Schwimmen – zwei Aktivitäten, die einfach und meist auch unter freiem Himmel zugänglich sind.

In Adelboden galt dies lange Zeit für das Eislaufen, wo ein Gleiten hin Richtung Lohner ein Genuss war – bis das Eis in die Halle verlegt wurde und nur noch das Restaurant zum Lohner hin blickt.

Für das Schwimmen bleibt das Erlebnis, fast wie hin zum Wildstrubel zu schwimmen. Möglich macht dies das rundum erneuerte Gruebibad, das gleichzeitig eine architektonische Perle ist.

Nach 88 Jahren beginnt am 22. Juni 2019 die neue Ära . Die ganze Geschichte der Gründung und Rettung des Bades beschreiben die Website adelboden.ch sowie eine kurze Broschüre im Detail:

Download der Broschüre unter: diesem Link

Adelboden – bücher – premiere

Bibliotheken

sind Wissensspeicher, mit vornehmlich physischen Datenträgern, ziemlich dezentral gelegen, aber nicht von überall und jederzeit erreichbar und mit einem upload-Filter (europaweit im März 2019 wegen des neuen Urheberrechts heftig diskutiert).

Das Internet

ist auch ein Wissensspeicher, digital aufgestellt, dezentral und von überall und jedererzeit erreichbar, (noch) ohne upload-Filter.

Und öffentliche Bücherschränke?

Diese sind ebenfalls Wissenspeicher, mit physischen Datenträgern, dezentral gelegen, nicht von überall aber jederzeit erreichbar und ohne (?) upload-Filter.

Damit sind sie fast ein „physisches Internet“ und immer für Überraschungen gut.

Primeur in der Telefonzelle

Und diese Überraschung kommt nun auch nach Adelboden. Am Wendeplatz im Ortsteil Boden entsteht Ende April 2019 der erste lokale, öffentlich zugängliche Bücherschrank. Die ausrangierte Swisscom-Telefonzelle ist der ideale Ort für Witterungsschutz und Aufbewahrung.

Gut geschützt und diverse Infrastruktur in der nächsten Umgebung

Die Bedienungsanleitung ist denkbar einfach: 3 Wörter „Riiche und Bringä“.


Aber damit nicht genug

Es gibt in diesem Dorf auch den öffentliche Sesselbaum … da, wo alle sich einen Stuhl zum Ausruhen und Geniessen der Aussicht behändigen können.

Die Orte

Abstimmungsrezept

Die Resultate einer Abstimmung sollen für jede Gemeinde schön individuell und versehen mit Worten präsentiert werden?
Eine mehr als zweitausendfache Aufgabe, die Tage dauert. Es sei denn man rufe einen Textroboter zu Hilfe.

Und das geht dann so:

Man nehme eine Tabelle, etwa die zur Selbstbestimmungsinitiative,

aber im Format csv:
Adelboden;2’668;1’507;56.5;22;0;1’485;865;620;58.2

Dann bereite man für verschiedene, aber wohldefinierte  Fälle Textschnippsel vor.

Und das alles schütte man in ein Computerprogramm, das zudem noch ein paar Wahlmöglichkeiten offeriert, wie Name der Gemeinde oder eigene Abstimmungspräferenzen.

Und fertig ist das Werk, 2222-fach und quasi augenblicklich.

So geschehen bei der Volksabstimmung vom 25.11.2018 durch den Textroboter der Tamedia mit dem niedlichen (verniedlichenden) Namen Tobi.

Und das sagt er zu den Resultaten Adelbodens:

Wenn ich angebe, gleicher Meinung wie die Adelbodner Mehrheit zu sein, beginnt er etwas anders:

Und wenn ich ganz anderer Meinung zu sein anngebe, tröstet er mich (sprachlich nicht ganz korrekt) mit diesem Anfang und fährt dann weiter wie zuvor:

Tamedias Tobi

Publiziert haben der Tagesanzeiger und weitere aus der Tamediagruppe diese Texte noch am Abstimmungssonntag:

Und dort ist auch ganz kurz die Arbeitsweise von Tobi beschrieben.

Tobi or not Tobi …

Die Konsequenzen, welche  diese – nicht erstmals angewandte – Automatisierung im Journalismus haben wird, dürften nicht ganz harmlos sein. Mehr Zeit für vertieften Journalismus oder weniger Journalistinnen und Journalisten?

Mehr dazu auch hier und hier.

