Spinnen Spinnen oben anders?

Es ist kaum anzunehmen, dass Spinnen ihre Netze nach lokal anderen Mustern spinnen. Was aber mit Sicherheit feststeht: Dass sie in kürzester Zeit Fäden hundertemale länger als sie selbst weben und dies in ebenso effzienten wie kunstvollen Mustern.

Wie hier zwischen zwei Fensterläden und dies mit dem sicheren Instinkt, dass Insekten gerne ins Haus fliegen, weil es dort oft wärmer ist und vor allem einiges an Nahrung bereitsteht. Hut ab!

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Tristen

Früher sah man sie oft, dann verschwanden sie, und nun trifft man sie wieder häufiger an: die Tristen, eine kunstvolle Art, Heu in der Natur zu lagern.

Auch hier gibt es einen kleinen Einblick in Tristen in und um Adelboden.

Hier Exemplare von Tristen in Adelboden
sommers und winters:

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Und so werden sie gebaut:

snip_tristenbauauch: https://www.stiftungswo.ch/tristenbau-im-chruzi/

Wörter, Wörter ..

Der Heimatbrief (hier die Nr.75, p. 43) bringt immer wieder Hinweise auf wenig bekannte lokale Wörter, z.B. aus dem Umfeld des Alp- und Weidewesens:

Der Raaghubel

Raaghubel (rn) kleine Bodenerhebung, v.a. in den Lägern (Alp), auf der hartes Gras wächst, das von den Kühen nicht gefressen wird.
Entsteht an Stellen, an denen Kuhdung auf dem Boden liegen geblieben ist.
(Kobi Burn, 3.10.13)

Als 30’000 Kubikmeter zu Tale stürzten

30 000 Kubikmeter Fels stürzten bei der Engstligenalp in die Tiefe

ADELBODEN lEin mächtiger Felssturz hat sich am Dienstag (18.7.2000) am Bündihorn ereignet: 30 000 Kubikmeter Gestein donnerten 500 Meter in die Tiefe, füllten die Schlucht des Artelenbachs und hüllten die Talstation der Luftseilbahn Engstligenalp in eine Staubwolke.

Lb. Der Felssturz hatte sich bereits am Dienstag in der Früh angekündigt: Um 6 Uhr morgens lösten sich rund 100 Meter unter dem Gipfel des Bündihoms, das den Talkessel von Adelboden zur Alp Hinterengsüigen abschliesst, die ersten Felsbrocken und donnerten zu Tai. Vier Stunden spater folgte dann die grosse Gesteinsmasse: Rund 30000 Kubikmeter Fels brachen auf einer Höhe zwischen 1800 und 1900 Meter über Meer ab und stürzten ins Tobel des Ärtelenbachs, wo sie auf 1400 Metern über Meer einen mächtigen Schuttkegel bildeten. Eine braune Staubwolke nebelte den ganzen Talkessel Unter Birg ein, wo sich die Talstation der Luftseilbahn Engstligenalp befindet.
«Schwarze Nacht»
«Einen Moment lang glaubte ich, jetzt sei es fertig», sagte Walter Brügger, der als Kabinenführer der Luftseilbahn eben zwischen Berg- und Talstation unterwegs war. Unmittelbar vor ihm schien die Felswand mit ungeheuerlichem Getöse ins Tal zu kippen.
«Es wurde einen Moment lang schwarze Nacht», erzählte er. Im Weiterfahren sei die Kabine der Staubwolke zunächst entkommen, dann habe aber die braune Staubwand auch die Talstation erreicht. Die Autos auf dem Parkplatz der Bahn sowie die Gebäude wurden mit einer zentimeterdicken Staubschicht überdeckt.
Keine Menschen betroffen
Unmittelbar nach dem Felssturz rückte der Obmann der SAC-Rettungsstation Adelboden, Kantonspohzist und Bergführer Bernhard Bühler, zusammen mit einem zweiten Bergführer aus, um Nachschau zu halten, ob Personen betroffen seien. Es zeigte sich, dass Wanderer, die auf dem Weg via Wasserfall zur Engstligenalp aufstiegen, nicht in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Die Wanderwege nach Engstligenalp und Hinterengstligen, die vorsichtshalber sofort gesperrt worden waren, konnten bereits am Dienstag wieder freigegeben werden, da sie nicht im direkten Gefahrenbereich liegen. Nur der Weg zum Brätliplatz Unter Birg bleibe vorerst weiterhin gesperrt, sagte gestern Bernhard Bühler. Beschädigt wurde die Wasserversorgung für die beiden Restaurants bei der Talstation der Luftseilbahn.
Der Führungsstab der Gemeinde Adelboden werde nun zusammen mit dem kantonalen Amt für Naturgefahren die Abbruchstelle beurteilen, sagte gestern Gemeindeschreiber Alfred Inniger. Dabei werde sich zeigen, ob Massnahmen nötig würden. Ein besonderes Augenmerk müsse dem Abfluss des Ärtelenbachs gelten, damit bei schweren Gewittern nicht eine Schuttlawine in Bewegung komme. Inniger sieht als unmittelbaren Auslöser des Felssturzes die schweren Niederschläge der letzten Woche, verbunden mit einem Temperatursturz. Da sei Wasser in den Felsspalten gefroren, «das hat Sprengwirkung».
Nicht zum ersten Mal hat sich in Adelboden ein Felssturz ereignet: 1990 lösten sich am Nünihorn, 1994 am Mittaghorn ähnlich grosse Felsmassen und donnerten zu Tal, ohne jedoch Opfer zu fordern.

