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Kuonisbergli Einst und jetzt

Es ist vorbei. Es war ruhig, ohne grossen Rummel in Festzelten und auf der Bühne, würdig und wie immer spannend: Die Skirennen am Kuonisberg vom 8. bis 10. Januar 2021 – ganz im Zeichen der Coronapandemie.

2021

Die Piste war perfekt, das Wetter strahlend,

Die Piste eine Woche vor den Rennen

Piste bereit 6.1.2021

Die Schwierigkeiten am Zielhang bilden wieder für alle Fahrer eine Herausforderung, aber ohne die anfeuernde Zuschauertribüne :

1960er Jahre

Die Skirennen am Kuonisbergli haben eine lange Tradition. 1956 zum ersten Mal als Internationaler Adelbodner Skitag durchgeführt und ab 1967 FIS Weltcup Slaloms sind sie heute bekannt als grosse Skifeste mit Zehhntausenden Besuchern. ( -> Wikipedia und ->weltcup-adelboden.ch)

2021 aber finden – unfreiwillig und virengeschuldet – wieder ganz intime, besucherarme Rennen statt.
Intim – auf eine andere Art – waren sie schon früher, und auch ohne den unfallträchtigen Zielhang. Das zeigen Bilder vom 5. Januar 1969, als die beiden Franzosen Augert (Cousins notabene) die Plätze 1 und 2 eroberten.

Zurück in die Geschichte der Rennen: 1903!

Die Slaloms am Chuenis sind allerdings bei weitem nicht der Beginn der Skirennen in Adelboden. Diese beginnen – so recht organisiert – 1903 noch einmal mehr als 50 Jahre früher, Und sie sind damals viel breiter angelegt, als eigentliche Skifeste mit vielen verschiedenen Disziplinen.

Jakob Aellig hat die Geschichte der Adelbodner Rennen und des -> Skiklubs im (nur diesem einen Beitrag gewidmeten) Hiimatrief von 1978 eindrücklich nachgezeichnet:

…. seit der Skiklub Bern 1903 und 1904 bei uns seine ersten beiden Alpinen Rennen erfolgreich durchführte, zeichnete sich die Vielfalt ab: In verschiedenen Kategorien massen sich Senioren und Junioren, Damen und Herren, Aelpler, Führer, Klubmitglieder, Einheimische, Gäste, Knaben, Mädchen, usw. Ein Organisationskomitee, das sich in viele Subgruppen gliederte, sorgte für eine möglichst einwandfreie Durchführung. Allerdings hielten Föhn, Schneemangel oder Regeneinbruch die Veranstalter immer bis zuletzt in Atem.“ (Aellig, p.2)

Die Zeitung Der Bund ruft anfangs Februar 1903 Besucherinnen und Besucher eindrücklich zum Besuch dieses Skirennens auf. Es soll schon damals ein Fest werden:

Was zu diesen Disziplinen gehörte, kann dann in der NZZ vom 15. Februar 1903 nachgelesen werden; unter anderem zählte dazu ein alpiner Dauerlauf über 20 km über den Hahnenmoospass von Adelboden in die Lenk und zurück.

Nach dem ersten Weltkrieg: Die Alpinen Skirennen

Nach dem [ersten Welt-]Krieg erinnerte man sich kaum mehr an die ersten alpinen Skirennen, die mit ihren siebenhundert-Meter-Steigungen ungeheure physische Anforderungen gestellt hatten. Kürzere, flachere Laufstrecken wurden Mode, wie sie im Norden üblich waren. “ (Aellig, p.6)

Doch dabei blieb es nicht, die Erinnerung an frühere Formen kam zurück:

Am 19. Oktober 1925 beschloss die Generalversammlung [des Adelbodner Skiklubs], am 23. Januar [1926] einen … Lauf und am 24. eine Sprungkonkurrenz durchzuführen. Das war die Geburtsstunde des Alpinen Skirennens der Nachkriegszeit.
Die Läufer starteten auf dem Hahnenmoos, wohin sie vormittags vom Dorf aus gewandert waren. In leichter Abfahrt erreichten sie Geils, zogen den Siten entlang über Winterröschten ins Bütschi, strebten der Wallislegi zu und von dort wieder zur Passhöhe beim Hahnenmoos. Darauf ging es scharf hinan zum Lavey und dann über Hintersillern — Stiegelschwand hinunter zum Ziel auf dem Stiimattli im Innerschwand. Dieser in der Schweiz einzigartige Lauf war über 18 km lang, mutete den Läufern mehr als 600 Meter Steigung und weit über 1000 Meter Höhendifferenz im Abfahren zu.“
(Aellig, p.6)

Aber offenbar war es den Besucherinnen und Besuchern doch etwas zu anstrengend, den Parcours zu besuchen. Die Teilnehmerzahl nahm über die Jahre ab, und auch die internationale Anerkennung von Abfahrt und Slalom durch die FIS Ende der zwanziger Jahre führte zum langsame Ende des anstrengenden Dauerlaufs.

Die Konzession an neuere Entwicklungen wurde … im Winter 1933 bestätigt. An der Halte im Boden steckte der Mürrener Kurdirektor G. Michel im Rahmen eines Alpinen einen — hier erstmals elektrisch gemessenen — Slalom aus. ….Von Anfang an verbunden mit dem Alpinen Rennen war ein Sprunglauf, dessen Resultate zur Ermittlung eines Kombinationssiegers verhalfen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man das Alpine Rennen mit seiner Sprungkonkurrenz als den jeweiligen Höhepunkt der Rennanlässe einer Wintersaison bezeichnet. Es ist auch der originellste Beitrag gewesen, den der Skiklub Adelboden der schweizerischen Rennenentwicklung geliefert hat.“ (Aellig, p.8/9)

Schon 1903 gehörten Skisprünge mit zum Programm, erst recht nach dem Bau der Lohnerschanze im Eselmoos 1919. Aber das Skispringen in Adelboden überlebte nicht, immer grössere und teurere Schanzen verlangte das Publikum … Kandersteg übernimmt.

Slalomzeit ab den 1950er Jahren

Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport und der Wahl zum Kurdirektor von Adelboden ergriff Dr. Fred Rubi die Initiative, in seinem neuen Wirkungskreis eine internationale Skiveranstaltung aufzuziehen. Von 1955 bis 1957 wurde ein Spezialslalom ausgetragen, und von 1958 bis 1961 umfasste der Adelbodner Skitag einen Slalom und einen Riesenslalom. Seit 1963 setzt sich das Programm aus zwei Riesenslaloms zusammen, wobei das Klassement durch Addition der Zeiten beider Läufe ermittelt wird. Als 1967 der erste FIS-WELTCUP ausgeschrieben wurde, war Adelboden mit dabei …….“ (Aellig, p.9) ….
… und ist es heute noch. Nächstes Rennen – wie intim auch immer – am 8. Januar 2022 Riesenslalom und 9. Januar 2022 Slalom.

1977 mit dem Zielraum wie 2021