Adelbodner Schulen 1799

Die Helvetische Republik und die Statistik

Die Helvetische Rpublik (12.4.1798 bis 10.3.1803) war als Ablöserin der alten Eidgenossenschaft zwar von kurzer Dauer, aber reich an Aktivitäten der Modernisierung.

snip_kantone-1799

Statistiken waren eine zentrale Grundlage für die Politik:
„Die breit angelegten statist. Erhebungen, welche die Zentralbehörden in den verschiedensten Lebensbereichen durchführten, sollten die Grundlagen für eine rationale Gestaltung der Helvetische Rpublik liefern. Am 21.10.1798 leitete Innenminister Albrecht Rengger die erste gesamtschweiz. Volkszählung in die Wege. Bekannt sind auch die Pfarrer- und die Schulenqueten Philipp Albert Stapfers vom Febr. 1799.“  ……  „Auf keinem Gebiet unternahm die Helvetische Rpublik so grosse Anstrengungen wie auf demjenigen des Erziehungswesens. Für Philipp Albert Stapfer, den Minister der Künste und Wissenschaften, führten Bildung und Erziehung zur ethischen Vervollkommnung des Menschen. Stapfer wandelte die Schule von einer kirchl. in eine staatl. Einrichtung um. Gestützt auf einen Regierungsbeschluss vom 24.7.1798 übernahm in jedem Kanton ein achtköpfiger Erziehungsrat die Aufsicht über das Schulwesen. Der von einem umfassenden Erziehungsplan begleitete Gesetzesentwurf zur Umgestaltung der Volksschule wurde im Parlament schleppend behandelt und verwässert. Erst am 4.-6.12.1800 sollte die Exekutive die Einrichtung von Elementarschulen in den Gemeinden und die allgem. Schulpflicht in den Wintermonaten dekretieren. Von den Projekten für Lehrerseminare zur Verbesserung der Lehrerbildung waren die wenigsten von Erfolg gekrönt. Die polit. Volksaufklärung lag in den Händen des im Nov. 1798 geschaffenen Bureaus für National-Kultur, das Heinrich Zschokke leitete.“
Aus Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Helvetische Republik, http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D9797.php

Projekt Stapferenquete

Die Stapferenquete zu den Schulen ist in einem umfassenden Projekt erforscht und in einer auf modernsten Techniken basierenen Webseite präsentiert worden.

snip_Stapferenquete„Das Projekt (Laufzeit 2009-2015) diente der Edition und der Erforschung der sogenannten Stapfer-Enquête, einer Umfrage zur Schulsituaion in der Helvetischen Republik aus dem Jahr 1799. Diese Umfrage geht auf die Initiative des Erziehungsministers der Helvetischen Republik (1798-1803) Philipp Albert Stapfer (1766-1840) zurück, der die Schulpolitik der 1798 ausgerufenen Republik auf „hard facts“ bauen wollte und deswegen einen standardisierten Fragebogen mit rund 60 Fragen entwarf, die von den Lehrern (und wenigen Lehrerinnen) der damaligen Schweiz ausgefüllt wurde. … Die Erhebung besteht aus vier Teilen; gefragt wird nach den Lokalverhältnissen, dem Unterricht, den Personalverhältnissen und den ökonomischen Verhältnissen … . Von dieser Umfrage liegen über 2400 Antwortbögen und somit umfangreiche, ergiebige und spannende Quellen vor.“ (Der Fragebogen: http://www.stapferenquete.ch/db/browse/fragen).
Daniel Tröhler, Heinrich R. Schmidt, http://www.stapferenquete.ch/projekt

Die vier Schulen in Adelboden

Wie die Schulverhältnisse 1799 in Adelboden aussahen, das lässt sich spannend in der Datenbank des Projekts verfolgen.

Es gab 1799 in Adelboden vier Schulen: Boden, Hirzboden, Schwand, und Stigelschwand mit etwas mehr als 260 Schulkindern.

Der Schulweg

Erfragt wurde, wie viele der zum Schulbezirk gehörigen Häuser wie weit – in Vietelstunden gemessen – vom jeweiligen Schulhaus (welches der Lehrer selber zu stellen hatte) entfernt waren.
Am meisten Häuser  (119) und bis zu einer Entfernung von einer Stunde meldete der Schulbezirk Schwand. Die übrigen Bezirke hatten zwischen 26 und 28 oder mehr Häuser. Dabei ist nicht klar, ob in allen auch Schulkinder lebten. Bei allen aber wird darauf hingewiesen, dass „in rauhen Zeiten und vielen Schnees die Kinder noch einmal so lang zu gehen haben — oder gar nicht gehen mögen“. Denn meistens wurde die Schule vor allem im Winter gehalten, im Sommer wenig, weil „viele an den Bergen oder sonst weiter entfernt sind“.

Der Schulstoff

In allen Schulen ist der Schulstoff der gleiche: „Lesen, Singen, Schreiben … auch ausswendig den Catechismuss, die schönen Psalmen Davids, die Psalter, Historien Capitel aus dem neuen Testament“, und das je „nach deme ein Kind mit Viel oder wenig gaaben von Gott dem Allmächtigen beschenket ist“.

Das Lehrerprofil

Bestellt wurden die Schulmeister (es gab aauch Frauen, so z.B. n ) „nebst jeweiligem Pfarrer“ durch das „Ehemalige Gricht und Chorgricht, nach deme ein Examen mit solchen Vorgenomen worden ist“.