aus: Der Bund, 20.Juli 2000, p. 23

An diesem Morgen arbeitete ich im Garten, in der Nähe des Wendeplatzes. Nicht der Staub des Felssturzes, sondern das Geräusch liess mich aufhorchen. Aber an Ausserordentliches dachte ich nicht, tönte es doch zuerst ziemlich „normal“, nämlich wie einer der üblich Überflüge eines Militärjets. Das Signalhorn der Ambulanz und der aufsteigende Staub unter dem Birg belehrte mich dann eines besseren. (AG)

Foto AG, 5.4.2011

Hochgewitter auf der Alp, 1901

Hochgewitter auf der Alp

Ein Erlebnis am 11. August 1901
Das Bonderkummi ist ein Bergkessel mittlerer Grösse mit zwei kleinen Schattställen, die Raum bieten für gut 20 Stück Grossvieh. Auf zwei Seiten, rechts und in der Mitte, erheben sich die Flühe des Gross- und Kleinlonners. Besonders die gewaltige Bastion des Nünihorns rechts aussen wirkt schier gefahrdrohend auf den Wanderer, der den mühsamen Weg hinaufsteigt. Zur Linken aber steigt ein breiter Grasbändel, bewachsen mit herrlichen Alpenkräutern bald stärker, bald weniger steil bis ziemlich auf die Bonderspitze. Das Bonderkummi wird anfangs August mit Vieh besetzt bis anfangs September, wo dann oft genug Frostwetter und Schneefälle zur Abfahrt zwingen. Wunderschön bei klarem Wetter, wo man übers Hahnenmoos bis an die Waadtländerberge (Tornettaz) sieht, kein Schleck aber, bei dichtem Nebel oder Schneegestöber dort das Vieh zu hüten oder wenigstens zu beaufsichtigen. Ein Zaun ist da nicht, und leicht könnten unbeaufsichtigte Tiere über Grasbändel sich zu weit hinauswagen und hinunterstürzen.

