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Altes neu erfinden

Seit 1783 steht unterhalb der Dorfstrasse das von Notar Christian Bircher erbaute sogenannte Bircherhaus. Heute im Besitz der Gemeinde und vermietet.

Ins Zentrum von Diskussionen geraten ist es nicht zuletzt wegen der wiederentdeckten geschliffenen Glasscheiben. Diese stammen ebenfalls aus dem Baujahr und sind Geschenke von Freunden an den Bauherrn; deshalb enthalten sie auch die Wappen der Schenkenden.

Schon 2018 haben sie Aufmerksamkeit erregt, als sie – soeben wiederrentdeckt – dem Dorfarchiv an dessen Jubiläumanlasss überreicht wurden. –> EIN JUBILÄUM: 10 JAHRE DORFARCHIV ADELBODEN

Dem Haus hat Jakob Pieren im Heimatbrief 2020 einen umfangreichen Artikel gewidmet. Er beschreibt das Gebäude, dessen Entstehung und eben die Geschichte der teilweise wieder gefundenen Schliffscheiben.

Und Jakob Pieren engagiert sich nicht nur mit einem Artikel, sondern auch mit Vorschlägen und Lobbying für den Erhalt und eine neue Zukunft des Hauses. Seine Vision: „Begegnungszentrum Bircherhaus“:

Die Vision: Begegnungszentrum Bircherhaus

Man könnte das Haus, wenn das bestehende Mietverhältnis einmal endet, (ev. zusammen mit der Scheune) zu einem kleinen, aber schmucken Begegnungszentrum der Gemeinde Adelboden umgestalten.

Hier ein Vorschlag für ein denkbares Raumkonzept (inkl. Lift und durchgehender Rollstuhlgängigkeit):

  • Einbau eines Versammlungsraumes im Dachgeschoss für kleinere Konzerte, Lesungen usw.
  • Lokalitäten für das Dorfarchiv, Umzug oder Erweiterung des Heimatmuseums
  • Raum für kleinere feierliche Anlässe der Gemeinde («Notar Stoller-Stube» mit den in einem Fenster konzentriert eingebauten Schliffscheiben)
  • Kleine Küche für Apéros usw.
  • Haus und Scheune liessen sich unterirdisch untereinander und mit dem Gemeindehaus verbinden. So könnten einerseits Reserveraum für die Gemeindeverwaltung und andererseits wohl auch Synergien für Haustechnik und Unterhalt geschaffen werden.“
    (Heimatbrief Nr. 81, p.38)

Eine rosa Zukunft für das Bircherhaus?

 Ein paar Fragen an Jakob Pieren (JP), Autor des Artikels im Heimatbrief, insbesondere zur Zukunft des Hauses:

13 im Jahr 1783 von Freunden des Bauherrn Bircher gespendete Glasscheiben mit Geschlechterwappen. Lässt sich daraus etwas zur Sozialstruktur Adelbodens in dieser Zeit herausfinden?

JP: Durchaus, schon die reine relativ grosse Anzahl gestifteter Scheiben ist ein Hinweis auf den überdurchschnittlichen Status des Bauherrn Notar Bircher. Aber auch die Scheibenstifter, welche sich doch recht prominent als Gönner auf den Scheiben verewigt haben, zeigten damit auch ihren Wohlstand und Stellung in der Gesellschaft. Weiter geben die Herkunftsorte der Scheiben Hinweise auf das Beziehungsnetz von Bircher. Interessant ist zum Beispiel auch die Tatsache, dass der Dragonerhauptmann und Scheibenstifter Matti aus dem Saanenland eine Schwester des Notars geheiratet hat. Ein weiterer Beweis, dass die Welt auch damals nicht vor dem Dorfeingang aufgehört hat.

Die im Artikel genannte Vision eines Begegnungszentrums ist recht traditionell und umfasst eigentlich nur ein Raumkonzept. Was könnte mit diesen Räumen angestellt, welche Ziele damit verbunden werden? Gibt es dazu Konkreteres?