Boden

60 Schüler, 32 Knaben und 28 Mädchen.

  • Lehrer Stephan Hager, 33jährig, aus dem gleichen „Flecken des Schuls Bezirks“ stammend, kinderlos verheiratet.
  • 10 Jahre im Beruf, „nicht als Bauren beruff“, daneben „Bauren Verrichung weil er nicht zum faulenzen geneigt ist“.
Hirzboden

60 Kinder in der Schule, 38 Knaben, 22 Töchter, „im Sommer aber weniger weil Viel am berg und ab Örtern wohnen und also den Kleinen Zu weit ist“.

  • Lehrer Christen Josi, 49jährig, aus „dem borth als nebend fleck diss Schulbezirks“ stammend, verheiratet und 5 Kinder.
  • Seit drei Jahren im Beruf, selbst Bauer und noch daneben als Bauer tätig.
Schwand

Etwa 98 Kinder, 51 Knaben und 41 Mädchen, im Sommer weniger.

  • Lehrer Christian Ällig, 44jährig, „Vom Flecken Jnnerschwand“, verheiratet und zwei Kinder.
  • Seit drei Jahren Lehrer und „Vor etlich Jahren auch etlich Jahr“ , von Beruf „Bauren.., Corrichter, Sekeler, und Vor einer Zeit auch Schulmeister“. Daneben „Bauren Verrichtung und an der Municipalitet“.
Stigelschwand

50 Kinder, 27 Knaben, 23 Mädchen, im Sommer aber weniger.

  • Peter Pieren, 27jährig, „vom Hauptfleck steigelschwand“, kinderlos verheiratet.
  • Seit drei Jahren Lehrer, vormals „nichts als Beuren beruff“ und daneben „Bauren Verrichtung und an der Munizibalität“.

Noch viel mehr zu den einzelnen Schulbezirken in der Datenbank

Bode. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1380: Bode, [http://www.stapferenquete.ch/db/1380].

Hirzboden. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1384: Hirzboden, [http://www.stapferenquete.ch/db/1384].

Schwand. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1382: Schwand, [http://www.stapferenquete.ch/db/1382].

Stigelschwand. Schmidt, H.R. / Messerli, A. / Osterwalder, F. / Tröhler, D. (Hgg.), Die Stapfer-Enquête. Edition der helvetischen Schulumfrage von 1799, Bern 2015, Nr. 1385: Stigelschwand, [http://www.stapferenquete.ch/db/1385].

Braucht Adelboden ein Kino ?

Aus: Adelbodmer Heimatbriefe, Nummer 12,  1959, Seiten 8-9.

„Braucht Adelboden ein Kino ?

Ja, tönt es aus Kreisen des Gastgewerbes. Wir müssen unsern Gästen etwas bieten, wenn unfreundliches Wetter ihre Stimmung trübt oder die schon bestehenden Vergnügungsstätten ihnen zu wenig Abwechslung bieten. Nein, rufen die Gegner. Ein gewöhnliches Kino wird, – ob freiwillig oder unfreiwillig, – trotz Filmzensur unter anderem auch minderwertige, wenn nicht gar anstößige Filme zeigen, die den Charakter vor allem der Jugendlichen schlecht beeinflussen, ja verderben können.

Im vergangenen Jahre (1958)wurde dem Gemeinderat ein Baubewilligungsgesuch Eur ein Gebäude mit Lichtspielsaal eingereicht. Dreihundert Stimmberechtigte aus allen Schichten der Bevölkerung ersuchten den Gemeinderat um eine ablehnende Stellungnahme. Die Behörde fand aber keinen gesetzlichen Grund, die Baubewilligung zu verweigern, der Regierungsstatthalter auch nicht, wobei eine allfällige Konzessionserteilung ausschliesslich von den Oberbehörden entschieden wurde.

Mehrheitlich sind die Adelbodmer der Ansicht, die Filmvorführungen, wie sie ab und zu im „Kreuz“ geboten werden, dürften vollauf genügen. Sollte es aber dank der in dieser Hinsicht ungenügend eingeschränkten Gewerbefreiheit doch zur Errichtung eines Lichtspielhauses kommen, würden wahrscheinlich die ungenügenden Einnahmen während der Zwischensaison einen regelmäßigen Betrieb nur in der Sommer- und Wintersaison ermoglichen. Es ist nämlich kaum dcnkbar, daß sich in unsern Bergbauern- und Arbeiterfamilien viele Leute fänden, denen man mit einer neuen Vergnügungsstätte das Geld aus der Tasche locken könnte. Hat doch ein halbes Jahrhundert Fremdenverkehr trotz vereinzelter unguter Einflüße viel weniger sittlichen Zerfall gebracht, als seinerzeit befürchtet werden mußte. Wie das zu erklären ist? Ein Hauptgrund ist wohl dieser: Hier lebt seit Jahrzehnten eine ansehnliche Schar gläubiger Christen. Verantwortungsbewußt lehnen diese nach wie vor die Errichtung neuer Vergnügungslokale ab und bekämpfen Leichtsinn und Genußsucht, eingedenk der Bitte: Führe uns nicht in Versuchung!“