So zügelten wir denn am 10. August, einem Samstag, von den Sennhütten der Bonderalp hinauf. Die frische Milch musste aber in Brenten hinuntergetragen werden zu den Alphütten zur Verarbeitung. Denn nach Bergrecht muss jeder Senn den ganzen Sommer in derselben Hütte käsen. Heiss war’s, die Sonne brannte, und am Nachmittag gab es ein heftiges Gewitter, aber nicht gar lang. Der Sonntagmorgen war wieder klar, schwül wurde es um Mittag, bald lagen Schatten um uns. Wir liessen die Kühe im frischen hohen Grase weiden, bis es zu donnern anfing. Langsam trieben wir sie den Ställen zu, während von fernher unaufhörlich der Donner rollte. Aber die Melker waren noch nicht wieder da. Sie hatten am Morgen nach dem Melken die Milch hinuntergetragen. So waren wir, ein Schärlein Kinder, allein bei den Kühen. Zwar war das Älteste von uns 17 Jahre alt, ein couragiertes, anstelliges Mädchen, aber wir andern kleine Schulbuben, mein Bruder Hans nicht einmal das.
Kaum haben wir das Vieh bei den Ställen, nicht darin, fallen die Hagelsteine schon massenhaft. Wir bringen in der einen Hütte noch das meiste Vieh ein, aber nun fällt der Regen wie aus Kübeln. Schon ganz durchnässt flüchten wir dem Vieh nach in den Stall, die andern Tiere ihrem Schicksal einstweilen überlassend. Zum Glück tobt kein Sturmwind, aber abwechselnd prasselt der Hagel nieder, und der Regen klatscht vom Boden wieder in die Höhe. Was werden die draussengebliebenen Kühe, ihrer neun oder zehn, machen? Einmal nachsehen sollten wir. Zwei von uns springen in das Wetter. Aber vor dem Stall, in den die Kühe sollten, kommt ein grosser wüster Bach, schwarzbraun mit Schlamm. Wir kommen nicht mehr zur Stalltüre ohne zu waten, was nicht ratsam ist. Die Kühe aber stehen im Gras wie die Prellböcke, den Kopf gesenkt, den Rücken ein wenig hochgezogen, ohne zu grasen. Sie stehen lassen und zurückspringen in den andern Stall ist eins. Da sind wir alle, es tropft uns aus den Kleidern, bald zittern einige vor Frost, andere aus Furcht; denn noch immer rollt der Donner, ja, bald kommt dazu ein Tosen von der Alp herauf bis zu uns. Was soll das Tosen? Noch immer müssen wir uns still verhalten.

Nach einer Stunde endlich lässt der Regen etwas nach. Da sehen wir hinunter auf die Alp, wo sich über das Grubi, – ein schönes Stück Weideland, – ein schwarzbrauner Strom ergiesst. Steine, Erde, Schlamm, alles gleitet über die Weide hinunter, findet endlich im tiefen Einschnitt unten am Berg seinen Weg und fährt nun mit füchterlichem Getöse ins Bondertal, unterwegs bald fortreissend, was nicht felsenfest ist, oder dann überschwemmend, wo der Graben nicht tief genug ist.
Endlich kommen die Melker von der Alp herauf. Sie mussten zuerst den grössten Morast über den Berg hinunter rinnen lassen, ehe sie einen Weg fanden zu uns. Noch manches Jahr hernach mussten an den alljährlichen Raumwerken im Grubi Schutt und Steine geräumt werden, die von jener Überschwemmung herrührten. Wir atmeten auf, als Vater erschien und uns, sobald der Regen nachliess, zur Alphütte hinunter schickte, um Kleider zu wechseln.
„Es hat an andern Orten auch wüstgetan“, sagte der Vater ein paar Tage später zu uns, als er vom Tale herauf den „Gschäfter“ (Geschäftsblatt) erhielt und alle die Hiobsbotschaften vom 11. August las. Als ich eine Woche nachher ins Tal musste, um Proviant zu holen, hatte der Kühbach im Hirzboden verschiedenes geändert in seinem Bachbett, dass man ihn kaum überschreiten konnte. Andere Bäche hatten ihr Bett zu eng gefunden und Wiesen mit Geröll und Schlamm übertragen. Am ärgsten hatte der Marchbach gehaust, der ein Stück Strasse fortgerissen und der Entschligen soviel Schutt zugeführt hatte, dass diese ihn nicht fortzuschaffen vermochte, sich staute und eine Brücke unter Wasser setzte, dass sie nicht mehr passierbar war. Auf der Otternalp war damals ein Rind in einen Bach gesprungen, war zwei Kilometer weit hinuntergespült worden und kurz vor der Einmündung in die Entschligen als Kadaver geblieben.
Viele Gewitter sind seither über Adelbodens Berge gebraust, am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist mir aber jenes vom 11. August 1901, wo wir kleinen Schulbuben einen solchen Wolkenbruch erlebten.
Von den fünf Kindern, die wir damals da oben waren, leben heute noch drei, mein Bruder und ich und Frau Schranz-Kurzen in Gsteig bei Saanen. Samuel Kurzen ist vor einigen Jahren verstorben und Abraham Schranz schon 1915 als Soldat in den Walliserbergen im Grenzdienst.
Von meiner Jugend an glaubte ich an Gottes gnädige Bewahrung. Sollte ich jetzt etwa anfangen zu zweifeln, wo er mich ein Menschenalter hindurch geleitet und bewahrt hat mitsamt den Meinen, die er mir schenkte?