JP: Wir, das heisst eine kleinere Gruppe von interessierten Leuten mit Bezug zu Adelboden, stehen erst am Anfang dieses Projektes. Im Moment gehen wir davon aus, dass das Haus eine kleine Wohnung mit einem Atelier aufweisen sollte, welche jeweils einem "artist in residence" für einige Wochen/Monate gratis zur Verfügung gestellt werden könnte. Im Obergeschoss sehen wir einen grösseren Raum, der für kleinere Anlässe und Ausstellungen mit einigen Dutzend Sitzplätzen konzipiert werden soll. Dieser Raum könnte auch von Privaten oder Vereinen für Familienfeiern und andere Anlässe gemietet werden. Im Erdgeschoss soll eine Stube als Repräsentationsraum (eventuell mit den wieder eingebauten Schliffscheiben usw) für offizielle Empfänge der Gemeinde usw vorgesehen werden. Im Weiteren sollen Mehrzweckräume oder Werkstätten inkl EDV Erschliessung eine breite Pallette von Anwendungen ermöglichen. Eine kleine Küche, sowie Garderoben und WC Anlagen sowie ein Lift runden das rollstuhlgängige Haus ab.
Neben dem Künstler, der temporär einen kleinen Teil des Hauses bewohnt und am Schluss seines Aufenthalts auch sein Werk präsentiert, sehen wir einheimische und auswärtige Kursanbietende als mögliche Interessenten, die die Mehrzweckräume als Arbeitsräume nutzen könnten und für Unterkunft und Verpflegung der Kursteilnehmenden auf der Infrastruktur des Dorfes basieren.
Grundsätzlich könnte man relativ einfach das Raumvolumen deutlich vergrössern, wenn man a) tiefer in den Untergrund geht und b) die Scheune auch noch einbezieht. Auch eine bauliche Verbindung mit dem unmittelbar daneben stehenden Gemeindehaus wäre denkbar. Im Moment verfolgen wir in unsern Überlegungen diese Möglichkeiten aber noch nicht weiter. Es ist vorgesehen, wenn die Planungen etwas weiter fortgeschritten sind, an die Öffentlichkeit zu gehen und in einem Workshop möglichst auch input aus der breiteren Bevölkerung zu erhalten.

Um Ziele zu verwirklichen, Leben in das Haus zu bringen, braucht es materiell oder ideell beitragende Partnerinnen und Partner. Was müsste für Jung und Alt an attraktiven Angeboten zu Unterhaltung, Lernen, Entwickeln … vorhanden sein? Wer könnte hier gewonnen werden, um dem alten Haus Neues einzuhauchen?

JP: Zum Teil finden sich Antworten dazu schon bei der vorherigen Frage. Wir sehen aber auch die Notwendigkeit eine Organisation zu bilden, die quasi das Haus betreibt, das heisst einerseits für den Unterhalt schaut und besorgt ist, dass die Räume genutzt werden und wenn möglich kein zu grosses Defizit entsteht. Welche Leute wollen sich hier engagieren? Wir wissen es noch nicht und auch nicht wieweit die Gemeindebürger allenfalls dann bereit sein werden an einen Umbau und für den Betrieb zu zahlen.
Es könnte eventuell durchaus sinnvoll sein, das ganze Projekt "etwas höher, vielleicht sogar überregional" aufzuhängen und es als Teil des grösseren Kulturraumes "Berner Oberland" oder zumindest "Frutigland" zu sehen. Das würde dann wahrscheinlich bedeuten, dass man zum Beispiel mit der schon bestehenden Kulturgutstiftung Frutigland zusammengehen sollte und damit den vom swiss chamber music festival und der Organisation TALK kürzlich neu eingeschlagene Weg auch anpeilen sollte. Vielleicht wäre es so einfacher, dann auch Unterstützung vom Kanton und vom Bund für dieses Projekt zu erhalten.
Sehr vieles ist also noch offen und ungewiss. Auch zeitlich gibt es keine Prognosen. Sicher ist nur, dass die Gemeinde Adelboden mit dem Bircherhaus ein kleines Juwel, mitten im Dorf, in einer ausgeschiedenen Zone für öffentliche Nutzung besitzt und daraus, wenn die Zeit da ist, auch etwas Schlaues für die Öffentlichkeit machen sollte.

Soviel zu den Visionen, zu einer noch offenen Zukunft. Und wenn diese Zukunft auch noch so lokal Eingegrenztes betrifft, gilt, was ein amerikanischer Politiker einmal sagte: “ The future is important because that’s where we’re all going“.

