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Fremdsprache

Kaum zu glauben, aber wahr: Je weiter in die Täler hinein, umso schwieriger scheinen die Dialekte im Schweizer Mittelland verständlich zu sein.
Ein Beispiel? Die NZZ am Sonntag bringt eines in der Ausgabe vom 4.10.2020:

Jürg Grossen, Exot, wird seinerseits trotz einfacher Sprache gar nicht verstanden. Der Chef der Grünliberalen machte am Freitag zur Ankündigung seines «Arena»-Auftritts ein Kurzvideo. Darin sagte er in singendem Frutigländer Dialekt, der Rahmenvertrag sei der entscheidende «Buuschti» für die Europapolitik. «Arena»-Moderator Sandro Brotz aus little big Zurich verstand Grossen indes nicht richtig. Er machte aus dem soliden Berner Oberländer Baustein einen zürcherisch-hippen «Booster». Wir lernen: Zu einfach ist auch wieder schwierig.“

Dass dies keine Überraschung ist, kann im Beitrag von Franziska Zimmermann im soeben erschienenen neuen Heimatbrief Nr. 81 nachgelesen werden. Hier ein paar Auszüge aus dem Artikel für eine erste Erklärung:

“ «Un es verzennt mich hüt nuch z’gah, i ds Entschligtal embruehi.»
Dies sind die ersten zwei Zeilen aus dem «Lied aus Adelboden» von Jakob Aellig … .

Später habe ich zwei Strophen dieses Liedes im Rahmen eines Referats vorgetragen und dabei festgestellt, dass die zumeist Berndeutsch sprechenden Zuhörer den Adelbodner Dialekt nicht verstanden haben, obwohl er eine Variation des Berndeutschen ist. Welche Besonderheiten muss dieser Dialekt also aufweisen, dass er bereits im Berner Mittelland so schwer zu verstehen ist?  ….

Aber wo genau liegen jetzt die Besonderheiten des Adelbodner Dialekts? Im Adelbodner Dialekt weisen vor allem Aussprache, insbesondere die Aussprache der Vokale, sowie Wörter, Redensarten, Namen und Sprachmelodie einige Auffälligkeiten auf. …

Eine … Besonderheit des Adelbodnerischen ist die besonders melodiöse Sprechweise. Dieser Tonfall kommt unter anderem durch die einfache Aussprache der Doppelkonsonanten l, m und n zwischen den Vokalen zustande. Dazu folgendes Beispiel aus den «Oberländer Mundarten»: I ha wele warte, wil i gsinet ha, du cheemischt no. …

Es scheint … nicht nur die Aussprache zu sein, die den Adelbodner Dialekt schwer verständlich, aber auch einzigartig macht, sondern auch die Wörter. … “
Ein paar Beispiele liefert Franziska Zimmermann sogleich:
„Chällermoera (Ungeziefer, Kellerassel), Juzbächer (spasshaft für Nachttopf), Pätsch (grosse Menge), tschuble (an den Haaren ziehen), üwéeg (schlecht passierbar, unpraktisch, Gegenteil von lieb), Tuttel (gutmütiger Mensch), Weschi (ungezogener Junge), Tschabi (jemand, der zwei linke Hände hat).“

Das – in wenigen Ausschnitten des Artikels – eine kurze Übersicht zum Thema Adelbodetütsch als „Fremdsprache“.
Mehr erfährt man im Artikel oder in der Originalarbeit der Autorin, die im Dorfarchiv eingesehen werden könne.
Im Verzeichnis des Dorfarchivs (Stand 14.2.2018) findet sie sich noch nicht, aber eine direkte Anfrage dürfte Interessierte zum Ziel führen..