Peter Klopfensteln, Oberwll i. S.

Heimatbrief Nr. 17, April 1962

Adelboden: Gefahren und Risiken

Aus dem neuen Risikobericht „Naturgefahrenmanagement Adelboden“ (JAnuar 2009):

“ Die Gefahrenkarte für die Gemeinde Adelboden liegt seit dem Jahr 2003 vor. Sie zeigt, dass viele Objekte in Gefahrenbereichen liegen. Um nicht nur die Gefahren, sondern auch die damit verbundenen Risiken (zu erwartende Sach- und Personenschäden in Frankenwerten) zu kennen, ist eine Risikoanalyse notwendig. …..  
Die Risikoanalyse wurde für die Prozesse Überflutung/Übersarung und Murgang, Sturzgefahren, Hangmuren und Lawinen durchgeführt.  …. 
Die Risikoanalyse zeigt klar, dass die Hauptrisiken in Adelboden von den Wassergefahren ausgehen. Die im gesamten Projektperimeter aufsummierten Risiken (zu erwartende Sach- und Personenschäden pro Jahr) betragen für die Wassergefahren rund 1 Mio. CHF, für die Hangmuren rund 400’000 CHF und für die Sturz- und Lawinenprozesse je rund 50’000 CHF pro Jahr. Der Anteil der Personenrisiken ist je nach Prozess unterschiedlich. Am grössten ist er bei den Lawinenprozessen (75 %), gefolgt von den Sturzprozessen mit 70%. Deutlich geringer sind die Anteile der Personenschäden bei den Wasserprozessen (27%) und bei den Hangmuren (14%).

Das Massnahmenspektrum ist naturgemäss breit und prozessabhängig:

Für die Wassergefahren stehen insbesondere für den Uelisgraben und den Schrenzigraben ein Geschieberückhalt an geeigneter Stelle und ein begleitender Gerinneausbau im Vordergrund.

Bei den Sturzprozessen sind grössere Verbauungen mit Steinschlagschutznetzen die zweckmässigste und günstigste Lösung. Damit kann das Risiko massiv reduziert werden.

Bei den Hangmuren, die weite Teile des Perimeters betreffen, sind integrale Massnahmen aus heutiger Sicht schwierig zu realisieren. Im Vordergrund stehen Objektschutzmassnahmen für die am meisten gefährdeten Objekte. Konkrete Massnahmen müssen am jeweiligen Standort beurteilt werden.

Bei den Lawinen wurden seit den 1950er Jahren grosse Anstrengungen zur Risikoreduktion unternommen. Die bestehenden Schutzdefizite beim 300-jährlichen Ereignis können durch vorsorgliche organisatorische Massnahmen (temporäre Evakuationen in Zeiten akuter Lawinengefahr) auf ein tolerierbares Restrisiko (vor allem Sachwerte) reduziert werden. Somit besteht bezüglich Lawinenschutzmassnahmen kaum Handlungsbedarf.“

Mehr dazu (Auszug aus dem hier zitierten Bericht und Karten) finden sich unter www.3715.ch

Der Perimeter des Untersuchungsgebietes:

gefahrenkarte-adelboden