Der neue Heimatbrief ist da. Nummer 71

Der Hiimatbrief des Jubiläumsjahres enthält Geschichtliches wie auch Aktuelles – gemäß dem neuen und schon bewährten Konzept.

Hier das Editorial:

„Das Jahr 2010, in welchem der vorliegende 71. Jahrgang des Hiimatbriefs erscheint, wird fur unsere traditionsreiche Publikation zu einem Schicksalsjahr. 1947 erschien die erste Nummer des Briefes. Redaktion und Herausgabe lagen damals in den Handen vom Bodenschullehrer Christian Aellig, in Zusammenarbeit mit dem Natur- und Heimatschutzbund Adelboden. Spater, ab 1972, ubernahm Dr. Jakob Aellig die Verantwortung fur den Hiimatbrief. 2001 wurde Aellig altershalber durch einen Freundeskreis abgelost, welcher vom verstorbenen Gemeindeschreiber Peter Oester geleitet wurde. Nach dessen Tod im Jahr 2005 übernahm der Schreibende die Redaktionsarbeit, unterstützt von einem kleinen Redaktionsteam (mehr dazu).  Aber nach wie vor besass der Hiimatbrief keine eigentliche Rechtsform (Verein, Stiftung), was für die Zukunft gewisse Unsicherheiten mit sich brachte. Als dann 2008 die „Stiftung Dorfarchiv Adelboden“ errichtet wurde, tauchte die Idee auf, den Hiimatbrief in die Stiftung zu integrieren. Dies lag umso näher, als der Hiimatbrief organisch (und personell!) zum Dorfarchiv gehört und die gleichen Anliegen wie dieses vertritt. Nachdem sowohl der Stiftungsrat des Dorfarchivs wie auch der Gemeinderat Adelboden diesen Zusammenschluss begrüsst haben, wird ab 2011 der Hiimatbrief zum offiziellen Publikationsorgan der Stiftung Dorfarchiv Adelboden. Inhaltlich ändert sich durch diesen Zusammenschluss an der Zielsetzung des Hiimatbriefes nichts. Die Herausgabe des Briefes wird durch eine vom Stiftungsrat mandatierte Arbeitsgruppe besorgt. Diese Arbeitsgruppe entspricht dem gegenwärtigen Redaktionsteam.
Liebe Adelbodmerinnen und Adelbodmer, Sie haben eine neue, umfangreiche Nummer des Hiimatbriefes vor sich. Die im letzten Jahr getroffene inhaltliche Gliederung in Geschichtliches/Heutiges/Forum etc. hat sich bewährt. Der geschichtliche Teil enthalt diesmal zwei Schwerpunkte: da ist einmal das sog. „Schwedenlied“, in welchem über die sagenhafte Herkunft der Oberhasler und Frutigländer berichtet wird, sodann eine Zusammenstellung der Adelbodmer-Kinderheime, die vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Ferien- und Erholungsplatze anboten. Unter „Heutigem“ bringen wir u.a. eine Liste von originellen Übernamen, wie sie in Adelboden gebräuchlich waren und z.T. noch sind. Und das „Forum“ bietet auch diesmal interessante und wissenswerte Informationen.
Im Internet gelangen Sie uber die „Gemeinde Adelboden“ zum „Dorfarchiv, Hiimatbrief“ (unter Tourismus, Freizeit). Hier konnen Sie ein Inhaltsverzeichnis sämtlicher bis heute erschienenen HiimatbriefNummern einsehen. Ubrigens sind noch die meisten Jahrgänge im Dorfarchiv gegen ein kleines Entgelt erhältlich.
Im September dieses Jahres feiert Adelboden sein 600jähriges Jubiläum. Dieser Anlass soll Gelegenheit bieten, in Dankbarkeit zurückzuschauen, sich aber auch den Anforderungen der Zukunft mutig zu stellen!
Unter https://hiimatbrief.wordpress.com wurde von Armin Grossenbacher und Verena Flückiger Grossenbacher ein Hiimatbrief-Blog eingerichtet (da sind Sie jetzt gerade!), der in Zukunft auch die neuen Ausgaben unseres Briefes berücksichtigen wird und einem breiten Publikum zugänglich macht. Auch ihnen herzlichen Dank.
Ich möchte es nicht unterlassen, an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die am Zustandekommen des vorliegenden Briefes mitgewirkt haben, herzlich zu danken.
Christian Bärtschi“